Existenzgründung Einzelunternehmer, GbR, GmbH oder Ltd

Rund 1,4 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr nach Angaben der KfW-Bankengruppe den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Dabei spielt für Existenzgründer das richtige Firmengerüst eine wichtige Rolle.

Sein eigener Chef sein - viele träumen davon und machen sich aus freien Stücken selbstständig. Manche wagen den Gang in die Gewerblichkeit allerdings auch eher unfreiwillig. Mit der richtigen Rechtsform lassen sich häufig Risiken vermeiden und die Steuerbelastung begrenzen. Für junge Chefs gilt daher erst einmal die Devise, mit möglichst simplen Konstrukten anzufangen.

Es geht auch einfach

Wer ohne Partner an den Start geht, kann als Einzelunternehmer ohne viel Papierkram kurzfristig loslegen. Mehrere Personen können per einfachem Handschlag eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen und dann auf gemeinsame Rechnung wirtschaften. Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist vor dem Gesetz keine Pflicht - in der Praxis aber ein absolutes Muss. Bei der Verteilung von Aufgaben und Geld helfen im Voraus getroffene klare schriftliche Abmachungen, Zoff zu vermeiden.

Einzelunternehmen und GbR haben einen gewichtigen Nachteil. Die Beteiligten haften für sämtliche Schulden ihres Unternehmens mit dem gesamten Privatvermögen. Doch die unbeschränkte Haftung hat auch Vorteile. Wer zu Beginn seiner Tätigkeit rote Zahlen schreibt, kann die Verluste in seiner Steuererklärung mit anderem Einkommen - zum Beispiel dem Gehalt des Ehepartners - Steuer sparend verrechnen. Einzelunternehmen oder GbR eignen sich daher besonders für Handwerker, Kleingewerbetreibende und Dienstleister.

GmbH schützt vor persönlicher Haftung

Wer die persönliche Haftung vermeiden will, sollte an die Gründung einer GmbH denken. Größte Hürde ist hier allerdings, dass der Unternehmer 25.000 Euro Mindestkapital aufbringen und zur Hälfte in bar oder als Sacheinlage bei der Gründung einbringen muss. Die Gründungsformalitäten sind teuer - ohne Notar und Amtsgericht geht nichts. Erst nach dem Eintrag der Gesellschaft ins Handelsregister ist der Firmengründer aus der persönlichen Haftung heraus - für die Schulden des Betriebes haftet nur noch die GmbH mit ihrem Vermögen.

Benötigt die GmbH jedoch weitere Kredite, wird der Eigner oft mit zusätzlichen privaten Sicherheiten oder Bürgschaften in die Pflicht genommen. Die GmbH bietet steuerliche Vorteile, wenn die Geschäfte gut laufen. In der Flaute bleiben rote Zahlen jedoch in der Firma eingekapselt und können vom Gesellschafter nicht mit seinem übrigen Einkommen verrechnet werden.

Ausweg: Die britische Lösung

Als preiswerte und unkomplizierte Alternative zur GmbH wird immer häufiger die britische Limited (Ltd.) als Firmenmantel beworben. Auch sie bietet eine auf das Firmenvermögen beschränkte Haftung. Da die Limited mit einem Mindestkapital von einem britischen Pfund auskommt (1,47 Euro), können sich Gründer quasi zum Nulltarif aus der Haftung befreien. Zudem verursacht die englische Form der GmbH bedeutend weniger Gründungsaufwand. Während die Gründung einer GmbH bis zu 1000 Euro kosten kann, ist die Limited je nach Eilbedürftigkeit schon für knapp 200 Euro zu haben.

Trotzdem ist der Importschlager von der Insel für junge Start-Ups nicht erste Wahl, den nach dem Start entstehen hohe Folgekosten. So fordert nicht nur der deutsche Fiskus sein Recht - zusätzlich müssen auch die britischen Behörden über einen Vertreter vor Ort im Detail über die Geschäfte der Firma informiert werden. Auf lange Sicht hat die deutsche GmbH in punkto Kosten die Nase vorn.

Michael Degethof/DDP DDP

Mehr zum Thema

Newsticker