HOME

Führungskompetenz: Begeistern statt befehlen

Autorität hat ausgedient: Deutsche Manager sind der Meinung, ein Führungsstil, der sich durch "Wahrhaftigkeit" auszeichnet, bringt gerade in Krisenzeiten am ehesten Erfolge.

Gerade in schwierigen Zeiten rigoros auf Autorität, hartes Durchgreifen und strenge Disziplin zu setzen, halten laut einer Studie der "Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft" die meisten Führungskräfte für falsch. Der Aussage "Nur wer machtbewusst ist, kann führen" stimmen nur 23,3 Prozent der befragten Manager zu. Aber: Auch wenn die meisten Teilnehmer Autorität nicht als wichtigste Kompetenz einer Führungskraft zur Krisenbewältigung definieren, räumen doch über 60 Prozent selbstkritisch ein, dass Manager gerade in Krisenzeiten dazu neigen, autoritärer zu führen.

In wirtschaftlich guten Zeiten wurden Unternehmensleitbilder erstellt, Führungsleitsätze formuliert und der Unternehmenskultur ein hoher Stellenwert eingeräumt. Allerdings konzentrierte man sich damals auf Mitarbeiterbindung und Vorsprünge im oft zitierten "War for Talents". Der Wind hat sich gedreht: Wenn Entlassungen anstehen, kann plötzlich ein "Kampf um Köpfe" der ganz anderen Art entstehen. Viele Unternehmen merken jetzt, dass ihnen mühsam erarbeitete Standards der Personalentwicklung und Unternehmenskultur nicht weiter helfen, weil sie zu zeitintensiv und ausschließlich auf Wachstum ausgerichtet waren. 59,5 Prozent der Befragten vertreten die Meinung, dass sich die Anforderungen an die Manager im Zuge der wirtschaftlichen Talfahrt geändert haben. "Viele Führungskräfte stehen vor allem deshalb ratlos da, weil das Wort 'Krise' im Vokabular der neunziger Jahre keinen Platz hatte", so Daniel F. Pinnow, Vorsitzender der Geschäftsführung der Akademie.

Führen kann man lernen

Dass in Krisenzeiten öfter über Zahlen als über Gefühle gesprochen wird, ist normal. Fatal ist nur, dass Führungskräfte oft gegen ihre eigene Überzeugung handeln müssen und deshalb sich selbst gegenüber an Glaubwürdigkeit verlieren. "Vielleicht steht 'Authentizität' deshalb ganz oben auf der Wunschliste der Kompetenzen einer guten Führungskraft", meint Pinnow. Die persönliche Kompetenz ist der Umfrage zufolge weitaus entscheidender als Branchen-Know-how und Expertise: Fachkompetenz hält weniger als die Hälfte für entscheidend.

In der Krise ist der Chef weniger als Fachmann denn als Mensch gefordert. Dementsprechend sind die befragten Manager überzeugt, dass man das "Handwerkszeug" für gute Führung nicht im Studium lernen kann, sondern sich im Führungsalltag erarbeiten muss. 92,7 Prozent der Befragten sind sogar der Auffassung, dass Manager im Studium zu wenig auf den Führungsalltag vorbereitet werden. Das heißt jedoch nicht, dass die Qualitäten einer guten Führungskraft angeboren sind. Die eindeutige Mehrheit (71,4 Prozent) ist überzeugt: Führen kann man lernen.

Mit der eigenen Leistung zufrieden

"Natürlich kann man Führung lernen. Vor allem aber heißt Führung: immer wieder neu lernen", ist Pinnow überzeugt. So seien viele Führungskräfte vor allem deshalb auf schwierige Situationen nicht vorbereitet, weil ihre Führungstheorien und –modelle zu einseitig seien und keine Widersprüche zuließen. "Dabei ist Führen ohne Widerspruch ein Widerspruch an sich!", so Pinnow. Gerade in Krisenzeiten müssen Manager oft Unvereinbares vereinbaren. Sie sollen für Umsatz und Wachstum sorgen und gleichzeitig die Qualitätssicherung im Auge behalten; sie müssen Entlassungen aussprechen und gleichzeitig dafür Sorge tragen, dass das Unternehmensklima nicht leidet. In diesem Punkt liefert die Studie deutliche Alarmsignale: Jeder Zweite (56,8 Prozent) muss feststellen, dass die Angst der Mitarbeiter vor Arbeitsplatzverlust den Führungsalltag erschwert. Und 40 Prozent stellen in ihrem Unternehmen allgemeines Misstrauen fest. "Die Führungskraft ist also nicht nur als Manager, sondern vor allem als Mensch gefordert", sagt Pinnow. Auch wenn der Zwang zur Personalreduzierung teilweise auf Faktoren außerhalb des Unternehmens zurückzuführen ist, bleibt die Frage, wie sich die Folgen von Personalabbau, Umstrukturierungen, Erhöhung der Zielvorgaben auf das Miteinander und die Unternehmenskultur auswirken, eine Frage der Führung.

Mit der eigenen Leistung sind die deutschen Manager trotz Wirtschaftstalfahrt und veränderten Rahmenbedingungen durchaus zufrieden. Die meisten Befragten vergeben sowohl für das eigene Führungsverhalten als auch für den Führungsstil ihres Vorgesetzten gute Noten. Ganze 88 Prozent aller Manager, die selbst Personalverantwortung tragen, sind mit ihrer Leistung als Führungskraft zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Nur neun Prozent üben scharfe Selbstkritik: Sie loben den Vorgesetzten, beurteilen ihre eigenen Führungsqualitäten aber wesentlich schlechter. Für Pinnow ist die Selbsteinschätzung durchaus realistisch: "Pauschalkritik an Führungskräften ist heutzutage genauso in Mode wie die Heldenverehrung zu Zeiten der New Economy. Führungskräfte machen heute genau so viele oder genau so wenig Fehler wie vor ein paar Jahren - sie sind nur folgenreicher und fallen schneller auf."

Welche Kompetenzen sind in Krisenzeiten für eine Führungskraft besonders wichtig?

Kompetenzenn=267 Manager
Wahrhaftigkeit62,20%
Begeisterungsfähigkeit58,80%
Belastbarkeit58,10%
Fachkompetenz46,40%
Moderationskompetenz bei Konflikten44,20%
Einfühlungsvermögen41,60%
Kreativität33,70%
Durchsetzungsfähigkeit35,60%
Gelassenheit30,70%
Mut27,30%
Rhetorische Kompetenz20,20%
Humor13,90%
Autorität7,90%
Kenntnis über neue Management-Methoden6,40%
Gute Umgangsformen6,00%
Allgemeinbildung3,70%
Gepflegtes Äußeres1,10%
Themen in diesem Artikel