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Nominiert in der Kategorie "Visionär": Die Bildschirm-Revolution

Die Dresdner Firma Novaled entwickelt organische Dioden für das Licht der Zukunft.

Gildas Sorin, 53, ist ein gefragter Mann. "Kannst du kurz kommen?", fragt ein Mitarbeiter auf dem Gang. Der Chef der Novaled GmbH in Dresden winkt ab. Nichts zu machen, denn jetzt widmet sich der Sorin erst einmal seinem Lieblingsthema: Der Zukunft.

"Röhrenmonitore?", fragt der Manager verächtlich und antwortet gleich selbst: "Ein anderes Jahrhundert." Flüssigkristalle? "Überbewertet." "Oled’s", sagt der Manager mit tiefster Überzeugung, "Oled’s, das ist die Zukunft". Und es schwingt ein wenig Mystik und Zauberei mit und natürlich der dicke blaue Stift, den der Manager in der Hand hält und der jeden Buchstaben betont: O-L-E-D. Organische Leuchtdioden. Was den Novaled-Chef so begeistert, sind extrem dünne Materialschichten, die beim Anlegen einer Spannung Licht abstrahlen. Die Vorteile der Technologie: Die Kunststoffverbindungen verbrauchen nur wenig Strom, ermöglichen biegsame und extrem flache Monitorflächen und bieten auch für Betrachter einen guten Kontrast, die schräg von der Seite auf das Display schauen. Die ersten Kameras und Handys mit den Oled-Displays sind bereits im Handel. Computer- und Fernsehschirme könnten in den nächsten Jahren folgen. "Da entwickelt sich gerade ein Milliarden-Markt", glaubt Sorin. Und seine Firma ist auf dem besten Weg, kräftig mitzuverdienen.

Novaled produziert zwar selbst keine Oleds, aber erforscht und verkauft die Technologie dahinter. Mehr als 100 Patente hält die Firma bereits und das Interesse am Wissen der Dresdner wächst rasant. "Wir arbeiten inzwischen mit allen wichtigen Displayherstellern zusammen", sagt Sorin. Im vergangenen Jahr erlöste Novaled mit solchen Know-How-Transfers rund 1,5 Millionen Euro, für 2007 peilt das Unternehmen einen Umsatz von zwölf Millionen Euro an. Tendenz: Steigend.

Doch es sind nicht nur solche Zahlen, die den blauen Stift in der Hand des Managers unruhig werden lassen, sobald das Wort "Oled" erklingt. Es ist die Vision dahinter, die "Leucht-Revolution", wie es der Franzose ausdrückt.

Wenn es nach Sorin geht, werden die organischen Dioden eines Tages sogar der Glühbirne Konkurrenz machen. Nur wenige hundert Nanometer dick sind sie, gerade ein Fünfzigstel eines Haars. Sie lassen sich sowohl auf Glas als auch auf dünne Folien auftragen. "Stellen sie sich doch mal diese Wand hier vor", sagt Sorin und deutet mit seinem blauen Stift zur Seite. "Die könnte komplett leuchten, in jeder Farbe." Oder auch ganze Hausfassaden in den Städten. Autos mit einer Oled-Folie wären in der Dunkelheit sofort zu erkennen. "Und das Beste", sagt Sorin, "es gibt auch transparente Oled's". Fenster seien denkbar, die tagsüber das Licht durchlassen und den Blick nach draußen freigeben, abends aber als helle Oled-Flächen leuchten.

Ein Lichtblick vielleicht auch für den deutschen Arbeitsmarkt. Während die Display-Produktion bereits unumkehrbar nach Asien abgewandert ist, gibt es noch eine Reihe großer europäischer Leuchtenhersteller. Sollte sich die Technologie durchsetzen, könne sich Sorin deshalb künftig in Dresden nicht nur Forschungs-, sondern auch Produktionsanlagen vorstellen. Lachend deutet der Manager auf ein Bild in seinem Büro, das seine Frau gemalt hat. Das blaue Wunder, das Wahrzeichen von Dresden, strahlt dort in kräftigen Farben von der Wand. "Es geht auch ohne Oled's", sagt Sorin.

Henryk Hielscher
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