HOME

Open Business Club: "Sehen, was funktioniert und was nicht"

Mit seiner Online-Plattform "Xing" hat der Gründerpreis-Nominierte Lars Hinrichs es geschafft, zwei Millionen Mitglieder aus aller Welt zu vernetzen. 2006 ging sein Unternehmen an die Börse.

Von Nicola Meier

"Ich arbeite nicht, ich gehe meiner Leidenschaft nach", sagt Lars Hinrichs. Und seine Leidenschaft sei es, Unternehmer zu sein. Er wolle insofern bis zum Ende seines Lebens arbeiten. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, wie jung er und sein Unternehmen noch sind. Im Sommer 2003 hatte der damals 26-jährige Hinrichs die Idee für OpenBC, einer Internet-Kontaktbörse für Geschäftsleute.

Die Idee ist simpel: Auf der Online-Plattform kann jeder sein Profil mit Foto und Lebenslauf einstellen und unter den anderen Teilnehmern neue Geschäftkontakte suchen. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Idee basiert auf der These des New Yorker Sozialpsychologen Stanley Milgram, die besagt, dass jeder Mensch jeden anderen über sechs Ecken kennt. Folglich findet man in einem so großen Netz auch viele Bekannte wieder.

Globalisierung pur

"Ich hatte den Eindruck, das ist etwas Großes", sagt Hinrichs. Er hat Recht behalten. Mittlerweile heißt die Plattform Xing und vernetzt über zwei Millionen Mitglieder aus aller Welt - Tendenz steigend. Über 40 Prozent der Nutzer kommen aus dem Ausland. "Das, was wir hier machen, ist Globalisierung pur", sagt Hinrichs. Der Durchschnittsnutzer von Xing sei männlich, Mitte 30, im mittleren oder gehobenen Management tätig und nutze Xing als Karrieretool.

Hinrichs spricht von "tausenden Erfolgsgeschichten", die seine Plattform hervorgebracht hat. Nutzer der Plattform schätzen allerdings auch, dass man alte Bekannte wiederfinden kann - ohne dass das etwas mit der Karriere zu tun hat.

So oder so. Die Xing-Gemeinde wächst und immerhin 13 Prozent der Nutzer zahlen pro Monat einen Beitrag von 5,95 Euro für eine so genannte "Premium-Mitgliedschaft", die besondere Zusatzfunktionen beinhaltet. Mit diesen Beiträgen finanziert sich die Plattform. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 10,1 Millionen Euro umgesetzt. Dieses Jahr soll der Umsatz verdoppelt werden, sagt Hinrichs. Im vergangenen Jahr ist der heute 30-Jährige mit seinem Unternehmen an die Börse gegangen.

Die Aktie ist im Aufwärtstrend

"Wir sind das erste Web-2.0-Unternehmen, das nach dem Crash der New Economy an die Börse ging", sagt Hinrichs stolz. Obwohl das Unternehmen bisher vor allem Verluste erwirtschaftete, hat es einen Börsenwert von rund 150 Millionen Euro. Hinrichs sagt, er sei mit dem Börsengang "sehr zufrieden". Dabei war der Gang aufs Frankfurter Parkett alles andere als rasant. Die Aktie dümpelte lange um den Ausgabepreis von 30 Euro herum. Mittlerweile geht es aber aufwärts für die Aktie, derzeit liegt ihr Preis bei knapp 40 Euro. Manche Analysten halten das für viel zu hoch.

Mit dem Geld aus dem Börsengang soll Xing wachsen. Hinrichs will vor allem neue Märkte im Ausland erschließen. Die spanische Plattform "eConozco" hat er bereits gekauft, weitere Übernahmen sollen folgen. "Entweder man kauft oder man wird gekauft", sagt Hinrichs. Gerade wird der Markteintritt in Amerika vorbereitet. Dort sitzt die Konkurrenz: Die Business-Plattform "LinkedIn" hat bereits neun Millionen Mitglieder und ist damit weltweit die Nummer Eins. Vor allem im englischsprachigen Ausland dominiert die US-Plattform. Das soll sich ändern. Mit genauen Zahlen für die Zukunft hält sich Hinrichs allerdings noch zurück.

Erste Pleite mit 25

Seine letzte Firma, die "Böttcher Hinrichs AG", gründete er 2000 zusammen mit Peer-Arne Böttcher, einem Freund aus Bundeswehrzeiten. Zuvor hatten die Beiden im Bundestagswahlkampf 1998 die Plattform "Politik-Digital" aus der Taufe gehoben, die für ihre gut aufbereiteten Informationen sogar den Grimme-Preis bekam. Die "Böttcher Hinrichs AG" ging allerdings zwei Jahre nach der Gründung Pleite. Da war Hinrichs gerade mal 25.

Während andere in diesem Alter ihre Abschlüsse an der Uni machen, hatte Hinrichs schon mal das mitgemacht, was er "die Lehren des Lebens" nennt. Studiert hat er nicht, weil er nach einem Tag an der Uni im Gespräch mit dem Dekan erkannte, dass das Studium der Wirtschaftswissenschaften nichts für ihn sei. Er wählte stattdessen die "University of Hard Knocks", die "Universität des Lebens". So steht es in seinem Xing-Profil.

Ohne Hilfe der Familie

Ein sorgloses Studentenleben, eine Zeit ohne Verantwortung, das alles hat ihn nie gereizt. Und das lag nicht am Geld: Seiner Familie gehört eine große Hamburger Bäckerei. Sich auf dem Geld seiner Eltern auszuruhen, kam für Hinrichs aber nicht in Frage. Ebenso wenig wollte er sich von seiner Familie helfen lassen. Die Büroräume von Xing am Hamburger Gänsemarkt gehören seinem Großvater. Hinrichs hat sie aber über einen Makler gemietet und seinem Großvater erst nach Abschluss des Vertrags gesagt, dass er der neue Mieter sei, "weil er mir sonst geholfen hätte". Und genau das wollte Hinrichs nicht. Auf die Frage, wie sein Großvater reagiert habe, sagt Hinrichs: "Überrascht. Und zufrieden." Und wirkt dabei selbst genauso zufrieden.

Hinrichs baut gerne auf: Nach der Pleite mit der "Böttcher Hinrichs AG" hat er nicht lange gegrübelt, sondern sich stattdessen hingesetzt und eine Liste mit 100 Fehlern geschrieben, die er gemacht hat und die er nicht wieder machen will. Danach hat er das nächste Unternehmen gegründet: "Das Wichtigste ist, dass man Dinge ausprobiert und sieht, was funktioniert und was nicht."

print
Themen in diesem Artikel