HOME

Sieben Eigenschaften für Existenzgründer: Bin ich ein Unternehmertyp?

Taugen Sie zum Selbständigen? Finden Sie es heraus! stern.de verrät, welche Persönlichkeitsmerkmale ein angehender Unternehmer mitbringen sollte.

Von Andreas Lutz

Der Schritt in die Selbständigkeit will wohl überlegt sein. Deshalb sollte ein angehender Unternehmer gründlich prüfen, ob er sich dafür eignet. Studien haben gezeigt, dass bei erfolgreichen Selbständigen sieben Persönlichkeitsmerkmale typischerweise besonders stark ausgeprägt sind.

stern.de verrät, welche Eigenschaften für Unternehmer besonders wichtig sind. Testen kann man die Merkmale anhand des FDUP-Tests, dem zurzeit bekanntesten Fragebogen (entwickelt von Prof. Günter F. Müller, Universität Koblenz-Landau).

Wenn Sie an einigen Stellen Schwächen haben: Prüfen Sie, wie wichtig diese Eigenschaft für den Erfolg Ihres Vorhabens ist und suchen Sie gegebenenfalls einen Partner oder Mitarbeiter, der Ihre Schwächen ausgleicht.

1. Motivation von innen

Ein hoher Grad an Eigenmotivation ist ein Kernmerkmal der unternehmerischen Persönlichkeit, denn wenn Sie sich nicht selbst motivieren, wer soll es dann tun? Psychologen sprechen von "Leistungsmotivstärke". Leistungsmotiviert sind Sie, wenn es die Aufgabe selbst ist, die Sie reizt, und nicht die Belohnung oder Anerkennung. Ist es Ihnen zum Beispiel lieber, allein eine Aufgabe zu bearbeiten, die Sie sich selbst gestellt haben, als dies innerhalb eines größeren Teams zu tun? Ziehen Sie Befriedigung daraus, ein Projekt fehlerfrei und genau zum Abschluss zu bringen? Viele Selbständige gründen, weil sie ihren eigenen Qualitätsanforderungen gerecht werden wollen und nicht den oft zweifelhaften Vorgaben ihrer Vorgesetzten. Durch die richtige Wahl der Tätigkeit können Sie sehr viel Energie freisetzen, die aus Ihrem Inneren kommt.

2. Glaube an die Machbarkeit

Stimmen Sie der Aussage "Jeder ist seines Glückes Schmied" uneingeschränkt zu? Dann verfügen Sie in der Sprache der Psychologen über ein hohes Maß an "internalen Kontrollüberzeugungen", sind also überzeugt von der Machbarkeit der Dinge. Sie glauben, dass Erfolg im Leben nicht von Chancen und Gegebenheiten abhängt, sondern hart erarbeitet werden kann und muss. Solche Menschen erleben sich als Initiator und "Macher", sie sind selbstbewusst, wollen eigenverantwortlich handeln und lassen sich ungern bevormunden. Oft entwickelt sich diese Art von Selbstvertrauen im Lauf der Selbständigkeit mit den erzielten Erfolgen. Im Vorfeld der Gründung kommt neben der eigenen Persönlichkeit vor allem der Wahl und Ausgestaltung der selbständigen Tätigkeit eine große Rolle zu: Je mehr Sie Ihre Stärken einbringen können, desto selbstbewusster werden Sie agieren.

3. Emotionale Stabilität

Wie gehen Sie mit Kritik und Misserfolgen um, wie stabil sind Sie emotional? Lassen Sie sich durch einzelne frustrierende Ereignisse längere Zeit emotional blockieren? Gehen sie Ihnen längere Zeit nicht mehr aus dem Kopf, sodass sie Ihnen Energie nehmen? Emotionale Stabilität ist besonders wichtig in der Phase der Unternehmensgründung, in der Sie häufig Widerstände überwinden und Rückschläge verkraften müssen. Vor allem in solchen Momenten ist es hilfreich, Gesprächspartner zu haben, mit denen Sie sich über schwierige Situationen auf konstruktive Weise unterhalten können. Entwickeln Sie zudem - passend zu Ihrer Persönlichkeit - Strategien, um derartige Geschehnisse schnell zu bewältigen und danach gelassen weiterarbeiten zu können - ohne sich aber Ihren Gefühlsregungen gegenüber abzuschotten.

4. Problemlösungsorientierung

Dabei handelt es sich um die Überzeugung, dass neuartige und ungewöhnliche Aufgaben prinzipiell lösbar sind, auch wenn noch kein Lösungsweg bekannt ist. Dabei lässt sich zwischen analytischer und intuitiver Problemorientierung unterscheiden. Die analytische Orientierung ist durch eine systematische, geplante Vorgehensweise geprägt: Zunächst werden alle Aspekte der Aufgabe detailliert ergründet, bevor systematisch nach einer Lösung gesucht wird. Sie sind ein eher analytischer Typ, wenn Sie zum Beispiel Strategiespiele besonders gern mögen oder schon am Morgen einen sehr genauen Plan haben, wie Ihr Tag im Einzelnen aussehen wird. Die intuitive Problemlösung hingegen setzt stärker auf Intuition und Kreativität, bevorzugt völlig neuartige Aufgaben, die schwierig zu analysieren sind, und geht ein Problem ganzheitlich an. Viele Menschen tendieren stärker zu der einen oder anderen Art der Problemlösung. Dies kann durchaus großen Einfluss auf die Wahl der passenden beruflichen Tätigkeit haben.

5. Risikobereitschaft

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Eignung zur Selbständigkeit ist der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten. Als "Risikobereitschaft" wird die Neigung bezeichnet, auch Handlungsalternativen mit nur geringer Erfolgswahrscheinlichkeit zu wählen, sofern diese einen relativ zum Risiko großen Erfolg versprechen. Ein Unternehmer sollte bereit sein, solche kalkulierbaren Risiken einzugehen. Andererseits sollte ein Selbständiger nicht alles auf eine Karte setzen. Wie hoch das individuelle Risiko sein darf, hängt in erster Linie von der jeweiligen Vermögenssituation des Einzelnen ab. Jemand, der über keinerlei Reserven verfügt, wird vernünftigerweise weniger riskieren als jemand, der finanziell sehr gut abgesichert ist.

6. Ungewissheitstoleranz

Während bei der Risikoneigung davon ausgegangen wird, dass relativ klare Entscheidungsmöglichkeiten vorliegen, kommt die Ungewissheitstoleranz in Situationen zum Tragen, die so kompliziert oder neuartig sind, dass die Handlungsalternativen selbst unklar erscheinen. Hier geht es um die Fähigkeit, mit derartigen unklaren Lebens- und Berufssituationen umzugehen und immer wieder einen Ausweg zu finden. Wenn Sie über eine hohe Ungewissheitstoleranz verfügen, gehören Sie wahrscheinlich zu den Menschen, die sich gerne in entsprechende Situationen bringen: Sie gehen zu Partys, auch wenn Sie dort niemanden kennen, oder suchen sich Urlaubsziele aus, an denen Sie noch nie zuvor gewesen sind. Ähnlich wie bei der intuitiven Problemorientierung macht es Ihnen Spaß, auf kreative Weise mit unstrukturierten Situationen umzugehen. Den Gegensatz dazu bilden diejenigen Menschen, die stark strukturierte, bekannte Situationen und gewohnte Aufgaben bevorzugen.

7. Durchsetzungsbereitschaft

Durchsetzungsbereitschaft hat viel mit Risikoneigung gemeinsam: Das kalkulierte Risiko, das hier vom Einzelnen eingegangen werden muss, besteht darin, sich dem Willen anderer entgegenzustellen und unnachgiebig zu bleiben, selbst wenn damit eine schnelle Einigung erschwert oder die Unterstützung durch und Zuneigung von anderen gefährdet wird. In diesem Zusammenhang geht es vor allem darum, einen Mittelweg zwischen zu großem Entgegenkommen einerseits und Kompromisslosigkeit andererseits zu finden. Erfolgreich ist derjenige, der die richtige Mischung aus kooperativem und kompetitivem, das heißt wettbewerbsorientiertem, Verhalten wählt. Viele Gründer und insbesondere Gründerinnen finden es schwer, ihre legitimen Interessen ausreichend klar zu artikulieren und einzufordern. Es lohnt sich - auch finanziell -, Feedback zum eigenen Verhandlungsstil einzuholen und Verhandlungstechniken zu trainieren, zum Beispiel im Rahmen eines Coachings.

Von Andreas Lutz
Themen in diesem Artikel