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Existenzgründung Selbstständig aus der Arbeitslosigkeit

Existenzgründung: Selbstständig aus der Arbeitslosigkeit
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Selbstständigkeit ist häufig ein vielversprechender Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Lesen Sie hier, welche Starthilfen der Staat bietet, was Sie erfüllen müssen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Wer sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und langfristig aus eigener Kraft für seinen Lebensunterhalt sorgen möchte, kann von der Agentur für Arbeit eine finanzielle Starthilfe bekommen.

Vor dem Schritt in die selbstgestaltete Berufstätigkeit sollten Sie möglichst mit professionellen Coaches Ihre beruflichen Stärken und Schwächen sowie Ihre persönlichen Vorlieben erarbeiten. Scheuen Sie sich nicht, dabei auch neue Wege zu gehen. Wer als Marketingprofi in einem mittelständischen Betrieb für ein positives Image der Firma und einen guten Absatz der Produkte gesorgt hat, ist kommunikativ und hat Verkäuferqualitäten - Vorzüge, die auch in anderen Branchen, wie beispielsweise im Einzelhandel, gebraucht werden.

Wann können Sie den Gründungszuschuss bekommen?

Beim Sprung in die Selbstständigkeit hilft die Agentur für Arbeit mit einem Gründungszuschuss. Darin sind der bisherige Existenzgründerzuschuss für die Ich-AG und das Überbrückungsgeld zusammengefasst. Allerdings ist der direkte Übergang aus einem Angestelltenverhältnis in eine geförderte Selbstständigkeit nicht möglich. Damit soll vermieden werden, dass Betriebe ihre Mitarbeiter - um Kosten zu sparen - in eine Scheinselbstständigkeit ausgliedern. Wer sich selbstständig machen möchte, muss mindestens einen Tag arbeitslos gemeldet sein, bevor er sich um den Gründungszuschuss bewerben kann.

Wer diesen Zuschuss bekommen möchte, muss einen Restanspruch von mindestens 90 Tagen auf das Arbeitslosengeld I haben und der Agentur für Arbeit plausibel darlegen können, dass er für die Tätigkeit geeignet und qualifiziert ist. Schließlich soll der neue Betrieb langfristig ohne staatliche Zuschüsse Gewinne abwerfen und den Lebensunterhalt seiner Betreiber erwirtschaften. Eine wichtige Voraussetzung für die Bewilligung durch die Agentur für Arbeit ist der Nachweis, dass die geplante Selbstständigkeit wirtschaftlich tragfähig ist: Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, Kreditinstitute und Verbände können als fachkundige Stellen eingeschaltet werden. Hier bekommen Sie neben Ratschlägen und Fallbeispielen für den Weg in die Selbstständigkeit auch unabhängige Einschätzungen von Experten, wie erfolgversprechend ihre Geschäftsidee ist und ob Sie sich damit langfristig am Markt behaupten können. Ziel sollte immer eine eigenständige, langfristig tragfähige Geschäftsidee sein, damit Sie nicht auf zusätzliche Unterstützungsleistungen durch das Sozialamt angewiesen sind.

Vor der Gründung Ihrer eigenen Firma sollten Sie mit Hilfe eines Steuerberaters und Ihrer Hausbank einen Business Plan erstellen, in dem alle notwendigen Investitionen und Ausgaben sowie die zu erwartenden Einnahmen aufgelistet sind. Ohne diese genauen Berechnungen kann Ihre Bank auch keinen Kredit zum Start in die Selbstständigkeit gewähren. Und den brauchen Sie, um eine erste Büroausstattung, die erste Ladenmiete oder auch die erste Lieferung bestellter Waren zu bezahlen und die nötige Liquidität sicherzustellen. Die meisten Banken verlangen zudem bei der Kreditvergabe entsprechende Sicherheiten in Form von Grundvermögen oder Versicherungen, die an den Kreditgeber abgetreten werden.

Wieviel Geld bekommen Sie von der Agentur für Arbeit?

Der Gründungszuschuss deckt nur die finanziellen Bedürfnisse des Antragsstellers und umfasst nicht die Kosten für die Betriebsgründung. Gezahlt wird neun Monate das Arbeitslosengeld I plus 300 Euro, die zur eigenen sozialen Absicherung verwendet werden sollen. Diese 300 Euro können noch weitere sechs Monate gewährt werden. Allerdings nur, wenn eine positive Entwicklung der Geschäftsidee erkennbar ist.

Welche Versicherungen brauchen Sie?

Für Selbstständige ist die Mitgliedschaft in einer Renten- und Pflegeversicherung freiwillig, allerdings sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse diese Versicherungen beibehalten. Wer selbstständig ist, muss allerdings zum Arbeitnehmeranteil auch den Betrag des Arbeitgebers bezahlen. Dadurch ist ein großer Teil der monatlichen Einnahmen bereits fest verplant.

Seit 01. Januar 2009 gilt zudem auch für Selbstständige eine Krankenversicherungspflicht. Wer zuletzt gesetzlich versichert war, muss sich wieder an die gesetzliche Krankenversicherung wenden und darf auch nicht abgewiesen werden. Private Krankenversicherungen sind ebenfalls gezwungen, Rückkehrer wieder aufzunehmen und müssen einen günstigen Basistarif anbieten, der sich am Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen orientiert.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, sollten Sie zusätzlich eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige abschließen. Das lohnt sich vor allem für Existenzgründer, die zum Gründungszeitpunkt nur noch einen geringen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben und die das Risiko eines Scheiterns ihrer Selbstständigkeit sehen.

Was, wenn Ihre Selbstständigkeit scheitert?

Nicht jede Geschäftsidee behauptet sich am Markt. Die Gründe für eine Aufgabe der Selbstständigkeit sind vielfältig: Wiederaufnahme einer Festanstellung, Reduzierung der Arbeitszeit durch familiäre Verpflichtung oder schlicht Unwirtschaftlichkeit. Wer die Selbstständigkeit beendet oder nur noch nebenberuflich (weniger als 15 Stunden pro Woche) ausübt, erhält keine Förderung mehr. Die bisherigen Fördersummen müssen aber nicht zurückgezahlt werden. Allerdings: Wer die Selbstständigkeit aufgibt, kann frühestens nach 24 Monaten erneut Gründungsförderung beantragen.


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