StartUp-Werkstatt Hoch hinaus


Deutschlands größtes Existenzgründer-Planspiel StartUp-Werkstatt beweist, dass Lernen Spaß machen kann. Ab sofort können sich Schüler für die Runde 2006 anmelden.

Basri zittern die Knie. Seine Kiefernmuskeln sind angespannt. Er steht auf einem Seil acht Meter hoch über der Erde. Es nieselt. Basri klammert sich an Felix, der neben ihm steht. Beide tragen hellgrüne Schutzhelme und Sicherungsgurte, die sie halten sollen, wenn sie fallen. Gemeinsam wollen beide Schüler über das Seil balancieren. Zum Festhalten haben sie nur ein paar Querstangen, dazwischen sind die Abstände aber so groß, dass es ohne die Hilfe des jeweils anderen nicht geht.

Von unten ruft Katja: "Ihr packt das!" Gemeinsam mit Hanno und Jan hält die zierliche Schülerin die beiden großen Jungs am Sicherungsseil fest. Hanno brüllt: "Wir haben euch!" Basri und Felix tasten sich vor, ganz langsam, Hand in Hand. Basris Turnschuhe quietschen vor Nässe. "Mir kommt es vor, als ob die Strecke immer länger wird", schnauft er. Das Seil schwankt. Nach 20 Metern erreichen sie den nächsten, festen Pfahl. "Wow, ist das ein geiles Gefühl!", schreit Felix.

Basri, Felix, Katja, Hanno und Jan stehen im Hochseilgarten des Schlosses Kröchlendorff in der Uckermark. Sie sind fünf von 21 Jugendlichen, die ein dreitägiges Management- und Persönlichkeitstraining gewonnen haben. Es ist der Hauptpreis für die besten von mehr als 6000 Schülern ab 16, die Jahr für Jahr an der StartUp-Werkstatt teilnehmen, Deutschlands größtem Existenzgründer-Planspiel - initiiert vom stern, den Sparkassen, dem ZDF und der Unternehmensberatung McKinsey. Was Basri, Felix und die anderen hier erleben, winkt den besten fünf Teams auch im kommenden Jahr. Wer bei der StartUp-Werkstatt mitmachen will, kann sich ab sofort für die Spielrunde 2006 anmelden (siehe Kasten folgende Seite).

Der Tanz auf dem Seil ist der Höhepunkt des Schlossbesuchs. Dabei geht es nicht nur um sportliches Können. "Ziel ist es, den Schritt ins Unbekannte zu wagen und dabei über sich selbst hinauszuwachsen - wie später bei der Ausbildung und im Beruf", sagt Ingo Stapperfenne, Leiter des Kletterteams. "Dabei lernen die Schüler: Allein schaffe ich es nicht. Sie brauchen Partner, die sie sichern."

Und das können, wie im späteren Leben auch, durchaus Fremde sein. Felix Harhaus, 16, Gymnasiast aus Remscheid, und Basri Kizildenizli, 20, Handelsschüler aus Rinteln, kannten sich vor dem Seminar und dem gemeinsamen Höhenerlebnis nicht. Felix und sein Team hatten Platz eins belegt mit der Idee, einen Wecker anzubieten, der nicht schrillt, sondern unterm Kissen vibriert. Basri hatte mit seinem Team eine Serviceagentur für Senioren gegründet. Alles virtuell, denn bei der StartUp-Werkstatt soll nicht wirklich ein Unternehmen entstehen, sondern spielerisch ein Businessplan erstellt werden, so dass jederzeit eine Firma daraus werden könnte.

Damit das gelingt, kommt es schon im Spiel auf Teamgeist an. Schritt für Schritt lösen die Schüler von Februar bis Mai gemeinsam neun Aufgaben: von der Unternehmensidee über die Marktanalyse und die Einrichtung einer eigenen Internetseite bis hin zum Businessplan. Was für ein Termindruck dabei aufkommt, haben die Teilnehmer dieses Jahres erlebt. "Die letzten drei bis vier Wochen bei der StartUp-Werkstatt waren die härtesten meines Lebens", stöhnt Leonard Janke, 19.

Sein Team "Fita" hatte die Idee, Bio-FastFood zu verkaufen. Um die Lösung rechtzeitig abgeben zu können, mussten sogar Nachtschichten eingelegt werden. Im Rückblick sieht das nicht nur Felix positiv: "Mir hat das Spiel gezeigt, dass man mit viel Einsatz auch viel erreichen kann. Nur weil wir so gut zusammengearbeitet haben, waren wir so erfolgreich."

Geholfen haben den Schülern auch Paten aus der Wirtschaft, die sie sich selbst suchen mussten. Das konnte der Geschäftsführer eines örtlichen Unternehmens oder auch ein Restaurantbesitzer sein. "Durch den Kontakt mit Leuten aus der Wirtschaft bin ich viel selbstsicherer geworden", erzählt Leo. Und Katja sagt: "Wir haben viel über Wirtschaft gelernt."

Papierflieger segeln durch den grünen Saal von Schloss Kröchlendorff. Ein weißes Flugzeug mit einem grünen Punkt auf der Tragfläche steigt auf und stürzt jäh ab. Der Flieger von der Konkurrenz mit dem orangefarbenen Punkt schlingert, schafft es aber bis zur Ziellinie. In zwei Gruppen sitzen die 21 Schüler und falten um die Wette. Was sich anhört wie ein Spiel, ist eine McKinsey-Fallstudie, die sonst gestandene Produktionsleiter lösen müssen. Die Aufgabe: Wie muss ein Team zusammenarbeiten, um rasch und gut Papierflieger zu basteln?

Gar nicht so einfach. Der Weg vom Papierstapel zur Arbeitsstation ist viel zu lang. Die Flugzeuge taugen nichts. Die jungen Manager diskutieren, was sie verbessern können. Katja: "Wir müssen nicht nur auf Quantität, sondern auf Qualität achten." Leo fordert, man solle weniger produzieren. Katja: "Wir müssen uns nach dem Kunden richten, sonst verlieren wir den Auftrag." Dann werden Tische und Stühle gerückt, Aufgaben getauscht, den Arbeitern wird mehr Lohn versprochen. Zwei Stunden später sind völlig neue Modelle in Arbeit.

Hannos Bilanz vom Future Camp fällt positiv aus: Er hat seiner Höhenangst getrotzt und, ganz wichtig, Tipps für Bewerbungen bekommen. "Das Spiel bereitet einen wirklich gut auf das Berufsleben vor", sagt er. Und nebenbei werden in den drei Tagen aus Konkurrenten Partner. Nicht nur auf dem Hochseil.

Catrin Boldebuck print

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