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Studie: Ausländer entdecken Lust am Firmen-Gründen

Jenseits von Dönerbuden und Ramschläden haben die Ausländer in Deutschland die Lust am Firmen-Gründen entdeckt. Sie sind trotz Wirtschaftsflaute weniger zögerlich als viele Deutsche.

Jenseits von Dönerbuden und Ramschläden haben die Ausländer in Deutschland die Lust am Firmen-Gründen entdeckt. Während viele Deutsche vor dem Schritt in die Selbstständigkeit zurückschrecken, sind Türken, Vietnamesen oder Polen trotz Wirtschaftsflaute weniger zögerlich. Sie machen sich vergleichsweise häufiger selbstständig, wie eine Studie der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) ergab. So lag die Gründerquote der Migranten im vergangenen Jahr bei 5,4 Prozent, unter den Deutschen nur bei 2,1 Prozent.

"Politik und Verwaltung haben das Potenzial ausländischer Existenzgründer jahrelang nicht genutzt", sagt Ahmet Ersöz vom Berliner Beratungs- und Ausbildungszentrum für zugewanderte Gewerbetreibende, das vom Senat unterstützt wird. Während deutsche Existenzgründer hofiert worden seien, hätten ihre ausländischen Kollegen lange als «exotische Suberscheinung» gegolten.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit bringen die Migranten den Gründungsmotor auf Touren: 260.000 betreiben in Deutschland ein eigenes Unternehmen. Anfang der 70er Jahre waren es gerade mal 40.000. Und längst sind es nicht nur Dönerbuden, Gemüseläden oder Änderungsschneidereien, die von Ausländern gegründet werden. Mittlerweile sind Einwanderer auch mit Computer-Firmen, Dienstleistungsketten oder Anwaltskanzleien erfolgreich.

"Als Ausländer wird man oft zweitrangig behandelt"

In Berlin mit seinen 442.554 Ausländern ist "Multikulti" auch in der Wirtschaft gang und gäbe. Das liegt an Unternehmern wie Ayhan Bastürk. Nach einem Mathe-Studium machte sich der Türke 1994 mit dem IT-Unternehmen "BCC" selbstständig. Heute setzt er rund 600.000 Euro um und beschäftigt neun Mitarbeiter. Bastürks Deutsch ist fehlerfrei, dennoch stößt er auf Vorurteile. "Als Ausländer wird man oft zweitrangig behandelt", klagt er. Aus dem Briefkopf der Firma hat er vorsorglich seinen türkischen Namen getilgt.

Allein die Türken - größte Minderheit in Deutschland - betreiben rund 60.000 Firmen und bringen etwa 300.000 Menschen in Lohn und Brot, wie Martina Sauer vom Zentrum für Türkeistudien in Essen weiß. Unternehmer wie Vural Öger sind bundesweit bekannt. Vor mehr als 30 Jahren gründete er ein kleines Reisebüro in Hamburg, heute zählt Öger Tours zu den zehn größten Reiseveranstaltern Deutschlands.

Wollten die ersten Gastarbeiter noch möglichst schnell in ihre Heimat zurückkehren, haben ihre Nachkommen Fuß gefasst. "Sie setzen ihre Träume in Deutschland in die Tat um", sagt Sauer. Eine selbstbewusste Generation von Migranten ist am Zug. «Es wird schon klappen», lautet Bastürks Credo.

Förderprogramme gelten auch für Ausländer

Diesen Optimismus teilten viele Migranten, erklärt Margarita Tchouvakhina von der DtA. "Wer in seiner Heimat alles aufgibt und nach Deutschland geht, zeigt Risikobereitschaft." Nicht immer ist es aber Wagemut. Viele suchten einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit, hat Ersöz beobachtet. Kein Wunder, denn in Berlin waren 2002 fast 40 Prozent der arbeitsfähigen Ausländer ohne Job: 49.862 an der Zahl.

Auch wenn die ausländischen Gründer aufs Tempo drücken, liegt die Selbstständigenquote unter Migranten mit 8,4 Prozent noch unter der deutschen Marke von 10 Prozent, wie die Dta-Befragung von mehr als 40.000 Ausländern und Deutschen ergab. Oft scheitern Projekte an mangelndem Deutsch, weiß Ersöz, der Gründer zu Ämtern begleitet und mit "Papierkram" hilft. Bastürk büffelte nächtelang Vokabeln. "Die Sprache ist ein Muss", sagt der Software-Hersteller.

Auch an der Finanzierung hapert es. Förderprogramme gelten zwar auch für Ausländer, nur wissen das viele nicht. Die Lust auf Selbstständigkeit hat sich Ayhan Bastürk nicht nehmen lassen. "Wer Leistung erbringt, der kommt an", sagt er. "Egal wo man herkommt."