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Künstler in der Krise Sängerin über Corona-Zeit: "Täglich wurden Veranstaltungen abgesagt – ich war im Schock"

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Insina Lüschen, Moderatorin und Sängerin:
"Ich sehe immer Chancen.Aber auf der finanziellen Ebene ist das tatsächlich gerade einfach wirklich schwierig.
Mein Name ist Insina Lüschen. Ich bin Sängerin und Moderatorin und lebe hier in Hamburg, komme aber eigentlich aus Ostfriesland und Ostfriesland.
Shutdown und Kontaktverbot und diese Auswirkungen haben mich ja ereilt, als ich in so einem Schockzustand war, weil mein Leben einfach komplett sich gewandelt hatte. Alle Veranstaltungen wurden zunächst bis einschließlich August abgesagt. Ich musste so vieles auf einmal denken und organisieren und sortieren, dass ich wirklich in so einem Schock war.
Aber ich habe mich natürlich sofort nach viel Recherche ganz klar damit einverstanden erklärt, mich an diese Regeln zu halten, auch ohne dass ich mich in irgendeiner Form in meinen Grundrechten beeinträchtigt gefühlt habe.
Wir werden als „Die Deichgranaten“ im Studio zwei Songs produzieren. Wie wir das bezahlen? Weiß ich noch nicht, aber das lassen wir uns dann noch etwas einfallen. Ich werde sicherlich die ein oder andere Veranstaltung, die jetzt ausprobiert wird, mit 250 sitzenden Menschen mit Abstand und draußen in Niedersachsen, und wo auch immer das jetzt geht, ausprobieren. Die Erfahrungen, die wir aber gerade machen, ist, dass alle Veranstaltungen, die in die zweite Jahreshälfte geschoben werden, jetzt natürlich weder gebucht, also keine Tickets gekauft werden, und dann von den Veranstaltern dann doch wieder abgesagt werden, weil sie einfach die Hygienestandards in den kleinen Clubs gar nicht leisten können. Und auch in den großen Clubs nicht. Denn es rechnet sich nicht.
Es mangelt nicht an Ideen. Ich sehe immer Chancen. Aber auf der finanziellen Ebene ist das tatsächlich gerade einfach wirklich schwierig.
Das macht mich hoffentlich weiterhin zuversichtlich, denn ich finde die Alternative, pessimistisch zu werden, keine gute Wahl. Ich will das nicht. Aber es gehört auch dazu, dass man manchmal zuhause sitzt und keine Lust mehr hat, kreativ zu sein. Noch mehr Streams und noch mehr irgendetwas, ohne etwas dafür zu bekommen und sich dann teilweise ja zu Beginn auch sagen lassen zu müssen, man möchte doch bitte Arbeitslosengeld beantragen. Ich bin nicht arbeitslos. Überhaupt nicht. Ich kriege gerade nur kein Geld.
Das oberste Ziel für mich war es ja, dass ich als Künstlerin gerne diese Krise überleben möchte. Natürlich war das möglich. Es mangelt ja nie an Ideen. Ich habe tausend Sachen, die ich gerne machen würde, und ich habe vieles umsetzen können.
Das Problem ist ja nur, dass wir momentan arbeiten, ohne Geld dafür zu bekommen. Ich habe zum Beispiel und bin sehr dankbar dafür, den Science Slam weiter moderieren können. Das heißt, wir haben zwei Online-Formate erfunden und haben dann live aus meinem Wohnzimmer zu Wohnzimmer gestreamt.
Das war natürlich schön für mich, und ich habe mich darüber gefreut, dass das geht. Und natürlich versuchen wir, das auch ein bisschen zu bezahlen. Aber letztendlich geht es meiner Chefin genauso wie mir. Woher soll sie mich bezahlen?
Ich wohne in Hamburg und hatte Glück, dass die 2500 Euro der Stadt Hamburg schnell auf meinem Konto waren und wir sie ja dann sogar tatsächlich dafür ausgeben durften, wofür wir es wirklich brauchen, nämlich Lebens- und Unterhaltskosten. Das war zunächst nicht ganz klar, und ich habe nun mal keine Betriebskosten. Es gab aber vor allem ganz viele Initiativen, Stiftungen, Organisationen, die Hilfsfonds zusammengestellt haben und auf diese Weise unterstützt haben. Das heißt, es gab tatsächlich Zuwendungen auch von Menschen, die unsere Kunst in irgendeiner Form nutzen. Das war schon sehr eindrücklich und auch berührend.
Die Politik hat jetzt natürlich wirklich viele Chancen. Jetzt ist es so ein bisschen eine Stunde null da, und es gibt so viele Möglichkeiten, nach Corona einen nachhaltigen Einstieg zu machen. Es gibt die Möglichkeit, das Bildungssystem endlich anzugehen und es irgendwie besser zu machen. Ich wünsche mir, dass die Leute nicht an das nächste Wahlergebnis denken oder an ihre Macht, sondern dass es jetzt wirklich vielleicht mal im Vordergrund steht, dass dieses Land einfach gerne eins sein darf, indem man in aller Diversität gleichberechtigt gerne lebt und sich wohlfühlt. Und das sollte möglichst für alle gelten, denn das ist schließlich unser Grundgesetz. Und ich mag das an der Stelle sehr gern."
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Insina Lüschen arbeitet als Moderatorin und Sängerin in Hamburg. Die ersten Wochen des Lockdowns waren für sie ein Schock. Täglich wurden Konzerte und Veranstaltungen abgesagt und sie musste ihr Leben neu strukturieren.

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