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"Können Probleme besser vertuschen": Im Miniaturwunderland gibt's kein Bahn-Chaos

Lokführer kennen keinen Urlaub, und Passagiere können nicht sprechen. Der Bahnverkehr im Hamburger Miniaturwunderland ist extrem komplex und dennoch stabil. Ein Vorbild für die Deutsche Bahn?

Reporter Kester Schlenz befragte den Chef der Mini-Züge

Herr Gerrit Braun, Sie und Ihr Bruder sind die Chefs des Miniaturwunderlandes in Hamburg, einer der größten Modelleisenbahnanlagen der Welt. Was sagen Sie zu dem Chaos in Mainz?
Ich hab zwar persönlich noch nie Ärger mit der Bahn gehabt, aber da kann man natürlich nur den Kopf schütteln. Gut, dass Mainz ganz weit weg von Hamburg liegt.

Bei Ihnen fahren regelmäßig 900 Züge parallel. Da ist richtig viel los. Sind solche Probleme auch bei Ihnen denkbar?
Hat es schon gegeben. Aber wir können die Probleme besser vertuschen. Unsere 250.000 Passagiere sind sehr klein und können nicht reden. Und die menschlichen Zuschauer kriegen das nicht so mit, wenn mal was nicht rund läuft. Es ist ja genug los auf den Gleisen.

Wie viele Leute sitzen in Ihrem Leitstand?
Fünf. Drei für die Züge und zwei für Flugzeuge und Autos.

Werden alle Bahnhöfe problemlos angefahren?
Absolut. Bei den Lokführern in den Zügen gibt es sowieso kein Probleme. Wir haben da eine sehr einfache Urlaubsordnung: es gibt keinen. Einmal rein gesetzt sind die immer im Dienst.

Und die echten Menschen im Leitstand?
Alles gut. Die haben auch Urlaub. Und unsere Leute sind umfassend ausgebildet. Bei uns kann auch ein Modellbauer den Leitstand bedienen, wenn der eigentliche Leitständler mal zu viel gefeiert hat.

Also haben Sie noch nie Leute auffordern müssen, aus dem Urlaub zurück zu kehren?
Nein. Wo kommen wir denn da hin?

Haben Sie einen Tipp für Herrn Grube, wie er seine Probleme in den Griff kriegen könnte?
Ja, klar. Wenn er es schaffen würde, dass seine Leute - wie bei uns - den ganzen Tag nur von den Gästen gelobt werden, dann würde das da alles besser laufen. Motivation ist der Schlüssel.

Könnten Sie nicht schnell ein paar von Ihren Jungs nach Mainz schicken?
Nee, die würden da ganz schnell eingehen.

Wollen Sie nicht einfach Bahnchef werden?
Noch haben mein Bruder und ich hier gut zu tun.

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