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50 Jahre Container: Legosteine der Weltwirtschaft

Vor 50 Jahren veränderte der Amerikaner Malcolm McLean die Transportwelt. Weil es ihn nervte, Baumwollballen einzeln zu verladen, verstaute er sie in Stahlboxen, baute einen Tanker um und "erfand" so den globalen Warenverkehr.

Von Friederike Nagel

Zwanzig mal acht oder vierzig mal acht, angegeben in Fuß. Das ist die Weltformel der Globalisierung. Denn seit die Standardmaße des TEU - dem Twenty Foot Equivalent Unit - Mitte der 60er Jahre in Paris festgelegt wurden, ist der Siegeszug des Containers unaufhaltsam. "Das war im Grunde die Geburtsstunde des globalen Containerverkehrs", sagt der ehemalige Hamburger Wirtschaftssenator Helmuth Kern über diese Entscheidung, "erst jetzt konnte man in jedem Hafen der Welt anlanden und die Container problemlos löschen und laden."

Der Container wurde zum unsichtbaren Ermöglicher: Durch immer günstigere Transportpreise wird der globale Warenstrom direkt in unsere Wohnzimmer gelenkt. Längst ist der Transport einer Weinflasche von Südafrika in den Hamburger Hafen nur unwesentlich teurer, als von der Mosel zum gleichen Zielort - des standardisierten Transportmittels sei Dank. Rund 21 Millionen bunter Boxen transportieren heute fast alles - von Kaffee zu Kohle über Kartons voll Teddybären - von einem Ort zum anderen.

Zigarettenschachtel stand Pate

Schon einige Jahrzehnte zuvor kam einem amerikanischen Lastwagenfahrer beim Anblick einer Zigarettenschachtel der entscheidende Geistesblitz. Statt Baumwollballen einzeln per Hand zu verladen, wollte er sie in eine blecherne Kiste stecken und auch gleich in dieser verladen. Malcolm McLean ließ den Tanker Ideal X so umbauen, dass an Deck zusätzlich Container geladen werden konnten. Die erste Fahrt führte am 26. April 1956 von Newark New Jersey nach Houston, Texas.

In Houston angekommen, dauert das Umschlagen der Fracht jetzt nur noch drei statt vorher zehn Tage. Angeblich sanken die Transportkosten von rund sechs Dollar pro Tag auf nur noch 16 Cent. "Auf Grund dieser Entwicklung kann sich heute jeder einen Fernseher aus Asien leisten", sagt Helmuth Kern. Zusätzlich brachte der Container deutlich höhere Umschlagzahlen: Schaffte beim traditionellen Verladen eine 17-köpfige Mannschaft 80 Tonnen in einer Schicht, bewegte das 9-köpfiges Team eines Containerschiffs in der gleichen Zeit 2000 Tonnen.

Containerrevolution erleichterte Globalisierung

Die Containerrevolution war eingeläutet. Allein seit 1996 verdoppelte sich die Anzahl der Containerschiffe. Ob zu Land, Wasser oder Schienen - der Containermarkt wächst dreimal schneller als die Weltwirtschaft. Die Bedeutung liegt vor allem in der geschlossenen Transportkette von Land und Wasser. Zu jeder Zeit wissen die Reeder heute wo ihre Container stehen. Denn jeder Container besitzt eine eigene Nummer, bestehend aus vier Großbuchstaben, die für den Besitzer des Containers stehen, ergänzt durch sechs Ziffern sowie einer Kontrollziffer. Derzeit wird sogar diskutiert, jeden einzelnen Container mit Satellitennavigation auszustatten

Durch den Container veränderten sich die auch die Produktionsbedingungen. Es ist egal geworden, wo man produziert, alles kann sicher und billig transportiert werden. Dafür aber wurden die Schiffe hässlicher, jegliche Gemächlichkeit hat sich verloren, Güter müssen in Stunden statt in Tagen umgeschlagen werden. Der Welthandel, so behaupten einige, sei weniger romantisch geworden. Aus den Hafenarbeitern die mit Schubkarren das Stückgut vorher mühevoll verladen mussten, wurden Kranfahrer, denen der Rücken eher vom vielen Sitzen als vom Schleppen schmerzt.

Alles wird anonymer

Wenn heute an einer Containerbrücke ein 20-Fuß-Container bewegt wird, dann weiß der Kranführer meist nicht, was er da an der Angel hat. Fest steht, dass er einen sicheren Arbeitsplatz hat. Denn die Containerrevolution ist noch lange nicht an ihrem Höhepunkt angelangt, so Experten. Die Bilanzen der Reedereien verzeichnen Rekordgewinne, Häfen wie zum Beispiel der Hamburger sind weiterhin stark am Wachsen. Immer höher können die Kisten gestapelt, durch technische Innovationen immer mehr Güter geladen werden.

Ähnlich wie beim Spielzeug im Kinderzimmer, taugt wohl auch in der Weltwirtschaft das einfachste System oft am besten zum Superstar. Ob Lego oder Blechkiste, die Zukunft ist bunt und rechteckig.

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