HOME

Ablassdeal mit Börsenaufsicht: Goldman Sachs zahlt Rekordstrafe

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihren Kunden Derivate verkauft und das damit verbundene hohe Risiko verschwiegen. Die Betrugsklage der Börsenaufsicht SEC wehrt die Bank nun mit einem Vergleich ab. Der Friede ist teuer erkauft.

Goldman Sachs büßt für die Verfehlungen der Vergangenheit. Die US-Investmentbank muss 550 Millionen Dollar (420 Millionen Euro) zahlen, weil sie Anleger bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert hat. "Eine halbe Milliarde Dollar ist die höchste Strafe, die die SEC in ihrer Geschichte jemals gegen eine Finanzfirma verhängt hat", sagte der Chefermittler Robert Khuzami von der Börsenaufsicht am Donnerstag in Washington.

Die SEC hatte Goldman Sachs vorgeworfen, Anleger beim Verkauf von Hypothekenpapieren hinters Licht geführt zu haben, indem sie ihnen die Rolle eines großen Hedgefonds verheimlichte, der gegen die Wertpapiere wettete. Die Bank räumte einen Fehler ein; die Unterlagen seien lückenhaft gewesen. Von vorsätzlichem Betrug wollte sie aber nichts wissen.

Harter Tag für US-Banken

Die SEC verkündete den Vergleich am selben Tag, an dem US-Präsident Barack Obama seine Finanzmarkt-Reform in trockene Tücher brachte. In der Finanzwelt war das harte Vorgehen gegen Goldman Sachs als politische Intrige gebrandmarkt worden mit dem Ziel, Stimmung für Obamas Gesetzentwurf zu machen.

Die Vorwürfe hatten Goldman Sachs drei Monate lang verfolgt. Die Börsianer sahen den Vergleich deshalb als Erlösung an. Sie hatten gefürchtet, dass die Attacken die Geschäfte der rentabelsten aller Wall-Street-Banken in Mitleidenschaft ziehen könnten. Nachbörslich stieg die Aktie um drei Prozent.

Der Vergleich muss nun noch von einem Richter genehmigt werden. Das ist aber in der Regel eine reine Formsache. Die SEC-Klage gegen den parallel beschuldigten Goldman-Banker Fabrice Tourre läuft weiter. Er hatte das umstrittene Geschäft eingefädelt.

Anleger verloren eine Milliarde Dollar

Einen Teil der strittigen Wertpapiere hatte die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gekauft. Sie bekommt 150 Millionen Dollar aus der Strafsumme. Die Royal Bank of Scotland als weiterer Investor erhält 100 Millionen Dollar. Der Rest fließt in die Staatskasse. Nach der ursprünglichen Klage der SEC haben Anleger allerdings insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar verloren.

"Dieser Vergleich ist eine eindeutige Lehre für die Wall-Street-Firmen", sagte der SEC-Verantwortliche Khuzami. Kein Produkt sei zu komplex und kein Investor zu erfahren, als dass die grundlegenden Regeln des fairen Geschäftemachens verletzt werden dürften. Goldman Sachs hatte sich wiederholt damit verteidigt, dass die Investoren zu den gewieftesten Spielern am Markt gehört hätten.

Goldman Sachs muss nun als Teil des Vergleichs sein Verhalten ändern. Bankchef Lloyd Blankfein hatte schon vor Wochen angekündigt, die Geschäftspraktiken auf den Prüfstand zu stellen. Die große Sorge in der Führungsetage ist, dass die Negativschlagzeilen die Kunden vergraulen. Bislang ist die große Abwanderungswelle ausgeblieben. Am Dienstag legt Goldman Sachs seine Zahlen für das zweite Quartal vor.

Analysten nannten die Strafe in ersten Reaktionen "heftig". Gleichzeitig verwiesen sie darauf, dass der Fall damit noch nicht ausgestanden sei. Einzelne Anleger haben eigene Klagen gegen Goldman Sachs eingereicht. So verlangt ein australischer Hedge-Fonds im Windschatten der SEC-Vorwürfe eine milliardenschwere Wiedergutmachung.

DPA/swd / DPA