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Gesundheitsminister Agentur wirbt mit vermeintlicher Spahn-Villa – bis das LKA einschreitet

Spahn-Werbung in Berlin
Wegen Sicherheitsbedenken musste die Werbeaktion eingestellt werden. Das Motiv haben wir verpixelt.
© Planus Media
Jens Spahn lädt zum Homeoffice ein – damit warb eine Agentur auf Plakaten in Berlin. Das Landeskriminalamt fand die Aktion allerdings nicht lustig.

In Berlin sorgte in den vergangenen Tagen eine Plakatwerbung für Aufsehen: Darauf war eine große Villa zu sehen – ähnlich der Villa, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kürzlich erworben hatte. "Zu wenig Platz im Homeoffice?", hieß es auf den Plakaten: "Ich helfe gern!" Als Kontakt war zudem eine fiktive E-Mail-Adresse von Spahn angegeben. Einige Passanten und User in den sozialen Netzwerken fragten sich, wer wohl hinter der Aktion steckte.

"Wir waren das", prahlte die Kölner Agentur Planus Media auf ihrer Website. Doch die Werbekampagne musste schon nach anderthalb Tagen abgebrochen werden – und zwar nach Aufforderung durch das Berliner Landeskriminalamt (LKA). Die Beamten befürchteten, dass die Aktion von "verfassungsfeindlichen Gruppierungen missbraucht bzw. falsch verstanden werden" könnte. Aus Sicherheitsgründen wurden die Plakate wieder abgehängt, sagte Gerd Himmels, Geschäftsführer von Planus Media, dem Branchenportal "Werben & Verkaufen": "Wir wollten nicht, dass sich vor dem Haus Leute versammeln."

Jens Spahns Villa sorgt für Diskussionen

Spahns Hauskauf hatte in den Medien große Wellen geschlagen. Der Minister hatte die Villa im Berliner Nobelviertel Dahlem zusammen mit seinem Mann Daniel Funke gekauft. Der Preis betrug nach Informationen des "Tagesspiegel" mehr als vier Millionen Euro. Spahn ging daraufhin gegen Medien vor, die diese Summe nannten. Finanziert wurde der Hauskauf offenbar zum großen Teil durch die Sparkasse Westmünsterland, bei der Spahn einige Jahre lang dem Verwaltungsrat angehört hatte. Auch der Umstand, dass der Gesundheitsminister mitten in der Corona-Pandemie eine so teure Villa kaufte, brachte ihm Kritik ein.

Planus Media nutzte die Diskussion, um zu beweisen, dass Werbung auf Außenflächen "während Corona nicht an Strahlkraft verloren hat", schrieb Geschäftsführer Gerd Himmels auf der Website der Agentur. Sein Fazit: "Das ist eindrucksvoll gelungen." Insgesamt wurden sechs Plakate und zwei mobile Werbeflächen in der Hauptstadt bespielt – bis sich das LKA meldete und darum bat, die Aktion zu beenden.

"Wir sind dieser Bitte selbstverständlich umgehend nachgekommen", versicherte Himmels und betonte, dass kein Rechtsverstoß vorlag. Außerdem stellte er klar: Die auf dem Plakat angegebene E-Mail-Adresse gehörte nicht wirklich Jens Spahn, sondern war im Vorfeld von der Agentur eingerichtet worden.

Quellen: Planus Media, "Werben & Verkaufen" (Bezahl-Inhalt), "Tagesspiegel"

epp

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