Airbus A380 Letzter Kunde bestellt Frachter ab


Airbus hat seinen letzten Kunden für die Frachtversion des Großraumflugzeugs A380 verloren. UPS teilte mit, seine Bestellung von zehn Superfrachtern noch in diesem Jahr zu stornieren.

"Wir sind nicht länger davon überzeugt, dass Airbus seine Liefervereinbarung einhalten kann", hieß es in der Mitteilung von UPS. Die Airbus-Muttergesellschaft EADS hatte am Donnerstag bekannt gegeben, die Entwicklung der Frachtversion des A380 zunächst ruhen zu lassen, um die Kapazitäten für die Passagierversion nutzen zu können.

Ursprünglich sollte UPS seine erste A380 im Jahr 2009 erhalten. In der vergangenen Woche einigten sich der Paketzusteller und der Flugzeughersteller auf 2012 als Auslieferungsdatum. "Wir waren der Ansicht, dass 2012 angemessen abgeschätzt war", sagte UPS-Chef David Abney. Nach der Mitteilung vom Donnerstag, die Arbeitskräfte auf die Passagierversion zu konzentrieren, sei er nicht mehr überzeugt davon, dass Airbus diese Abmachung einhalten könne. "Wir respektieren die Entscheidung", sagte eine Airbus-Sprecherin. "UPS ist und bleibt ein wichtiger Kunde und Partner von Airbus."

Entwicklung der Fracht-Variante ruht

Probleme beim Einbau der umfangreichen Verkabelung hatte das A380-Programm um zwei Jahre zurückgeworfen und Airbus in eine tiefe Krise gestürzt. "Das A380-Programm macht gute Fortschritte und liegt im neuen Zeitplan", fügte die Airbus-Sprecherin hinzu. Die erste Passagiermaschine werde wie geplant im Oktober 2007 an den ersten Kunden, Singapore Airlines, übergeben.

Die Ankündigung, die Arbeiten an der A380-Frachtversion zunächst ruhen zu lassen, kam nur einen Tag nach der Verkündung des Sanierungsplans für Airbus, der den Abbau von 10.000 Stellen und die ganze oder teilweise Trennung von sechs der 16 Werken vorsieht. Die Frachtversion bleibe aktiver Bestandteil der A380-Flugzeugfamilie, sagte ein EADS-Sprecher am Donnerstag. Nach wie vor sehe der Konzern ein Potenzial von 400 Maschinen dieser Größenordnung in den nächsten 20 Jahren.

Flugbahnerweiterung in Hamburg

Ausgeliefert werden sollte der A380-Frachter von Hamburg aus, wozu die Startbahn eigens verlängert wurde. Darum hatte es erbitterte juristische Auseinandersetzungen zwischen Anliegern und dem Unternehmen gegeben. Die Hansestadt verteidigte am Freitag die Startbahnverlängerung für das Auslieferungszentrum, da sie auch für die Passagierversion benötigt werde und damit unabhängig von der Frachtversion sei. Die Start- und Landebahn sei nötig, um die Entwicklungsfähigkeit des Standortes zu garantieren, sagte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. Der Airbus-Standort Hamburg fertigt Rumpfteile für den A380 und bestückt das Flugzeug mit der Kabine.

Den Gegnern der Bahnverlängerung gab der vorübergehende Stopp der Frachtversion des A380 neue Hoffnung. "Wir werden juristisch jetzt wieder in die Vollen gehen", sagte die Sprecherin der Klägergemeinschaft, Gabi Quast Spiegel-Online.

Ursprünglich hatte Airbus 27 Bestellungen für den A380-Frachter. Die Leasinggesellschaft ILFC sowie die Fluglinie Emirates wandelten ihre Bestellungen in Passagiermaschinen um. Als erster Kunde stornierte UPS-Konkurrent FedEx seinen Auftrag über zehn A380F.

Reuters


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