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Airbus A380: Singapore Airlines geht fremd

Bei der Auslieferung des Superfliegers A380 kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Die erste Airline geht nun bereits aus Enttäuschung über die Probleme bei dem Airbus-Konkurrent Boeing auf Einkaufs-Tour.

Rund sechs Monate vor dem Ersteinsatz des Airbus A380 hat das Unternehmen den Auslieferungszeitplan für sein Großflugzeug mit 555 Passagieren um ein gutes halbes Jahr verschoben. Der Mutterkonzern EADS erwartet daraus für die Jahre 2007 bis 2010 jedes Jahr etwa 500 Millionen Euro weniger Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT).

Die Fluglinie Singapore Airlines hat nach der Enttäuschung über die Lieferverzögerung des Airbus-Großraumfliegers A380 knapp zwei Dutzend mittelgroße Flugzeuge beim Konkurrenten Boeing bestellt. Singapore kündigte an, 20 Maschinen des Boeing 787-9 Dreamliners zu einem Listenpreis von insgesamt 4,5 Milliarden Dollar zu bestellen. Zudem gebe es eine Kaufoption auf 20 weitere des gleichen Typs. Airbus hatte gehofft, mit seinem Konkurrenzmodell A350 bei Singapore zu landen.

Auslieferungszeitplan verschiebt sich um Monate

"Wir haben ein ernstes Problem beim Hochlauf der A380-Produktion", sagten die beiden Co-Chefs von EADS, Thomas Enders und Noel Forgeard. "Wir erwarten deshalb von der Führung von Airbus, dass sie den neuen Zeitplan voll einhält und nach Möglichkeit übertrifft." Die Kunden seien informiert worden, "dass sich der Auslieferungszeitplan aus produktionstechnischen Gründen um sechs bis sieben Monate nach hinten verschieben wird", teilte Airbus in Toulouse mit. "Airbus ist sich der Belastungen" für die Kunden "völlig bewusst". An der Auslieferung der ersten A380 zum Jahresende an Singapore Airlines hält Airbus allerdings fest. Die meisten Kunden müssen aber sechs bis sieben Monate länger warten.

EADS erklärte, dies werde für vier Jahre das EBIT-Ergebnis aus dem A380-Programm um jährlich eine halbe Milliarde Euro drücken. Im laufenden Jahr werde das Problem beim EBIT noch aufgefangen, doch werde der freie Kapitalfluss um weniger als 300 Millionen Euro gesenkt. Die EBIT-Ausfälle ergäben sich "aus der zeitlichen Verschiebung positiver Ergebnisbeiträge, aus zusätzlichen Kosten zum Aufholen der Verzögerung und aus mit den Kunden zu verhandelnden Verzugszahlungen." Dabei seien mögliche Abbestellungen noch nicht berücksichtigt. Die Ausfälle beim Kapitalfluss sollen bis 2008 auf mehr als eine Milliarde Euro steigen und danach deutlich zurückgehen. Das Großflugzeug für 555 Passagiere in der Standardversion soll eigentlich der "Goldesel" von EADS werden.

Schadenersatzforderungen prüfen

Im kommenden Jahr dürften "maximal neun" A380 an die Kunden gehen. Ursprünglich sollten 2007 zwischen 20 bis 25 Exemplare ausgeliefert werden. Im Jahr 2008 werden fünf bis neun Flugzeuge weniger ausgeliefert als bisher geplant, 2009 etwa fünf Flugzeuge. Die Verzögerung sei "auf Engpässe zurückzuführen, die bei der Definition, Herstellung und Installation elektrischer Systeme und Kabelbäume entstanden sind", erklärte Airbus. Bislang wurden 15 Maschinen des Typs A380 endmontiert.

Singapore Airlines will Schadenersatzforderungen gegen die EADS-Tochter Airbus wegen der A380-Verschiebung prüfen. "Wir sind enttäuscht von der erneuten Verzögerung, aber werden mit Airbus zusammenarbeiten, um die Verspätung und ihre Folgen zu begrenzen", sagte ein Singapore-Sprecher. Sein Haus plante bisher, gegen Ende des Jahres die erste Fluglinie zu sein, die das größte Passagierflugzeug der Welt einsetzt. Von einer Stornierung des A380-Auftrags war bisher nicht die Rede.

Reuters/DPA / DPA / Reuters