VG-Wort Pixel

Geiz ist wieder geil Aldi und der Aufschwung der Discounter

Aldi wächst stark
Aldi wächst - und auch andere Discounter boomen.
© Friso Gentsch/ / Picture Alliance
Für Deutschlands Discounter war es in den vergangen Jahren schwer geworden, das große Wachstum blieb aus. Doch das scheint sich geändert zu haben - billig ist wieder in. Davon profitiert nicht nur Aldi. 

Zuletzt sorgten die Vollsortiment-Supermärkte für erfolgreiche Meldungen: Rewe präsentierte im März ein Rekordergebnis und auch Edeka konnte im vergangenen Jahr den Billigheimern Lidl und Aldi Marktanteile abnehmen. Es schien, als ob für Deutschlands Discounter das große Wachstum nur noch im Ausland zu erwarten wäre. Doch nun zeigt das erste halbe Jahr 2017, dass gerade Aldi stark zulegen konnte, berichtet die "Lebensmittelzeitung".

Aldi legt starkes Wachstum hin

Laut einer aktuellen Martkstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sei das Wachstum der Billigheimer deutlich angezogen. Demnach schaffte der gesamte Lebensmitteleinzelhandelsmarkt ein Umsatzplus von 2,9 Prozent, während die Discounter um 4,9 Prozent durchschnittlich zulegen konnten. Laut Brancheninsidern sei das Wachstum bei Aldi allein sogar noch höher, um die fünf Prozent soll der Discounter in den ersten sechs Monaten des Jahres gewachsen sein. "Wir stellen schon seit einiger Zeit fest, dass die Kunden immer weniger mehrere Discounter gleichzeitig nutzen. Sie legen sich stärker auf ein Format fest und bleiben dem dann auch treu", sagt der GfK-Marktforscher Wolfgang Adlwarth zur "Lebensmittelzeitung".

Aldi setzt auf neue Angebote

Gründe für die bisherige Schwäche der Discounter sei laut Experten ihre Ideenlosigkeit. Denn die Discounter seien einfach zu "altbacken" geworden, so die GfK in ihrem Branchenreport. "Die Discounter haben da in den letzten Jahren offenbar ein bisschen was schleifen lassen. Im Vertrauen auf ihre traditionellen Stärken haben sie übersehen, dass für die jungen Verbraucher von heute andere Dinge zählen als für ihre Stammklientel."

Doch gerade Aldi scheint mit der zunehmenden Listung von Markenartikeln den richtigen Riecher gehabt zu haben. "Die 'Marken-Revolution' bei Aldi ist nur eine Maßnahme. In zahlreichen neuen, schicken Discounter-Filialen gibt es Kundentoiletten und Kaffeeautomaten. An der Kasse kann man nicht nur mit Karte zahlen, sondern auch Geld damit abheben. Und wer will, kann inzwischen – örtlich begrenzt – seine Mittagspause im Discounter-Bistro verbringen", so die GfK. Offenbar wird gerade Aldi für jüngere Zielgruppen zur echten Alternative zu den Vollsortiment-Supermärkten, so die "Lebensmittelzeitung".

Sehen Sie im Video: Fakten über Discounter: So tickt der Aldi-Konzern. 1946 übernahmen die beiden Brüder Karl und Theo den kleinen Krämeraden ihrer Eltern in Essen-Schonnebeck. So entstand Aldi aus einem Tante-Emma-Laden. 1961 trennten die Gebrüder Albrecht den Konzern in Aldi-Nord und Aldi Süd auf. Der Äquator verläuft seither vom Niederrhein über Mühlheim, Marburg, Siegen und Gießen nach Osten bis nördlich von Fulda. Die Gebrüder Albrecht machte ihr Geschäft zu den reichsten Deutschen. Auf 13,5 bzw. 18 Milliarden Euro wird das Privatvermögen der Erben geschätzt. Für Aldi Nord arbeiten mehr als 35.000 Mitarbeiter in Deutschland, für Aldi Süd 47.000, die insgesamt etwa 30 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Die Zusammenarbeit mit Banken ist weitestgehend tabu. Kredite – und damit Schilden – sind verpönt. Aldi bietet seinen Käufern gerade einmal tausend verschiedene Artikel. Eine Edeka-Filiale führt je nach Größe bis zu 35.000 Artikel. Alle Filialen sind gleich aufgebaut. Die gleichen Produkte stehen an denselben Stellen im Regal.
Mehr

Doch nicht nur Aldi kann sich über glänzendes Wachstum freuen. Auch Billigshops in der Textilbranche profitieren von der offenbar anhaltenden Schnäppchen-Suche der Deutschen. Primark, H&M oder Kik wachsen, während klassische Größen im Modehandel mit Umsatzrückgängen kämpfen müssen. "Konzepte, die den Preis in den Mittelpunkt stellen, werden vom Verbraucher gut angenommen“, sagt Joachim Stumpf von der Münchner Handelsberatung BBE zur "DPA". "Der Verdrängungswettbewerb im deutschen Textilhandel wird lediglich noch weiter verstärkt."

Tedi, Kik und Co.: Geiz ist doch geil?

Ein weiterer Bereich, der von günstigen Angeboten profitiert, sind Discounter für Non-Food-Angebote. So macht sich der niederländische Discounter Action mit günstigen Reinigungsmittel und Haushaltsprodukten in Deutschland breit. Auch Tedi und Kik expandieren und haben jüngst 46 Filialen des Schweizer Modekonzerns Charles Vögele in Deutschland übernommen. Laut dem "Handelsblatt" will Tedi in Deutschland pro Woche drei neue Filialen eröffnen. Offenbar hat das Branchenmagazin "Der Handel" nicht ganz unrecht, als es kürzlich urteilte: "Geiz ist geiler denn je."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker