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Rechtsstreit um Billig-Brötchen: Werden Aldi-Brötchen gebacken - oder nur gebräunt?

Die meisten Discounter bieten frische Backwaren an. Auch Aldi Süd hat in vielen Märkten Backöfen installiert. Doch ist das Bräunen von industriell vorgefertigten Teiglingen wirklich Backen? Das muss ein Gericht entscheiden.

Sind die Billig-Brötchen aus dem Supermarkt wirklich Backwaren? Aldi liegt mit dem deutschen Bäckerhandwerk über Kreuz. Der Streit beschäftigt ein Gericht. 

Sind die Billig-Brötchen aus dem Supermarkt wirklich Backwaren? Aldi liegt mit dem deutschen Bäckerhandwerk über Kreuz. Der Streit beschäftigt ein Gericht. 

Der Duft ist der Trick. Wer eine Discounter-Filiale betritt, riecht frisch gebackene Brötchen. Zwar stehen Aldi, Lidl und Co.  für günstige Lebensmittel, locken aber schon im Eingangsbereich mit vermeintlicher Premiumqualität. Noch warmes Gebäck, frisch aus dem Backofen - damit assoziieren Kunden sicherlich nicht Billig-Lebensmittel von der Papp-Palette. Doch backen die Discounter ihre Brötchen wirklich selbst? Ab wann darf man überhaupt von Backen sprechen?

Aldi vs. Bäcker

Backen oder bräunen - das ist hier die Frage, die nun auch das Landgericht in Duisburg beschäftigt. Die deutschen Bäcker hatten den Discounter Aldi Süd verklagt, weil sie der Ansicht sind, dass Aldi eben nicht backe - sondern lediglich die industriell vorgefertigten Teiglinge gebräunt würden. "Das kann kein Backen sein", sagt Daniel Schneider, Referent für Lebensmittelrecht beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Aldi kontert, dass die Brötchen natürlich gebacken werden. Der Rechtsstreit zieht sich seit fast vier Jahren. Ein Gutachter soll nun klären: Wann ist ein Brötchen wirklich frisch gebacken?

Discounters beste Brötchen

Die Billig-Brötchen der Supermärkte und Discounter erregen immer wieder die Gemüter. Die Teiglinge stammen aus Fabriken. Dort werden die Brötchen vorgebacken und kommen dann in die Supermärkte. Auch Kunden können diese Aufbackbrötchen direkt für zu Hause kaufen. Traditionelle Bäcker beschweren sich, dass der Teig mit Zusatzstoffen vollgepumpt sei. 

Mehl wird beispielsweise schon seit Jahren Ascorbinsäure zugesetzt, denn die verändert die Eigenschaften des Mehls. Es bleibt viel länger lagerfähig und festigt darüber hinaus die Klebstruktur – sehr praktisch für ein perfektes Backergebnis.

Lockerer Teig dank Zusatzstoffen

Auch Enzyme kommen häufig in der Backstube zum Einsatz. Sie sorgen für eine bessere Gasbildung im Teig, so dass das fertige Produkt besonders locker erscheint. Auch die Bräunung beim Backen wird verbessert, das Aroma entwickelt sich stärker und der Teig vergrößert sich beim Backprozess. Auch Amylasen, die beispielsweise die Brote länger frisch halten und Proteasen, die für die schnelle Teigreife sorgen, finden sich in der Backmasse. Und auch Aminosäuren wie Cystein (E920) werden zugesetzt: Sie verkürzen die Knetzeit und der Teig lässt sich später besser verarbeiten. Emulgatoren, wie E472e, erhöhen das Volumen. Auch einige Verdickungsmittel, beispielsweise Guarkernmehl, sind zulässig. In keiner anderen Lebensmittelindustrie werden so viele Zusatzstoffe verwendet, bemängeln Kritiker.

Im aktuellen Streit werfen die Bäcker den Supermärkten vor, gar nicht wirklich zu backen. Schließlich würde der Teig nicht selbst hergestellt. Und auch die Apparate, die die Brötchen backen, kritisieren die Bäcker. "Das sind große Blackboxen, wo kein Mensch weiß, was da passiert", sagt Schneider. 

Sachverständiger bestellt

Im Februar 2011 sollte eben einer dieser Backautomaten von der Kammer des Landgerichts in Augenschein genommen werden. Doch Aldi Süd wollte dem Gericht lieber keinen Blick in den Ofen gewähren. Daraufhin sollte ein Sachverständiger klären, wann Backen nur Bräunen ist. Doch eine rasche Klärung des Streits ist wohl noch lange nicht in Sicht. 

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Kommentare (6)

  • stern-Moderation
    Liebe Leser, die Kommentare für diesen Artikel sind nun geschlossen. Danke für Ihr Interesse!
  • heidi
    heidi
    Ich finde es richtig das sich die deutschen Bäcker dagegen wehren, Brot ist unser Kulturgut und es gibt ganz viele Bäcker die noch mutig sind und Brot/Brötchen herstellen ohne all diese Zusatzstoffe.
    Scheint als ob Aldi eine starke Lobby hat, sonst wäre es längst geklärt das sie nicht backen.
    Wer einmal in ein frisches gutes Brot gebissen hat der weiß das die ganzen Konzerne nur Brotpappe herstellen die spätestens nach einen 1 Tag kaum mehr Geschmack haben. Ist ja auch klar der verführerische Duft vom Aldi Bräunings Automaten ist spätestens an der Kasse im Preis inbegriffen. Nur leider hält er nicht lange!
    Vielleicht sollte man mal das nächste Mal darüber nachdenken wenn man wieder die billigen Solargebräunten Brötchen bei Aldi mit Brotparfümduft kauft.
    Dann lieber ein paar Cent mehr und ich kann meine Brötchen noch abends essen anstelle ein Pappkartonbrötchen.
    Heidi Kaschub

  • rasch
    rasch
    Rasche Klärung noch lange nicht in Sicht – dann wird's womöglich gar keine rasche Klärung, was?
  • JoeKa
    JoeKa
    Bei einem Verfahren, das seit vier Jahren läuft, ist es wohl auch kaum zu erwarten.
  • JoeKa
    JoeKa
    Der Mann heißt Schneider nicht Schäfer. ;-)