VG-Wort Pixel

Expansion trotz Corona Aldis Eroberungsfeldzug: Wie sich der Discounter in den USA breitmacht

Aldi
Schild eines Aldi-Verteilzentrums in Moreno Valley, Kalifornien
© newscom / Picture Alliance
Trotz Corona-Krise eröffnet Aldi in den USA immer mehr Filialen. Schon bald will der deutsche Discounter zu den ganz Großen im US-Einzelhandel gehören.

Wenn von aggressiver Ausbreitung im Süden und Südwesten der USA die Rede ist, zuckt man dieser Tage schnell zusammen. Die Rede ist aber diesmal nicht vom tödlichen Coronavirus, sondern von den Expansionsplänen des Discounters Aldi. Denn im Schatten des boomenden Onlineriesen Amazon baut auch die deutsche Handelskette ihre Marktmacht in den USA massiv aus. Und zwar auf altbewährte Weise: mit niedrigen Preisen und einem dichten Filialnetz.

Trotz Corona-Pandemie, Wirtschaftskrise und all der anderen Turbulenzen, in denen sich die USA derzeit befinden, hält Aldi an seinem ambitionierten Expansionskurs im amerikanischen Markt fest. Erst kürzlich eröffnete Aldi die 2000. US-Filiale. Nun verkündete das Unternehmen, dass man noch in diesem Jahr weitere 70 neue Läden in den USA aufmachen werde.

Vier neue Läden werden allein in Phoenix entstehen, teilte Aldi mit. Arizona werde damit der 37. Bundesstaat, in dem Aldi vertreten sei. Weitere Aldi-Märkte sollen in Kalifornien, Texas, Kansas und New York eröffnet werden. Zudem will Aldi im kommenden Jahr ein neues regionales Headquarter und Vertriebszentrum in Alabama eröffnen, um die Expansion entlang der Golfküste voranzutreiben. Dann soll das Aldi-Imperium in den Südstaaten Alabama, Florida und Louisiana ausgebaut werden.

Und das alles in einer Zeit, in der viele Ladengeschäfte in den USA wegen der Corona-Krise dichtmachen müssen. So könnten laut einer Studie noch in diesem Jahr 25.000 Geschäfte in den USA schließen, weil die Konsumenten weniger Geld ausgeben oder lieber online shoppen. Zudem gilt es in den USA eher als seltsame Eigenart, dass Aldi von seinen Kunden verlangt, eine Münze für den Einkaufswagen bereitzuhalten und diese ihre Waren an der Kasse gehetzt selbst in Tüten packen müssen statt dies vom Personal erledigen zu lassen, wie CNN feststellt.

Aldi USA: Das Ziel sind die Top-3

Aldi befindet sich trotzdem auf dem Weg, in den USA ins Konzert der ganz Großen aufzusteigen. Das Ziel ist es, bis Ende 2022 mit rund 2500 Filialen der drittgrößte Lebensmittelhändler des Landes zu werden. Platzhirsch Walmart betreibt mehr als 5000 Geschäfte, die Nummer zwei Kroger hat knapp 2800 Läden. Für sein Expansionsprogramm hat Aldi in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben 5 Milliarden Dollar investiert, um bestehende Läden zu modernisieren und neue zu eröffnen.

Aldis Erzrivale Lidl dagegen ist in den USA mit rund 100 Standorten entlang der Ostküste bislang eher schwach vertreten. Aber auch für Lidl sind die USA ein Wachstumsmarkt. Um nach einer verkorksten ersten Expansionswelle schneller Fuß zu fassen, übernahm der Discounter im vergangenen Jahr die 27 Läden der Kette Best Markets im Großraum New York und baute sie in Lidl-Filialen um. Bislang ist Lidl fast ausschließlich entlang der US-Ostküste vertreten, doch auch in Georgia im Süden entsteht nun für 100 Millionen Euro ein regionales Verteilzentrum.

Die Corona-Krise, die vielen US-Bürgern schon jetzt empfindlich aufs Portemonnaie drückt, könnte für die beiden im Preiskampf erfahrenen deutschen Discounter zusätzliche Marktchancen bringen. Während die Lebensmittelpreise im Land stiegen, habe Aldi die Preise für Hunderte Artikel heruntergesetzt, betonte denn auch US-Chef Jason Hart in einem Statement zu den Expansionsplänen. Um die USA zu erobern, setzt Aldi aber nicht nur auf Preise, sondern auch auf Service: Bis Ende des Monats soll es in 600 Filialen möglich sein, seine Produkte online auszuwählen und zu einer bestimmten Zeit abzuholen, wobei ein Mitarbeiter den gesamten Einkauf bis zum Parkplatz bringt. Ein Service, der in Corona-Zeiten gut ankommen könnte.

Quellen: Aldi / Lebensmittelzeitung / CNN / Handelsblatt


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker