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Schwere Vorwürfe Amazon soll mit Kündigung gedroht haben, wenn Mitarbeiter für Klimaschutz kämpfen

Amazon Hauptquartier
Amazons Hauptquartier in Seattle. 
© Elaine Thompson/ / Picture Alliance
Einige Amazon-Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe: Amazon soll ihnen mit Kündigung gedroht haben, wenn sie weiterhin öffentlich auf mehr Klimaschutz bei dem Handelskonzern drängen würden. Amazon selbst relativiert die Vorwürfe.

Amazon muss sich schweren Vorwürfen von Mitarbeitern stellen. Den Angestellten, die sich in der Mitarbeitergruppe "Amazon Employees for Climate Justice" für mehr Klima- und Umweltschutz bei ihrem Arbeitgeber stark machen, soll mit Kündigung gedroht worden sein. In einem offenen Brief, den die Mitarbeiter in den sozialen Netzwerken veröffentlichten, beschuldigen sie ihren Arbeitgeber, Druck auf die Gruppenmitglieder aufgebaut zu haben.

Demnach seien die Aktivisten von der Personalstelle von Amazon kontaktiert und befragt worden, in wie weit sie die Verantwortung von Amazon für die Klimakrise öffentlich gemacht hätten. "Einige Mitarbeiter haben eine E-Mail erhalten, in der mit Kündigung gedroht wurde, wenn sie weiterhin über Amazons Geschäfte sprechen", hieß es in der Mitteilung der Gruppe. 

Das sagt Amazon zu den Vorwürfen

Amazon selbst relativiert die Anschuldigungen der Mitarbeiter, die sich für mehr Klimaschutz im Unternehmen stark machen wollen. Die Richtlinie sei nicht neu, ließ Amazon die "BBC" wissen. "Wir haben kürzlich die Richtlinie und den zugehörigen Genehmigungsprozess aktualisiert, um Mitarbeitern die Teilnahme an externen Aktivitäten wie Reden, Presseinterviews und der Verwendung des Firmenlogos zu erleichtern", ließ Amazon wissen. "Wie bei jeder Unternehmensrichtlinie erhalten Mitarbeiter eventuell eine Benachrichtigung von unserem HR-Team, wenn wir von einem Fall erfahren, in dem eine Richtlinie nicht befolgt wird." 

Amazon-Mitarbeiter widersprechen Arbeitgeber

Die Klimaschutz-Mitarbeiter wollen das so nicht stehen lassen. So soll die Richtlinie, wie sich Mitarbeiter in der Öffentlichkeit über Amazon äußern dürfen, im September verschärft worden sein - einen Tag, nachdem das Mitarbeiternetzwerk angekündigte hatte, sich am weltweiten Klimaschutzstreik zu beteiligen. "Die kürzlich überarbeitete Kommunikationsrichtlinie von Amazon wirkt sich abschreckend auf Arbeitnehmer aus, die das Rückgrat haben, sich zu Wort zu melden und Amazon zu besseren Leistungen anspornen wollen", sagte Victoria Liang, Mitglied der "Amazon Software Engineer and Climate Change Group". "Diese Richtlinie hat nichts mit dem Schutz vertraulicher Daten zu tun, für die es völlig andere Richtlinien gibt."

Amazon braucht Flugzeuge, Lastwagen und Lieferfahrzeuge, um die bestellten Ware schnell zum Kunden zu bringen - und hat dementsprechend eine enorme CO2-Bilanz. Im vergangenen Jahr wurden laut Unternehmensangaben 44,4 Millionen Tonnen CO2 durch Amazons Geschäft freigesetzt. Auf einen ähnlich hohen CO2-Fußabdruck kommt die gesamte Stadt Hongkong im Jahr. 

Orlando Bloom und Cara Delevingne in der Amazon-Serie "Carnival Row"

Amazon enormer CO2-Fußabdruck

Druck auf den Konzern, sich stärker für den Klimaschutz und die CO2-Reduktion einzusetzen, kommt längst nicht mehr nur von außen, sondern auch Mitarbeiter fordern mehr Engagement des Arbeitgebers. So unterzeichneten mehr als 8000 Mitarbeiter einen Brief an den Amazon-Chef Jeff Bezos, in dem sie forderten, dass der Konzern seine CO2-Emissionen senkt, die Nutzung fossiler Brennstoffe einstellt und die Zusammenarbeit mit Ölunternehmen beendet. Jeff Bezos hingegen sagte im September 2019 , dass Amazon weiterhin mit Öl- und Gasunternehmen zusammenarbeiten werde, die Amazons Cloud-Software nutzen. Er unterstütze zwar die Arbeit der Mitarbeitergruppe, sei aber nicht mit allen deren Zielen einverstanden. 

Im September 2019 sagte Amazon zu, seine Treibhausgasemissionen regelmäßig zu veröffentlichen und daran zu arbeiten, diese zu reduzieren. Dieser Schritt war auf Drängen der Mitarbeiter und Aktionäre unausweichlich geworden. Laut Amazon habe der Konzern 100.000 elektrische Lieferwagen geordert, die bis 2021 auf den Straßen rollen sollen. Bis 2030 will der Konzern seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen beziehen. Laut "AP" sind es derzeit erst 40 Prozent. Darüber hinaus will Amazon rund 100 Millionen Dollar in Wiederaufforstungsprojekte stecken. Bis 2040 will Amazon dann klimaneutral arbeiten. 

kg

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