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Angriff auf die Einkaufszone: Amazon will eigene Läden in Deutschland eröffnen

Amazon will eigene Ladengeschäfte in Deutschland eröffnen. Die Frage sei nicht das Ob, sondern das Wann. Trotz wachsender Online-Umsätze ist der stationäre Handel immer noch lukrativ - und Amazon könnte die Innenstädte ganz schön aufmischen.

Amazons Calvin-Klein-Shop

Amazon hat gemeinsam mit Calvin Klein einen Pop-up-Store in New York eröffnet. Auch in Deutschland sollen Amazon-Geschäfte kommen.

Der US-Onlineriese will wie in den Vereinigten Staaten auch in Deutschland stationäre Läden eröffnen. "Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann", sagte Deutschland-Chef Ralf Kleber den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). "Kunden lieben Vielfalt online und im klassischen Handel." Hintergrund der Expansionspläne könnte allerdings auch sein, dass nach wie vor bis zu 95 Prozent des Handelsumsatzes im Einzelhandel verdient wird. Trotz steigender Online-Käufe bleiben Läden gefragt beim Kunden. Das weiß auch Amazon und werde sich daher "nie dem verschließen, was der Kunde will". 

In den USA setzt Amzon bereits auf Ladengeschäfte. Die Zahl der stationären Amazon-Läden in den USA nehme langsam zu, sagte Kleber weiter. Ein Datum, wann der Onlinegigant auch in Deutschlands Fußgängerzonen startet, wollte er aber nicht nennen.

Amazon als Einzelhändler

Klar ist: Sollte Amazon hierzulande auch im Einzelhandel loslegen, könnte das Unternehmen schnell zu einem ernst zunehmenden Konkurrenten für die etablierten Händler werden. Fraglich ist, welches Konzept sich durchsetzen wird. In den USA hatte Amazon erst kürzlich einen Pop-up-Store mit Calvin Klein eröffnet. Ob Amazon Geschäfte für eigene Labels eröffnet oder in Kooperation mit Marken an den Start geht, ist ungewiss. In diesem Jahr hatte Amazon in den USA die Supermarktkette Whole Foods gekauft und bietet damit auch in diesem Segment nun stationäre Geschäfte. Die eigenen Buchläden gibt es schon seit einigen Jahren in den USA. Auch der kassenfreie Supermarkt Go ist für Amazon ein Testlauf.


Amazon Fresh in Deutschland

Amazon experimentiert oft lange. Den Lieferdienst Amazon Fresh etwa habe es sechs Jahre lang nur am Amazon-Hauptsitz Seattle gegeben, so Kleber. "Keine besondere Stadt, aber eine, in der Amazon nah am Kunden ist." Dann habe das Unternehmen "langsam aufgebaut". Die Ankündigung für den Lebensmittellieferdienst gab es jahrelang in Deutschland, der Start verzögerte sich immer wieder. Amazon Fresh gibt es seit diesem Jahr auch in Deutschland, in Berlin, Potsdam, Hamburg und München. Eine Sondergebühr für die Lieferung an die Haus- oder Wohnungstür werde Amazon nicht einführen, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir nennen uns die Erfinder des versandfreien Zustellens. Und unsere Kunden finden das gut."


Eine zentrale Zustellung für alle Onlinehändler in Ballungszentren, statt der klassischen Lieferung nach Hause, kann sich Kleber dagegen vorstellen. Dieses Modell wird derzeit überlegt, um die Innenstädte vom zunehmenden Verkehr auch durch die Lieferdienste zu entlasten.

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kg/afp