Lustiger Schlagabtausch Nach "Melania"-Witz: Amazon entzieht US-Kino Vorführungsrecht

Amazon sicherte sich die Filmrechte: "Melania" begleitet die Ehefrau des US-Präsidenten 20 Tage vor dessen Amtsantritt
Amazon sicherte sich die Filmrechte: "Melania" begleitet die Ehefrau des US-Präsidenten 20 Tage vor dessen Amtsantritt
© Andrew Leyden / Imago Images
Eine sarkastische Werbung über dem Eingang sorgt bei einem Kino in den USA für einen bösen Anruf von Amazon – und der Betreiber kontert geschickt. 

Ein selbstständig geführtes Kino im US-Bundesstaat Oregon darf die Amazon-Produktion "Melania" nicht mehr zeigen. Laut Angaben des Betreibers hat der Konzern dem Kino die Rechte an der Dokumentation über die First Lady entzogen, nachdem dieses mit einem frechen Spruch für den Film geworben hatte. 

Das betroffene "Lake Theater and Cafe" in Lake Oswego ist schon länger für seine sarkastischen Slogans auf der Reklametafel über dem Eingang bekannt. Die Dokumentation über die Ehegattin des US-Präsidenten bewarb der Kinobetreiber mit dem Satz: "Um deinen Feind zu besiegen, musst du ihn kennen. 'Melania' startet am Freitag".

Nicht jeder kann über den Witz nicht lachen

Amazon MGM, die Filmproduktionsgesellschaft des US-Unternehmens, fand das gar nicht lustig. Unter einem Instagram-Post erklärte das Kino, einen Anruf aus den höheren Ebenen von Amazon bekommen zu haben. Diese seien nicht besonders erfreut über diese Form von Marketing gewesen. Als Konsequenz dürfe die Dokumentation über Melania Trump jetzt nicht mehr in dem Kino gezeigt werden. 

In einem Statement auf der eigenen Webseite äußerte der Kinobetreiber Jordan Perry sich persönlich zu dem Vorfall. Auch vor dem Amazon-Anruf musste er demnach schon einiges an Kritik einstecken, dafür dass er den Film überhaupt zeige. Perrys Antwort: Er dachte, es wäre lustig.

In einer Woche ohne großartige Kassenschlager hielt er es für einen amüsanten Gedanken, den Film der First Lady im "offensichtlich systemkritischen, gelegentlich unruhestiftenden Nachbarschaftskino" zu zeigen. Außerdem finde er eine Dokumentation über Melania Trump generell unterhaltsam und habe selbst vorgehabt, den Film zu sehen. Mit dem bissigen Spruch über dem Eingang habe er lediglich die Stimmung etwas auflockern wollen.

Geschickter Konter gegen Amazon

Genau in diesem Stil machte das Kino weiter und konterte den Eingriff des Filmstudios mit einer neuen Reklame:

"Amazon hat angerufen. Unsere Marquee hat sie wütend gemacht. Alle Melania-Vorstellungen abgesagt." Für alle, die wegen der finanziellen Einbuße jetzt Mitleid mit Amazon haben, fügt das Kino am Ende noch einen Tipp hinzu: "Zeigt eure Unterstützung stattdessen bei Whole Foods", einer zu Amazon gehörenden Supermarktkette.

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Trotz seiner flotten Sprüche findet der Kinobetreiber nicht alles an der Situation lustig. Die empörten E-Mails hätten ihn eher traurig gemacht, und auch über die Situation im Land und Gewalttaten der US-Einwanderungsbehörde ICE sei nicht zu lachen.

Zudem geht Perry davon aus, jetzt bei Amazon auf einer "schwarzen Liste" zu stehen und erst mal keine weiteren Filme des Studios zeigen zu dürfen. Dafür entschuldigt er sich jetzt schon mal bei allen Ryan-Gosling-Fans. Der Schauspieler spielt die Hauptrolle in einer kommenden Amazon-Produktion, im "Lake Theater and Cafe" wird er damit wohl nicht zu sehen sein. 

Schmeicheleien beim US-Präsidenten?

Dabei dürfte Amazon gerade dankbar für jedes verkaufte Ticket sein. Trotz erfolgreichem Kinostart in den USA wird "Melania" die rekordhohen Ausgaben von 75 Millionen Dollar wahrscheinlich nicht reinholen können. Der finanzielle Profit der Dokumentation steht für Amazon jedoch mutmaßlich sowieso nicht im Vordergrund. 

Der Deal für den Film soll bei einem Abendessen von Jeff Bezos mit Donald Trump entstanden sein. Kritiker sehen darin einen Versuch des Amazon-Gründers, sich auf die Seite des Präsidenten zu stellen. Das würde zumindest erklären, warum die Firma bei dem humorvollen Seitenhieb aus Oregon keinen Spaß versteht. Zu dem Kino-Fiasko hat sich die Firma von Jeff Bezos noch nicht geäußert. Den Kauf der Filmrechte begründete Amazon alleine mit dem Glaube daran, dass die Kunden den Film lieben würden – zumindest in Europa sieht es nach vorläufigen Besucherzahlen jedoch nicht danach aus.

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