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US-Einzelhandel: Nach "Toys R Us"-Pleite: Wie Amazon in den Spielzeugmarkt drängt

Amazon wagt einen weiteren Schritt in den klassischen Einzelhandel: Der Online-Händler will einen eigenen Spielzeug-Katalog veröffentlichen. Damit will Amazon das Loch füllen, das "Toys R Us" in den USA hinterließ.

Kleines Mädchen mit Teddy-Bären im Arm am Supermarkt-Regal.

Amazon will sich als Marke im klassischen Spielwaren-Handel etablieren.

Getty Images

Die schwarz-gelbe Giraffe von "Toys R Us" kannte in den USA fast jedes Kind. Das ikonische Maskottchen prangte an den Geschäften der Spielwaren-Kette und eben auch auf dem Katalog, der immer im Oktober erschien. Auf mehr als 100-Seiten priesen dort Lego, Hasbro oder Mattel ihre Ware für das Weihnachtsgeschäft an. Kinder sollten dort darin stöbern, um anschließend den Eltern ihre Wünsche anzutragen. 

Doch "Toys R Us" ist Geschichte. Die Kette ging im März 2018 krachend Pleite. Seitdem stand die Frage im Raum, wer denn nun in die Rolle des untergegangen Spielwaren-Imperiums schlüpfen könnte. Denn obwohl "Toys R Us" in die Pleite taumelte und fünf Milliarden Dollar Schulden anhäufte, erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt noch einen Umsatz von 6,5 Milliarden Dollar.

Nun verdichten sich die Anzeichnen, dass ausgerechnet Amazon die Nachfolge antreten könnte. Der Online-Händler gilt als einer der Ursachen dafür, dass "Toys R Us" Kunden verlor.

Der Katalog soll in Whole Foods-Filialen verteilt werden

Der Riese Amazon hat ganz nach dem Vorbild von "Toys R Us" vor, einen Spielzeug-Katalog zur Ferien-Saison in den USA zu veröffentlichen. Zumindest will das der Nachrichten-Dienst Bloomberg erfahren haben, der sich auf Quellen innerhalb des Konzerns beruft. Eine Sprecherin wollte die angeblichen Pläne allerdings nicht kommentieren.

Amazon wird ein bisschen zur Bank

Laut Bloomberg soll der Katalog völlig analog und als Print-Heft an die US-Haushalte ausgeliefert werden. Ein Großteil dürfte allerdings auch kostenlos in Whole Foods-Filialen ausliegen. Vor einem Jahr hatte sich Amazon für 13,7 Milliarden US-Dollar die Supermarkt-Kette einverleibt.

Doch hinter diesem Schritt dürfte mehr als Symbolik stecken, an die Tradition von "Toys R Us" anzuknüpfen. Das Portal International Business Times sieht in dem anstehenden Katalog einen weiteren Schritt von Amazon, sich als feste Größe im Einzelhandel zu etablieren. Die Plattform verfügt neben einem breiten Spielwaren-Sortiment auch über Exklusiv-Verträge mit Lego. Amazon sticht bereits online damit vielfach die Konkurrenz aus. 

Amazon macht sich im Einzelhandel breit

Der Online-Händler  ist in fast allen Bereichen des Einzelhandels zu einer ernsten Konkurrenz der großen Player erwachsen. Erst macht er ihnen Kunden abspenstig, nur um dann wenig später selber mit stationären Geschäften aufzutrumpfen.

Das bekam im vergangenen Jahr der Lebensmittehandel in den USA zu spüren. So baute der Konzern seinen Lieferservice  Amazon Fresh aus und übernahm 2017 Whole Foods. Mittlerweile sollen die Bemühungen auf Hochtouren laufen, die Supermarkt-Kette mit der Logistik und Kundendienste von Amazon zu verzahnen.

Nun könnte es dem Spielwaren-Handel ähnlich ergehen. Die Pleite von "Toys R Us" im März 2018 hat eine tiefe Lücke auf dem US-Markt gerissen. Kunden ist ein etablierter Anbieter abhandengekommen, und Hersteller müssen um ihre Absätze fürchten.

Beobachter vermuteten zunächst, die Händler Walmart und Target werden die Kette mit der Giraffe ersetzen. Amazon könnte mit der Kopie der alten "Toys R Us"-Strategie, den alten Branchen-Größen zuvorgekommen sein.