Anschläge in New York Versicherungen müssen zweifach zahlen


Wie viele Schadensfälle haben die Anschläge auf das World Trade Center verursacht? Einen, wie die Versicherungen sagen, oder zwei, wie der Pächter glaubt? Diese milliardenteuere Spitzfindigkeit ist nun von einem Gericht geklärt worden - vorerst.

Ein New Yorker Geschworenengericht hat die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 als zwei verschiedene Versicherungsfälle deklariert. Damit hat Larry Silverstein, der Pächter der beiden zerstörten Zwillingstürme im Finanzdistrikt von Manhattan, zusätzliche Versicherungsgelder von 1,1 Milliarden Dollar (820 Millionen Euro) von den neun in das Verfahren verwickelten Versicherungen und Rückversicherern aus aller Welt zu erwarten. Rechnet man die zusätzlichen Versicherungsansprüche an die anderen 13 der insgesamt zwei Dutzend Versicherungen ein, die das World Trade Center versichert hatten, dann könnte Silverstein insgesamt rund 4,6 Milliarden Dollar bekommen.

Allianz-Tochter muss 80 Milllionen Euro mehr zahlen

Zu den von der Gerichtsentscheidung vom Montagabend betroffenen Versicherungen gehört auch eine Allianz-Tochter. Die Entscheidung wird bei der Allianz zu einer zusätzlichen Belastung von 80 Millionen Euro führen. Die US-Tochter wird nach Angaben einer Sprecherin in München aber sämtliche Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen. Der französische Allianz-Rückversicherer Scor hat der Allianz seinen volle Rückendeckung in dem Rechtsstreit zugesichert. Die anderen Versicherungen haben sich noch nicht geäußert, ob sie Berufung gegen das Urteil einlegen wollen.

Die Allianz hatte die Gesamtschadenssumme aus der Zerstörung der beiden Türme auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Dies gelte für die Annahme, dass es sich um einen Schadensfall handelt, hieß es damals. Sollten zwei Schadensfälle zu Grunde gelegt werden, würde sich die Summe um rund 80 Millionen Euro erhöhen.

Silverstein hatte zuvor ein Gerichtsverfahren gegen die anderen 13 Versicherungen verloren. Dabei hatte das New Yorker Gericht den Terroranschlag auf das World Trade Center als einen Versicherungsfall deklariert.

Silverstein hatte das World Trade Center, das er von der Landesbehörde Port Authority gepachtet hatte, mit insgesamt 3,5 Milliarden Dollar versichert. Er wollte aber insgesamt sieben Milliarden Dollar kassieren, weil es sich um zwei verschiedene Versicherungsfälle gehandelt habe. Er hatte gerichtlich argumentiert, dass die Zerstörung der beiden Wolkenkratzer zwei Versicherungsfälle seien, weil zwei Flugzeuge zeitlich getrennt in zwei verschiedene Wolkenkratzer geflogen waren und sie zerstört hatten. Die Versicherungen hatten hingegen behauptet, es sei ein einziger koordinierter Terroranschlag gewesen, und Silverstein stehe nur eine Einzelzahlung und nicht die doppelte Summe zu.

"Ein Sieg für alle New Yorker"

Silverstein nannte den Gerichtserfolg "einen Sieg für alle New Yorker". Die Entscheidung bedeutet nach seinen Angaben "eine zusätzliche Milliarde Dollar" an Versicherungsgeldern. Die Versicherungen müssten ihren fairen Anteil zahlen. Alle Beteiligten wollten einen Wiederaufbau nach den höchsten Standards. Das im Bau befindliche "Gebäude 7 World Trade Center" solle bis 2006 fertig gestellt werden. Am vierten Juli sei der Grundstein für den Freedom Tower gelegt worden. Der Freedom Tower soll das Zentrum des neuen riesigen Gebäudekomplexes mit vier oder fünf Bürohochhäusern am Südende von Manhattan werden.

Ein anderes Prüfungsgremium muss jetzt erst noch separat den wahren Schaden der World-Trade-Center-Zerstörung festlegen. Berufungsverfahren könnten die Lösung des Konflikts weiter verzögern.

DPA DPA

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