Arzneimittel Bares Geld sparen


Nach drastisch gestiegenen Arzneimittelkosten können Patienten und Krankenkassen bald jubeln. Pharmaproduzenten wollen die Preise für so genannte Nachahmermedikamente massiv senken.

Nach deutlich gestiegenen Arzneimittelkosten können Patienten und Krankenkassen wieder auf Entlastungen hoffen. Mehrere Pharmaproduzenten wollen die Preise für Nachahmermedikamente zum Teil stark senken. Sie reagieren damit auf den Druck durch das seit Anfang Mai geltende Arzneimittel-Spargesetz.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und die Krankenkassen begrüßten am Mittwoch den Preiskampf auf dem so genannten Generika- Markt. Generika sind Medikamente, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist und die von Drittfirmen "kopiert" werden dürfen.

Ab 1. Juli könnten viele Versicherte sparen

Schmidt nannte es "positiv", dass es nun Preiswettbewerb gebe und Produkte günstiger angeboten würden. "Wie sonst sollen wir sparen", sagte die Ministerin. Es habe lange gedauert. Dies seien aber Dinge, die sich nun Schritt für Schritt änderten.

Die Betriebskrankenkassen erklärten, "echter Preiswettbewerb ist gut für die Versicherten und die Gesetzliche Krankenversicherung". Versicherte und Kassen sparten so bares Geld, ohne dass die Versorgungsqualität leide. Nach der Ankündigung stiegen zudem die Chancen, dass viele Versicherte vom 1. Juli bei den Zuzahlungen sparen können, sagte der Sprecher des Bundesverbandes, Florian Lanz.

Zuzahlungspflicht entfällt Mitte des Jahres

Neben den zum Schweizer Pharmakonzern Novartis gehörenden Branchenführern Sandoz und Hexal will auch der Konkurrent Ratiopharm die Preise deutlich senken. Auch der Generika-Hersteller Stada prüft Preisnachlässe. Dabei wolle man die Konkurrenz möglicherweise noch unterbieten.

Nach dem Arzneimittel-Spargesetz entfällt Mitte des Jahres für viele Patienten, die sich besonders preisgünstige Medikamente verordnen lassen, teils die Zuzahlungspflicht. Das neue Gesetz legt für gleichartige Medikamente eine Erstattungshöchstgrenze für den Preis fest. Verkauft ein Hersteller das Medikament zu einem höheren Preis, muss der Versicherte die Differenz selbst zahlen. Da Versicherte zu günstigen Mitteln greifen sollen, erwartet der Gesetzgeber Einsparungen für Kassen trotz entgangener Zuzahlungen.

Die Ausgaben aller gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind im ersten Quartal 2006 laut Schmidt um 550 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Der Apothekerverband sprach von einem Plus von 10,6 Prozent auf 5,88 Milliarden Euro. Die Arzneimittelausgaben sind neben den Schmidt zufolge "ungewöhnlich hohen" Krankenhauskosten Hauptkostentreiber im Gesundheitswesen. Im dritten Jahr nach In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform schreiben ihretwegen die meisten Kassen wieder rote Zahlen. Das Gesamtdefizit beläuft sich nach den ersten drei Monaten nach Angaben der Gesundheitsministerin auf "etwas über eine Milliarde Euro".

DPA DPA

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