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Und jetzt ... Django Asül: Schlapphüte, beobachtet Wulff!

Unsere Freunde vom Verfassungsschutz haben sich in die Linken verbissen. Doch da ist nichts zu holen, außer ein bisschen Ostalgie. Es gibt lohnenswertere Ziele.

Ein satirischer Hinweis von Django Asül

Die Irritation, die der Verfassungsschutz durch die Observierung der Linken ausgelöst hat, ist verständlich. Dass sich die Linken-Häuptlinge diskreditiert fühlen ebenso. Dass der Verfassungsschutz über die Irritation irritiert ist, natürlich erst recht. Die eigentliche Aufgabe der Behörde ist ja das Ausspähen von hochkriminellen Demokratiefeinden. Auch wenn ein Bemühen hie und da eventuell erkennbar war, so direkt gut hingekriegt haben die Schlapphüte ihren Job nicht. Umso erfreulicher, wenn sich in der Behörde diese Erkenntnis auf breiter Ebene durchgesetzt hat. Man mag dem Verfassungsschutz unterstellen, den Kampf gegen Extremisten nur widerwillig aufgenommen zu haben. Das muss aber nicht zwingend aufgrund von plumper Unlust geschehen sein. Vielleicht liegt das Hochkonspirative den Agenten nicht so. Rumschnüffeln ist eben nicht jedermanns Sache. Das mag eine schlüssige Erklärung sein, weshalb sich auf einmal nur noch die Linken auf dem Radar befanden. Mit der Beobachtung von putzigen Ostalgiefans und plüschigen Kommunismusbefürwortern wird ein Behördenalltag natürlich zu einer sehr entspannten Angelegenheit. Da gibt es immer wieder jede Menge zu lachen, wenn die Linken Gefällt-mir-Daumen auf Facebook an Diktatoren in aller Welt verteilen oder permanent die Verstaatlichung von Privateigentum gefordert wird. Und Parteiprogramme weit jenseits der Realität sind nicht nur von Humorfreunden gern gesehen, sondern generell akzeptiert als Teil der deutschen Unterhaltungskultur.

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Um weiterhin als seriöse Anstalt zu gelten, sollte der Verfassungsschutz aber dennoch sein Aufgabengebiet überarbeiten. Anbieten würde sich beispielsweise die Umwandlung zu einer Art Überwachungsinstitut für Politiker. Wobei Überwachung in dem Fall zu negativ klingt. Es sollte eher in die Richtung einer moralischen und/oder finanztechnischen Clearingstelle gehen für Politiker. Das wäre die optimale Aufgabe, um die demokratischen Grundfesten der Republik zu verteidigen. Dem Land und dem deutschen Volk würde viel Ärger erspart, wenn Politiker sämtliche Finanztransaktionen, Reisen und Veranstaltungsbesuche dem Verfassungsschutz zur Freigabe vorlegen müssten. Die Politiker könnten so wieder ruhig schlafen. Und die Bundesbürger bräuchten nicht immer daran erinnert werden, dass die Politiker die gleiche Geiz-ist-geil-Mentalität haben wie Otto Normalverbraucher. Des Weiteren bedarf es in Deutschland auch dringendst einer effektiven Beratungsstelle für Partyveranstalter. Auf dem Gebiet läuft nämlich viel zu viel schief. Und viel zu viele wertvolle Ressourcen werden sinnlos verschleudert. Bestes Beispiel dafür ist der mittlerweile berüchtigte Partyveranstalter Manfred Schmidt. Bislang wurde diesem Eventmacher ein feines Gespür attestiert. Schmidt schien immer zu wissen, welche Mächtigen er mit welchen Geldadeligen zusammenbringen musste, um selber sich auch noch eine goldene Nase und ein paar silberne Extremitäten zu verdienen.

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Seit dieser Woche aber ist das glamouröse Image des Lobbymanagers Schmidt ramponiert wie ein griechischer Nachtragshaushalt. Irgendwelche Schmuddelreporter haben nämlich rausgefunden, welch seltsame Abgründe sich auftun bei diesem Mann. Denn Schmidt soll sogar sein luxuriöses Penthouse seiner Namensvetterin Ulla Schmidt gratis zur Verfügung gestellt haben. Die Ex-Gesundheitsministerin von der SPD konnte so ihren 60. Geburtstag ganz mondän und doch preiswert feiern. Manfred Schmidt stellte sogar Gratisbier und sonstige Freiwaren zur Verfügung. Gut, zum Zeitpunkt der Feier war Ulla Schmidt schon nicht mehr im Amt. Sie mag also einen gewissen Mitleidsbonus gehabt haben in der Eventwelt. Aber nichtsdestotrotz darf und muss man einem Eventmanager unterstellen, dass er nie und nimmer ohne Hintergedanken Gratisleistungen bietet. Und von Ulla Schmidt auf irgendeine Art zu profitieren, ist per se quasi unmöglich. Denn selbst als Ministern war sie beliebt wie ein Staubsaugervertreter, der undichte Staubsaugerbeutel zu überteuerten Tarifen unter Waffeneinsatz an den Haustüren verkauft.

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Da bleibt nur eine logische Schlussfolgerung übrig: Der Eventmanager Manfred Schmidt hatte seinen inneren Kompass verloren. Er wusste längst nicht mehr: Wer ist Freund? Wer ist Feind? Die Nähe zu welcher Partei bringt materielle Vorteile? Hier muss der Verfassungsschutz klammheimlich, aber effektiv ansetzen. Schon beim Erstkontakt zwischen Manfred und Ulla Schmidt müsste ein Agent dem Partykönig deutlich machen, auf welchem Holzweg er sich befindet. Wer eine Party für ausrangierte SPD-Frauen schmeißt, gilt nicht mehr als Gute-Laune-Verbreiter, sondern als Vorstufe zur Trauerhilfe. In letzter Konsequenz aber wird der Verfassungsschutz nicht umhin kommen, selber die Promipartys zu arrangieren. Ohne Interessenskollisionen zwischen Politik und Wirtschaft geht es nicht in einer Demokratie.

Aber Sinn macht das nur, wenn alles diskret bleibt. Denn Transparenz heißt ja nicht, dass alle alles mitkriegen. Transparenz heißt: Die Beteiligten wissen Bescheid. Und die anderen geht es nichts an. Dass private Interessen öffentlich werden, ist einer Demokratie nicht würdig.