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Bahn-Tarifstreit: Schell ist dann mal weg

Gesundheit geht vor Streik. Und weil Lokführer-Boss Manfred Schell, der härteste Widersacher von Bahnchef Hartmut Mehdorn, schon lange eine Kur geplant hat, tritt er die jetzt auch an. Jetzt entscheidet eben Schells Vize - und gibt am Nachmittag bekannt, ob jetzt wieder gestreikt wird.

Die GDL-Tarifexperten seien dabei, das 250 Seiten starke Angebot der Deutschen Bahn zu bewerten, teilte Sprecherin Gerda Seibert mit. Das Ergebnis soll um 15.00 Uhr von GDL-Vize Claus Weselsky auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main bekanntgegeben werden. Die Kurzfassung des Angebots hatte die Gewerkschaft als völlig inakzeptabel zurückgewiesen. Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell hat trotz des anhaltenden Tarifstreits eine bereits seit langem geplante Kur angetreten, bestätigte Seibert einen "Bild"-Bericht.

Schell erstmal auf Kur - vielleicht drei Wochen lang

Der 64-Jährige hatte am vergangenen Freitag erklärt, er habe die Kur bereits zwei Mal verschoben. Seibert unterstrich, die wichtigen Entscheidungen würden weiter mit dem Vorsitzenden abgestimmt. Es sei unklar, ob Schell volle drei Wochen in Kur bleibe. Sie erinnerte daran, dass die GDL die Bahn zur Erläuterung ihres Angebots vergeblich um ein Gespräch gebeten habe.

Der Bahnvorstand will direkt in Tarifverhandlungen einsteigen, womit für die Gewerkschaft eine Friedenspflicht gelten würde. Die GDL reichte zudem beim Landesarbeitsgericht Sachsen Widerspruch gegen das vom Arbeitsgericht Chemnitz verhängte Streikverbot im Fern- und Güterverkehr ein, wie eine Justizsprecherin mitteilte.

Kanzlerin soll sich endlich einschalten

Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer kritisierte Bahnchef Hartmut Mehdorn. Er verhalte sich selbstherrlich und reagiere "sehr selbstherrlich mit einem Gutsherren-Standpunkt", sagte Bütikofer der "Netzeitung". Aber auch dem GDL-Chef Schell warf er Starrköpfigkeit vor. Der Verkehrsexperte der Partei im Bundestag, Winfried Hermann, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich in den Tarifkonflikt einzuschalten. Merkel müsse GDL und Bahn AG an einen Tisch rufen und sagen, dass der Kompromiss in der Mitte liege - und nicht auf der Seite der Bahn-Führung, verlangte Hermann im ARD-"Morgenmagazin".

Hauptziel der Bahn sei offenbar, "sich den Börsengang nicht verhageln zu lassen und eine gute Bilanz nicht durch höhere Gehälter der Lokführer zu schmälern". Der Vorsitzende des Verbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte im Bayerischen Rundfunk, die Verhandlungen seien so festgefahren, dass eine schnelle Lösung nicht in Sicht sei. Man müsse wohl mit weiteren Streiks rechnen.

DPA/AP / AP / DPA