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Bahnstreik: "Das Ziel ist der Verhandlungstisch"

Der S-Bahn-Streik in Berlin und Hamburg kam völlig überraschend. Im Interview mit stern.de erklärt Norbert Quitter, Vorsitzender der GDL-Nord, wie die Gewerkschaft in den kommenden Tagen vorgehen will und ob Pendlern und Urlaubern weitere Streik-Überraschungen drohen.

In welcher Großstadt müssen die Pendler als nächstes Angst vor S-Bahn-Streiks haben?

Wir hoffen, dass die Pendler weder in den Städten noch anderswo in Deutschland Angst vor unseren Streiks haben müssen. Unser Wunsch ist, dass die Bahn unseren Vorschlag annimmt, Heiner Geißler als Vermittler einzusetzen. Damit wäre eine Lösung auf dem Verhandlungsweg möglich.

Trotzdem wird morgen vor Gericht erneut verhandelt. Wer ist dran, falls die Richter den Güter- und Fernverkehr zum Abschuss freigeben?

Für den Personenfernverkehr wird es bis Sonntag definitiv keine Streiks geben. Ich wiederhole: Falls die Bahn Heiner Geißler als Mediator akzeptiert, setzen wir uns an einen Tisch. Und so lange wir an einem Tisch sitzen, wird verhandelt und nicht gestreikt. Leider haben echte Gespräche bisher nicht statt gefunden.

Was sagen Sie denen, die Ihren Bundesvorsitzenden Schell als mindestens so kompromissunfähig wie Bahn-Chef Mehdorn empfinden?

Denen sage ich zuerst, dass hier zwei starke Charaktere aufeinander treffen. Was unseren Vorsitzenden Manfred Schell angeht, muss aber jeder wissen, dass er nicht nur für sich, sondern für die ganze GDL spricht und nicht etwa für das Ego Schell.

Und Herr Mehdorn?

Unser Wunsch an Herrn Mehdorn ist, dass Schluss ist mit der Prozesshanselei vor den Gerichten. Er sollte akzeptieren, dass nicht nur die Bahn, sondern auch die GDL Vorstellungen hat. Das hat er bisher offenbar nicht verstanden.

Die Bahn sagt, dass heute nur etwa 50 Prozent des S-Bahnverkehrs in Berlin und Hamburg ausgefallen sind. Die Auswirkungen des Streiks seien klein gewesen. Fassen Sie die Bahn zu sanft an?

Wie die Bahn auf diese Quote kommt, weiß ich nicht. Die S-Bahnen, die noch gefahren sind, fuhren in sehr weiten zeitlichen Abständen von zehn Minuten und mehr. Außerdem ging es nicht darum, den Bahnverkehr lahm zu legen. Wir wollten ein Zeichen setzen und zeigen, dass unsere Kolleginnen und Kollegen hinter uns stehen und zum Arbeitskampf motiviert sind. Das ist uns gelungen.

Und jetzt?

Generell hoffen wir darauf, der Lösung am Verhandlungstisch durch die Einsetzung eines Vermittlers sehr viel näher zu sein. Streik ist kein Selbstzweck.

Interview: Christoph M. Schwarzer