VG-Wort Pixel

Banken-Stresstest Bankenverband mahnt zu Besonnenheit


Ende Oktober sollen die Ergebnisse der umfassenden Bankenüberprüfung vorliegen. Fallen viele Institute durch, könnte das für neue Unruhe an den Finanzmärkten sorgen.

Der Bundesverband deutscher Banken schließt nicht aus, dass einzelne deutsche Institute den laufenden Banken-Stresstest möglicherweise nicht bestehen. "Die deutschen Banken sind vorbereitet", sagte Verbandsgeschäftsführer Michael Kemmer der "Wirtschaftswoche". Falls aber eine Bank den Test nicht bestehe, sei Besonnenheit gefragt. "Hier ist eine differenzierte Analyse erforderlich und auf Basis des umfangreichen Datenmaterials, das für jede Bank veröffentlicht werden wird, auch möglich."

Seit Monaten durchforsten Experten der EZB, nationale Aufseher und unabhängige Wirtschaftsprüfer die Bilanzen der Euro-Banken nach möglichen Altlasten oder Kapitallöchern. Bei diesem Bilanzcheck (Asset Quality Review) haben sich die Prüfer Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro vorgenommen. Verknüpft wird diese Überprüfung mit dem bislang nach Angaben von Aufsehern härtesten Stresstest für Banken in Europa. Dabei müssen die Institute beweisen, dass sie auch im Ernstfall - wenn die Wirtschaft einbricht und die Immobilienpreise abstürzen - ausreichend Kapital haben, um ihr Geschäft fortzuführen.

Spekulation über Wackelkandidaten

Medien hatten zuletzt berichtet, dass die EZB die Ergebnisse des Tests am 26. Oktober veröffentlichen wolle. Die Banken sollten zwei Tage zuvor informiert werden. Den Tests der Europäischen Zentralbank (EZB) müssen sich 131 Institute im Euroraum stellen. Darunter sind 23 deutsche Häuser.

Über mögliche Wackelkandidaten in Deutschland war bereits spekuliert worden. Vor allem jene Institute mit einem hohen Anteil an Schiffsfinanzierungen werden kritisch beäugt - allen voran die HSH Nordbank. Auch die NordLB und die Commerzbank haben viel Geld in dem angeschlagenen Markt investiert.

Dilemma für EZB

Die EZB steckt in einem Dilemma. Der Test soll das Vertrauen in die Finanzmärkte stärken, könnte aber auch zu neuen Verwerfungen führen. Für einen glaubwürdigen Test, der möglichst alle Altlasten aufspürt, muss sie streng vorgehen. Das aber könnte bedeuten, dass sich so große Kapitallöcher auftun, dass viele Investoren erst recht das Vertrauen in die Banken verlieren. Dann könnten neue staatliche Rettungsaktionen drohen.

"Die Aufsichtsbehörden bemühen sich nach Kräften, dass Bilanzprüfung und Stresstest reibungslos, europaweit einheitlich und fair ablaufen", sagte Kemmer der "Wirtschaftswoche". Die Banken seien konstruktiv einbezogen, der Dialog müsse aber vorangetrieben werden. "Dazu sollten nationale und europäische Behörden Teilergebnisse und vorläufige Resultate frühzeitig vorab besprechen, ohne dass börsennotierte Banken die sofort veröffentlichen müssen", sagte Kemmer.

feh/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker