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Bankenkrise: Commerzbank streicht Mitarbeiter-Boni

Bonuszahlungen wird es in diesem Jahr für Mitarbeiter und Vorstände der Commerzbank nicht geben. Die mit einer staatlichen Milliardenhilfe ausgestattete Bank reagiert damit auf ein negatives Vorsteuerergebnis. Auch die Investmentbanker der Tochter Dresdner Bank erhalten keinen Bonus. Sie wollen nun vor Gericht ziehen.

Die Commerzbank hat die Bonuszahlungen für die komplette Belegschaft und den Vorstand gestrichen. "Das Vorsteuerergebnis war negativ. Deshalb werden unsere Mitarbeiter und die Vorstandmitglieder für 2008 keinen Bonus erhalten", erklärte Finanzchef Eric Strutz am Mittwoch bei der Vorlage der Jahresbilanz. Die Beschäftigten bekämen aber eine "individuelle Anerkennung" für Mehrarbeit.

Diese Entscheidung gelte für die Commerzbank AG und alle hundertprozentigen Tochtergesellschaften, betonte Strutz. Seit Anfang des Jahres gehört die Dresdner Bank zur Commerzbank. Die Dresdner-Investmentbanker hatten für 2008 vom früheren Dresdner-Mutterkonzern Allianz noch einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro zugesagt bekommen, den die Commerzbank schon vor Wochen infrage gestellt hatte. Mehrere Dresdner-Banker haben einem Medienbericht zufolge daraufhin damit gedroht, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen.

Neues "Anreizsystem" ist in Arbeit

Strutz sagte, die Commerzbank arbeite derzeit an einem neuen Anreiz- und Vergütungssystem. Dieses Modell müsse in allen Geschäftsbereichen zur Leistungsfähigkeit der neuen Commerzbank passen und der Nachhaltigkeit von Erträgen gerecht werden.

Die Commerzbank erwartet nach dem Krisenjahr 2008 weitere Tiefschläge im laufenden Jahr. Zwar sei der Januar 2009 gut verlaufen, erklärte Finanzvorstand Strutz. "Aber wir müssen realistisch sein: 2009 wird nochmals ein sehr schwieriges Jahr." Es werde weitere konjunkturelle Belastungen geben, erst 2010 rechne er mit einer Besserung der Lage. Im Schlussquartal hatte sich für die Commerzbank die Talfahrt beschleunigt: Das Institut schrieb tiefrote Zahlen. Die Commerzbank erhielt inzwischen Milliardenhilfe vom Staat und im Gegenzug den Bund als Großaktionär.

809 Millionen Euro Verlust im vierten Quartal 2008

"Das vierte Quartal war eines der schwersten der Commerzbank", sagte Vorstandssprecher Martin Blessing laut Mitteilung. Unter dem Strich fiel in dem Zeitraum wegen der Zuspitzung der Krise ein Verlust von 809 Millionen Euro an - nach einem Gewinn von 201 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr blieb dem Institut ein Mini-Gewinn von drei Millionen Euro nach dem Rekordüberschuss von 1,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Operativ rutschte die Bank allerdings nach einem Plus von 2,5 Milliarden Euro im Vorjahr mit 378 Millionen Euro ins Minus.

Vor allem die Staatsfinanzierung, das Immobiliengeschäft und das Investmentbanking setzten der zweitgrößten deutschen Bank schwer zu - in diesen Sparten schrieb die Bank sowohl im Schlussquartal als auch im Gesamtjahr deutliche Verluste. In den Kerngeschäftsfeldern Privat- und Geschäftskunden und Mittelstand blieb der Konzern dagegen in der Gewinnzone, auch in Mittel- und Osteuropa blieb ein leichtes Plus. Der Zinsüberschuss erhöhte sich 2008 um 18 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Handels- und Finanzanlagenergebnis rutschten wegen hoher Belastungen infolge der Finanzmarktkrise ins Minus. Die Gesamtbelastungen aus der Krise für das Jahr 2008 bezifferte ein Sprecher auf rund 2,1 Milliarden Euro.

Trotz der schlechten Zahlen und eher düsteren Aussichten: Commerzbank-Aktien legten an der Börse im morgendlichen Handel zu. Sie verteuerten sich um fast zehn Prozent. Analysten hatten Schlimmeres erwartet.

Reuters/DPA / DPA / Reuters