HOME

BenQ-Insolvenz: Wurde die Pleite verschwiegen?

Die Insolvenz des Handyherstellers BenQ wird immer undurchsichtiger. Angeblich soll das Management schon Wochen zuvor vom drohenden Konkurs gewusst haben. Und auch die Rolle von Siemens beim Verkauf wirft Fragen auf.

Der Handy-Hersteller BenQ hat laut "Süddeutscher Zeitung" vor der Insolvenz finanzielle Probleme wochenlang verschleiert. Aus internen Dokumenten gehe hervor, dass das Management die dramatischen Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens bereits Mitte August gekannt habe, berichtet das Blatt - wenige Wochen vor dem offiziellen Konkurs.

Während der Mutterkonzern in Taiwan und die angeschlagene Tochter in München damals offiziell noch Durchhalteparolen ausgaben, hätten einige Verantwortliche die Hoffnung bereits aufgegeben. "Wir haben null Budget mehr", habe BenQ-Mobile-Finanzchef David Wang am 16. August an Vorstandschef Clemens Joos geschrieben. Trotzdem hätten Spitzenmanager von BenQ sowie der Mobilfunk-Tochter eine Woche später öffentlich Zuversicht verbreitet. Ende September, als die Insolvenz angemeldet wurde, habe das Management beteuert, es sei völlig überrascht.

Keine Standortgarantien

Auch die angeblichen Standortgarantien habe es nicht gegeben. Siemens habe den Asiaten viel Geld, Patente und Rechte an der Marke Siemens überlassen, teilte das Unternehmen mit. Eine explizite Verankerung des Standorterhalts habe es im Gegenzug aber nicht gegeben.

"Ein Abschluss weitergehender vertraglicher Vereinbarungen hinsichtlich der Standortsicherung ist bei solchen Betriebsübergängen nicht üblich und entspricht nicht dem allgemeinen Geschäftsgebaren", teilte Siemens mit. Konzernchef Klaus Kleinfeld hatte nach eigenen Angaben den Taiwanern im Frühsommer 2005 den Vorzug gegeben, weil andere Interessenten die deutschen Standorte der Handysparte nicht hätten übernehmen wollen.

Siemens reagierte mit seiner Stellungnahme auf einen Bericht des ARD-Magazins "Report". Darin wird dem Konzern vorgeworfen, eine Sicherungsklausel für die deutschen Standorte der mittlerweile insolventen BenQ Mobile versäumt zu haben. Siemens erklärte: "Insbesondere die Übernahme des 2004 zwischen Siemens und der IG Metall vereinbarten und bis Juni 2006 gültigen Ergänzungstarifvertrages für BenQ Mobile durch die BenQ Corp. machte die Ernsthaftigkeit des neuen Eigentümers deutlich, die Geschäfte in Deutschland fortführen zu wollen. In dem Tarifvertrag wurde unter anderem die Sicherung des Standortes Kamp-Lintfort festgeschrieben."

Zugleich wies Siemens anhaltende Geldforderungen der Gewerkschaft für die von der Pleite betroffenen BenQ-Beschäftigten zurück. "Die Forderungen des bayerischen IG-Metall-Chefs Werner Neugebauer nach weiteren Unterstützungsleistungen entbehren jeglicher Grundlage", hieß es. Als "Zeichen der Solidarität" hat das Unternehmen seinen einstigen Handy-Mitarbeitern einen Hilfsfonds über 35 Millionen Euro zugesagt. Neugebauer forderte erneut eine deutliche Aufstockung der Summe. "Wenn es in den nächsten 14 Tagen zu keinen Lösungen kommt, denke ich, muss auch darüber nachgedacht werden, den Rücktritt von Herrn Kleinfeld und Herrn von Pierer auf die Tagesordnung zu setzen", wird der Gewerkschafter zitiert. Heinrich von Pierer ist Aufsichtsratschef von Siemens.

Reuters/AP / AP / Reuters