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Bertelsmann: Es geht auch ohne Musik

Der Medienkonzern Bertelsmann will sich einem Zeitungsbericht zufolge zur Abwehr eines Börsengangs von seinem Musikgeschäft trennen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf könnte der Rückkauf eigener Anteile finanziert werden.

Bertelsmann habe Investmentbanker beauftragt, erste Schritte für einen möglichen Verkauf des Musikverlages BMG Music und der 50-Prozent-Beteiligung an Sony BMG einzuleiten, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Montag unter Berufung auf einen "Insider". Ein Verkauf des Musikgeschäfts sei wahrscheinlich. Ein Sprecher des Gütersloher Medienkonzerns sagte dazu: "Das ist Spekulation."

BMG ist längst kein Kronjuwel mehr

Der Verkauf könnte Bertelsmann der Zeitung zufolge gut zwei Milliarden Euro einbringen. BMG, das zu einem Großteil aus der gemeinsam mit dem japanischen Konzern Sony gehaltenen Sony BMG besteht, büßte 2005 16,5 Prozent Umsatz ein und kam nur noch auf 2,1 Milliarden Euro. Dennoch hatte sich Bertelsmann-Chef Gunter Thielen erst vergangene Woche zufrieden gezeigt mit dem Joint Venture, der weltweiten Nummer zwei hinter Universal Music: "Wir sind glücklich mit unserer Partnerschaft."

Bereits mehrfach hatte es in Medienberichten geheißen, Bertelsmann erwäge den Verkauf von Unternehmensteilen, um den 25,1-Prozent-Anteil des einzigen freien Aktionärs GBL (Groupe Bruxelles Lambert) zurückzukaufen, dessen Wert Analysten auf bis zu fünf Milliarden Euro schätzen. GBL hatte sich 2001 an Bertelsmann beteiligt und im Gegenzug seine 29,9 Prozent an der Sendergruppe RTL an die Gütersloher abgegeben.

Bertelsmann-Anteil soll 2007 an die Börse

Die belgische Investmentfirma hatte Ende Januar angekündigt, ihren Anteil an Bertelsmann 2007 an die Börse bringen zu wollen. GBL bekräftigte am Montag, weiter die Platzierung anzustreben. Alternativ kann GBL ab Mai 2006 den Anteil verkaufen, wobei die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) ein Vorkaufsrecht hat. Die BVG übt die Stimmrechte für die Familie Mohn und die Bertelsmann Stiftung aus. Die Vertreterin der Familie, Liz Mohn, hatte sich vor gut einem Jahr gegen den Rückkauf des GBL-Anteils ausgesprochen. Seither hat sie sich nicht dazu geäußert. Thielen hatte vergangene Woche bekräftigt, das Unternehmen sei auf einen Börsengang vorbereitet.

Einen Bericht des Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe), wonach der Verkauf des Mehrheitsanteils von 74,9 Prozent am Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr von Bertelsmann ernsthaft erwogen werde, bezeichnete der Konzernsprecher als abwegig. Thielen selbst hatte RTL, die Buchverlags-Gruppe Random House oder Gruner + Jahr in der vergangenen Woche zum Kerngeschäft gezählt. Ein Verkauf dieser Konzernteile sei schwer vorstellbar.

Club-Geschäft ist unantastbar

Analysten gehen auch nicht davon aus, dass sich Bertelsmann von Club-Geschäft Direct Group oder der Druck-Tochter Arvato trennen würde. Einen Verkauf von Sparten hatte Thielen aber auch nicht ausgeschlossen. Zwar stehe die laufende Überprüfung der Bertelsmann-Geschäftsbereiche durch die Unternehmensberatung Boston Consulting nicht im Zusammenhang mit dem Börsengang. Sie könne dennoch dazu führen, dass sich Bertelsmann aus Geschäften zurückziehe, Partner suche oder sich verstärke.

Reuters / Reuters