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Börsengang: Kabel Deutschland trotzt der Finanzkrise

Erster großer Börsengang in Deutschland seit Beginn der Finanzkrise: Der US-Investor Providence hat Kabel Deutschland erfolgreich am Aktienmarkt platziert. Experten hoffen, dass nun das Eis für andere Unternehmen gebrochen ist.

Der Kabelfernseh-Anbieter Kabel Deutschland (KDG) ist am Montag als erstes größeres deutsches Unternehmen seit Beginn der Finanzkrise an die Börse gegangen. Die neuen Aktionäre von Kabel Deutschland konnten sich zunächst aber nur über einen kleinen Zeichnungsgewinn freuen: Mit 22,50 Euro startete die KDG-Aktie 2,3 Prozent über dem Ausgabepreis von 22 Euro in den Handel. Vorstandschef Adrian von Hammerstein sagte an der Frankfurter Börse: "Wir sind mit dem ersten Kurs sehr zufrieden. Dies ist ein gutes Zeichen für den IPO-Markt." Danach bröckelte das Papier aber zeitweise auf 22,13 Euro ab.

Viele Unternehmen, die mit der Börse geliebäugelt hatten, mussten ihre Pläne in der Finanzkrise auf Eis legen oder waren - wie die Deutsche Bahn oder Hochtief Concessions - kurz vor der Erstnotiz gescheitert. Nun hoffen Experten, dass nach KDG weiteren Aspiranten der Sprung an die Börse leichter fällt. Philipp Meier-Scherling, bei der Deutschen Bank für Börsengänge zuständig, sagte: "Das war eine mutige Entscheidung. Sie zeigt, dass der Markt gute Unternehmen sehen will und bereit ist, diese zu unterstützen."

US-Investor mit Einnahmen in Millionenhöhe

Mit dem Börsengang von Kabel Deutschland macht vor allem der Eigentümer Providence Kasse. Der US-Finanzinvestor, vor sieben Jahren beim größten deutschen Kabelnetzbetreiber eingestiegen, nahm mit dem Verkauf von 34,5 Millionen Aktien 759 Millionen Euro ein. Ihm gehören nun noch 61,7 Prozent der Aktien. Auch der Finanzinvestor hofft damit auf steigende Kurse: In diesem Fall kann er weitere Aktien an der Börse zu höheren Preisen verkaufen und seine Beteiligung weiter versilbern, wie es das Ziel eines Finanzinvestors ist.

Begleitet worden war der Börsengang von der Deutschen Bank, Morgan Stanley, JPMorgan und UBS. Ein Verkauf von Kabel Deutschland an andere Private-Equity-Unternehmen war an den Preisvorstellungen von Providence gescheitert. Die Nummer zwei in Deutschland, Unitymedia, war im November an den US-Medienkonzern Liberty Global gegangen. Obwohl KDG selbst bei dem Börsengang leer ausgeht, will von Hammerstein auf Expansionskurs gehen: Vor allem auf der "letzten Meile" in die einzelnen Haushalte gebe es interessante Konsolidierungsmöglichkeiten. "Die werden wir uns anschauen." Kabel Deutschland versorgt insgesamt neun Millionen Haushalte mit Fernsehen, Telefon- und Internetdiensten.

Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters