HOME

Branchenbericht: Hamburg ist auf dem Musikmarkt tonangebend

Zwischen Berlin und Hamburg hat ein Wettkampf um die Stars und Sternchen des Musikmarktes begonnen. Dabei werden Plattenfirmen und Musikverlage heftig von den Wirtschaftssenatoren umworben.

Günstige Angebote für das Mieten von Objekten spielen dann ebenso eine Rolle wie Ansiedlungsofferten. So baut Warner Music neben den Deichtor-Hallen am Hamburger Hafen ein Verwaltungsgebäude, um alle Unternehmen des Musik-, Video- und Filmgeschäftes unter einem Dach zu konzentrieren. Ebenfalls an der Elbe baut edel Music.

Hamburg ist nach den Worten des Geschäftsführers des Musikverlages Warner/Chappell, Norbert Masch, die europäische Stadt des Musikbooms. HipHop sei ebenso in Hamburg zu Hause wie Rock/Pop und Techno. Wohl selten sei die Bandbreite des Musikgeschehens so vielfältig wie in der Hansestadt. Das locke immer mehr Nachwuchstalente an, sich hier niederzulassen.

Branchenkenner haben ausgerechnet, dass der Umzug von Hamburger Musikunternehmen nach Berlin deren Kosten um bis zu 100 Prozent steigen lassen könnte. Die Infrastruktur Berlins reicht angeblich nicht aus, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die das notwendige Gefühl für den aktuellen Musikmarkt mitbrächten, hieß es. Schließlich kommen heute die »Topacts« der verschiedenen Musikstile aus Hamburg, wie Deichkind, Fettes Brot, Absolute Beginner und Fünf Sterne Deluxe. An der Elbe sind aber auch Stars wie Marius Müller-Westernhagen, Udo Lindenberg, Blümchen und die Gruppe Echt zu Hause.

Nach Berechnungen der Hamburger Wirtschaftsbehörde machen die Hamburger Tonträgerfirmen einen Jahresumsatz von insgesamt 1,5 Milliarden Euro (2,9 Mrd DM). Das entspricht mehr als 50 Prozent des gesamten deutschen Tonträgermarktes.

Deutlicher wird der Vorstandsvorsitzende der Universal Music Group und deutsche Vorsitzende des internationalen Tonträgerverbandes, Wolf D. Gramatke. Er meint, dass Berlin überhaupt noch keine wichtige Rolle im Konzert der Standorte für das Musikgeschäft spielt. Hamburgs weltoffene Atmosphäre hätte dagegen schon immer die wichtigen Musikmacher an die Elbe gezogen. Das soll besonders für die junge Generation von Autoren, Produzenten und Künstlern gelten, die von Hamburg aus die internationalen Bestsellerlisten erobern.

Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Deutschen Phono-Akademie und Präsident von Warner Music Nothern & Central Europe, weist darauf hin, dass 70 Prozent aller in Deutschland vermarkteten Tonträger aus Hamburg kommen. Hier ist die Vielfalt der Medienangebote ein ideales Feld für Musiktrends. Nach Einschätzung von Gebhardt ist die Hamburger Musikszene noch nie so kreativ gewesen wie in den vergangenen Jahren, weil auch internationale Einflüsse erfasst werden. Das wäre in Berlin in absehbarer Zeit so nicht möglich.

Den Vorstandsvorsitzenden von edel Music, Michael Haentjes, beeindrucken Hamburgs liberales Auftreten und die Vielfalt der multikulturellen Angebote. Nach Einschätzung des edel-Chefs braucht Berlin mindestens noch zehn Jahre, um mit anderen Musikstädten in Deutschland mithalten zu können. Weil Hamburg erwartungsgemäß weiterhin als Musikhauptstadt eine dominierende Rolle spielen wird, haben die Hamburger Peer Musikverlage jüngst europäische Aktivitäten an die Alster verlegt.

Nach Berechnungen der Hamburger Wirtschaftsbehörde ist seit 1996 die Zahl der Musikunternehmen um mehr als 25 Prozent auf 651 gestiegen. Darunter waren im vergangenen Jahr 272 Musikverlage, 146 Tonträgerhersteller, 145 Tonstudios, 62 Konzertveranstalter sowie Verleiher von Anlagen für Licht und Ton. Sie beschäftigen insgesamt 10.000 Mitarbeiter. Musikverleger Masch: »In Hamburg spürt man noch am schnellsten den Beat des Weltmusikmarktes«.