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TV-Kritik

"Start Up!": Maschmeyers schräge Gründer-Truppe - einer ließ sogar die Hosen runter

Carsten Maschmeyers neue Gründershow auf Sat.1 startete mit einer Kandidatenkür nahe der Schmerzgrenze. Und von diesen schrägen Vögeln bekommt einer eine Million Euro?

Kandidat Ned läst die Hosen runter, Carsten Maschmeyer amüsiert sich

Kandidat Ned läst die Hosen runter, Carsten Maschmeyer amüsiert sich

SAT.1

In der "Höhle der Löwen" hat sich das Konzept bewährt: Da treten schrullige Erfinder neben Strebern von der Uni auf, überzeugende Unternehmer neben Sonderlingen, die sich um Kopf und Kragen reden. Die interessanten Geschichten der Gründer sind ein Hauptgrund dafür, dass die Sendung beim Publikum so gut ankommt. Diese Idee versucht , selbst Löwen-Investor, auch in seine neue Sat.1-Show "Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer?" zu übertragen.

Der Unterschied: Während in der "Höhle der Löwen" fertige Produkte bereits real existierender Start-ups vorgestellt werden, setzt "Start Up!" davor an. Die meisten Kandidaten kommen allein mit einer Idee, einem Traum oder einem Hirngespinst - aber noch ohne Firma, ohne Unternehmer-Erfahrung und vielfach auch ohne Ahnung.

Dementsprechend schräg geht es in der ersten Folge zu, in der die Bewerber erstmal sich und ihre Idee vor versammelter Runde vorstellen. 35 Kandidaten haben die Produzenten der Sendung zu diesem Zweck vorausgewählt und in einen Hörsaal der Berliner geladen. Vor den Augen von Maschmeyer und seinen Co-Juroren präsentiert eine Unternehmensberaterin Strumpfhosen für die Oberarme. Eine Studentin bringt ein Kombigerät aus Kugelschreiber, Textmarker und Fidget Spinner mit. Ein Medizin-Doktorand träumt von Betten auf Kufen, die uns alle sanft in den Schlaf schaukeln. Und das sind noch die vielversprechenderen Ideen.

Dinge, die die Welt nicht braucht

Dazu kommen noch die Kandidaten, die direkt durchfallen: den Konstrukteur einer Mikrowellenkralle als (sperrige) Alternative zum Topflappen. Die Pferdenärrin, die digitale Anzeigetafeln für ihre Pferdeboxen bauen will. Oder die Seniorin, die einsame Herzen mit einem weithin sichtbaren Single-Symbol ausstatten will, das wie ein Button auf der Kleidung getragen wird. Auch an das Potenzial von Pet-Flaschen in Fußballform und feuersicheren Rettungskapseln, mit denen Babys und Haustiere aus brennenden Hochhäusern gerettet werden können, glaubt Maschmeyer nicht.

Zeitweise wirkt es fast so, als hätte man die gesammelten Outtakes aller "Höhle der Löwen"-Staffeln hintereinander geschnitten. Und man fragt sich, wie wohl die 2000 Bewerber drauf gewesen sein müssen, die die Produzenten schon vor der ersten Folge aussortiert haben.

Eine Psychologiestudentin ist gar so aufgeregt, dass sie Maschmeyer als "Herr Maisch..äh..Maschberger" anredet. Über den Versprecher geht der Investor großzügig hinweg, die veganen Käsekuchen namens Maschinator finden bei ihm aber keine Gnade. "Das sah aus wie Knetekit von Kindern. Ist ne Träumerin", lautet sein Fazit.

"100 Prozent ist nur der Tod"

Besser läuft es für Kandidat Emre, der neben seiner Idee, Plastikdeckel von Kaffeebechern durch Pappdeckel zu ersetzen, auch eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein mitbringt. "Die Chancen, dass ich weiterkomme, sind 99,999 Prozent. Weil 100 Prozent ist nur der und dass du auf Toilette musst", gibt der Bewerber zum Besten. Seine Rechenkünste trügen ihn nicht - er kommt weiter.

Für das größte Hallo sorgt Eventmanager Ned, der bei seiner Präsentation im wortwörtlichen Sinne die Hosen runterlässt. Weil ihm beim wilden Tanzen auf albanischen Hochzeiten stets das Hemd aus der Hose rutschte, hat der 25-Jährige einen Hemdhalter entwickelt, der sich an der Unterhose befestigen lässt. "Heino" (kurz für: Hemd in Hose) heißt die Männerstrapse, die Ned eine Runde weiterbringt, "weil er so mutig und begeistert ist", wie Maschmeyer erklärt.

Carsten Maschmeyers Spruch zum Rauswurf

Nachdem die überlange Vorstellungsrunde abgearbeitet ist, geht es für die übriggebliebenen Kandidaten in die ersten Challenges, wo endlich die erwarteten Zickereien aufkommen, die schon "Germany's next Topmodel" erfolgreich machten. Die Bewerber müssen ihre Produkt-Idee auf ein Plakat malen und damit Passanten in der Fußgängerzone überzeugen. Da eine Kandidatin sich nicht an die Regeln hält und trotz ausdrücklichem Verbot ihre BHs auf das Plakat tackert, zieht sie die missgünstigen Kommentare der Konkurrenz auf sich. Nach der folgenden Team-Challenge (Wer organisiert die bessere Stadtrundfahrt?) kommt es schließlich zum Showdown, in dem Maschmeyer die ersten Kandidaten mit dem Spruch "Mit Ihnen werde ich kein Unternehmen gründen" nach Hause schickt.

Unterhaltung vom Format der "Höhle der Löwen" sind diese ersten drei Stunden "Start Up!" noch nicht gewesen. Die große Frage, die den Zuschauer vielleicht dazu bewegt, nächste Woche wieder einzuschalten, lautet: Welcher dieser schrägen Vögel bekommt am Ende tatsächlich eine Million Euro? 

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