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Selbstinszenierung: Mein Hund, meine Frau, mein tolles Leben - Ferres und Maschmeyer geben Doppelinterview

Es ist eine Demonstration des Glücks: Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres haben der "Bild"-Zeitung ein Interview gegeben. Ihr "erstes gemeinsames", wie es heißt. Die beiden inszenieren sich als verliebtes Paar - bis es trieft. Eine Stilkritik.

Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer

Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer sind verliebt wie die Teenager.

dpa

"Veronica My No 1" ist auf dem Display zu erkennen. Carsten Maschmeyer streckt es stolz dem Fotografen der "Bild"-Zeitung entgegen. Er will seine Frau nicht anrufen, denn die 52-jährige Schauspielerin sitzt neben ihm. Maschmeyer hat das Handy aus einem anderen Grund gezückt. Er will den Reportern zeigen, unter welchem Namen er Ferres in seinen Kontakten abgespeichert hat. Nicht unter Vroni, Schatzi oder Liebling, sondern eben als "My No 1".

Diese Szene ist exemplarisch für das gesamte Interview, das Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres der "Bild"-Zeitung gegeben haben. Es ist eine Demonstration des Glücks. Der ehemalige AWD-Chef und die "Superweib"-Darstellerin inszenieren sich in ihrem "ersten gemeinsamen Interview" als Traumpaar, dem es dank der Liebe zueinander an nichts fehlt. Es erinnert an Interviews von verliebten Kronprinzenpaaren – wie in Schweden, Dänemark oder Großbritannien. Mit einem großen Unterschied: Während diese Pärchen die Leser meist zu Tränen rühren, reizen Maschmeyer und Ferres die Gefühlsduselei bis zur Schmerzgrenze aus.

Bei Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer wirkt alles übertrieben

Das liegt nicht so sehr daran, was Ferres und Maschmeyer zu erzählen haben. Die beiden sind seit 2009 ein Paar und hatten anfänglich die gleichen Probleme wie viele Patchworkfamilien: Die Kinder aus erster Ehe wollten den neuen Partner nicht akzeptieren. Ferres betont, dass sie getrennte Kassen haben ("Die Heirat mit Carsten war eine Liebesheirat und keine Versorgungsehe") und was für ein guter Mensch ihr Carsten ist. Und der oft kühl wirkende Finanz-Investor betont seine menschliche Seite ("Ich bin das Ergebnis eines One-Night-Stands. Eine Schande damals. Wir waren mittellos bis hin zur Armut.“).

Es sind die Zwischentöne, die dieses Interview schwer verdaulich machen. Maschmeyer und Ferres posieren mit ihrem Hundewelpen Luna wie verliebte Teenager. Dazu sind Sätze zu lesen wie: "Während des Fotoshootings zieht Carsten Maschmeyer seine Frau zu sich und küsst sie heimlich" oder "Als Carsten Maschmeyer davon erzählt, nimmt seine Frau ihn in den Arm und lässt seine Hand für sehr lange nicht mehr los." Alles wirkt übertrieben. Es trieft vor Glück und Harmonie.

Glücklich, dass es trieft

Ja, Maschmeyer und Ferres führen eine glückliche Beziehung. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln. Warum dann diese übertriebene Inszenierung? Sie löst beim Leser Unbehagen aus, denn statt das Paar nahbar zu machen, wird die Beziehung von Ferres und Maschmeyer glorifiziert. Zu verliebt, zu glücklich, zu schön. Es erinnert an eine Szene im Loriot-Film "Pappa ante Portas": Heinrich und Renate, die in einer Ehekrise stecken, fahren mit Verwandten im Zug. Die verhasste Schwester lässt zusammen mit ihrem Mann nichts unversucht, ihr Glück zu demonstrieren ("In unserer 17-jährigen Ehe waren wir nicht einen Tag getrennt", "Nur wenn dir nicht wohl ist, ist mir auch nicht wohl"). Schließlich entfährt es Renate: "Du und dein Mann, diese Milchsemmel, ihr seid so nett, dass es mich im Halse würgt."

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