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Chronik: Springers Übernahmepoker von ProSiebenSat.1

Der Axel Springer Verlag hat nach monatelangem Ringen auf den Kauf der Fernsehsendergruppe ProSiebenSat.1 verzichtet. Im folgenden eine Chronologie des milliardenschweren Übernahmepokers:

Januar 2005

Erste Spekulationen über Übernahmepläne des Axel-Springer-Verlags für die Sendergruppe ProSiebenSat.1.

5. August

Springer einigt sich mit Hauptaktionär Haim Saban und sichert sich dessen Anteile für 2,5 Milliarden Euro. Der Springer-Anteil an ProSiebenSat.1 erhöht sich auf 62,5 Prozent von 12,0 Prozent. Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt kartell- und medienrechtlicher Genehmigungen.

16. August

Öffentliches Übernahmeangebot von Springer an die übrigen ProSiebenSat.1-Aktionäre von 14,11 Euro je Aktie. Insgesamt würde die Übernahme vier Milliarden Euro kosten.

21. November

Das Bundeskartellamt hält die Fusion wegen der daraus entstehenden Medienkonzentration ohne Zugeständnisse für nicht genehmigungsfähig. Springer dominiere bereits mit der "Bild"-Zeitung und anderen Blättern den Zeitungsmarkt. Zudem ergäben sich problematische medienübergreifende Vermarktungsmöglichkeiten.

29. November

Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) sieht die Medienvielfalt durch die Übernahme in Gefahr und signalisiert Bedenken. Auch Mediengewerkschaften warnen vor eine Machtkonzentration bei Springer.

15. Dezember

Springer bietet unabhängigen Beirat für die TV-Sender Sat.1 und ProSieben an. Allerdings verlangt die KEK, dass dieser die komplette Programmverantwortung haben soll. Dies geht Springer zu weit.

10. Januar 2006

Die KEK untersagt die Übernahme von ProSiebenSat.1. Die Landesmedienanstalten könnten diese Entscheidung wieder aufheben.

11. Januar

Springer bietet dem Kartellamt den Verkauf des Senders ProSieben an. Die Behörde verlangt, dass der Sender vor einer Übernahme der gesamten Gruppe herausgelöst werden muss.

16. Januar

Springer sieht keine Möglichkeit für einen vorzeitigen Verkauf von ProSieben und riskiert das Veto des Kartellamtes.

18. Januar

Saban räumt Springer Medienberichten zufolge sechs Wochen mehr Zeit für Abwicklung der Übernahme bis Anfang März ein und stundet Forderungen nach Verzugszinsen.

23. Januar

Das Kartellamt untersagt erwartungsgemäß die Übernahme. Als Ausweg bleiben Springer eine Klage und der Antrag auf eine Ministererlaubnis. Diese wird von Unionspolitikern unterstützt, ist in der SPD aber umstritten. Der zuständige Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hält sich bedeckt.

1.Februar

Springer zieht den Übernahmeplan zurück.

Reuters / Reuters