Clemens Börsig "Herr der Zahlen" und möglicher Königsmacher


Clemens Börsig steht für unspektakuläre Kontinuität. Der künftige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank ist ein sachlicher und kenntnisreicher "Herr der Zahlen" - ganz anders, als sein Vorgänger.

Während sich der schillernder Rolf-E. Breuer in seiner Amtszeit als Vorstandschef der Deutschen Bank einen Ruf als Kommunikator erwarb, waren Clemens Börsigs Auftritte deutlich unspektakulärer . Als langjähriger Finanzvorstand hat sich der 57-jährige Börsig in der größten deutschen Bank in den vergangenen Jahren Ansehen erworben. In der Öffentlichkeit ist Börsig jedoch kaum bekannt. Das entspricht seinem Naturell, aber auch seiner Arbeit als nüchterner Zahlenkontrolleur. Da der promovierte Betriebswirt und Mathematiker bisher stets im Hintergrund agiert hat, blieb er blass.

Nummer zwei im Führungsgremium

Aufgefallen war Börsig unlängst, weil er im vergangenen Jahr mehr verdient hat als seine Vorstandskollegen. Wie bei Bankchef Josef Ackermann stieg sein Gehalt um 18 Prozent - statt wie üblich zehn Prozent - auf 5,65 Millionen Euro. Damit war Börsig die Nummer zwei im Führungsgremium und gehörte zu den Bestverdienern unter den Finanzvorständen in Deutschland. Künftig wird der Betriebswirt erheblich weniger verdienen, dafür aber seinem bisherigen Vorgesetzten Ackermann auf die Finger schauen dürfen.

Im Rampenlicht könnte Börsig stehen, wenn vorzeitig ein Nachfolger für Ackermann gefunden werden muss. Der Bankchef hat angekündigt, im Fall seiner Verurteilung in der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses um Bonuszahlen an Manager von seinem Amt zurückzutreten.

Potentieller Königsmacher

Dann könnte Börsig zum bedeutenden Königsmacher werden und von seinem Vorgänger Breuer die "Denkkappe" übernehmen: Breuer selbst hatte im vergangenen Jahr in einem Zeitungsinterview gesagt, er grübele vorsichtshalber schon über einen Nachfolger von Ackermann und habe seine "Denkkappe" aufgesetzt. Favorisiert werde ein interner Kandidat, so Breuer. Für diese Rolle scheidet Börsig nun aus - er war zumindest als Übergangskandidat gehandelt worden.

Kollegen loben Börsigs Sachlichkeit und Detailkenntnis. Er gilt als korrekt bis penibel. An der Spitze des Aufsichtsrates werden ihm seine Erfahrungen als langjähriger Finanzchef helfen. Denn der Familienvater kennt den Konzern wie kaum ein anderer, vor allem auch die vielen kniffligen rechtlichen und steuerlichen Fragen der global tätigen Bank.

Oberster Kontrolleur des Vorstands

Der neue Posten als oberster Kontrolleur des Vorstands bedeutet für Börsig die Krönung seiner Laufbahn. In einer Bilderbuchkarriere hat der im badischen Achern geborene Börsig die erste Riege deutscher Unternehmen kennen gelernt. Nach dem Studium in Mannheim und der Promotion arbeitete Börsig ab 1977 zunächst beim Mannesmann-Konzern, später als Geschäftsführer beim Automobilzulieferer Bosch und ab 1997 beim Energiekonzern RWE, wo er die Verantwortung für die Finanzen übernahm. Zwei Jahre später wechselte er zur Deutschen Bank, die ihn 2001 zum Finanzvorstand und dann zum Mitglied im engen Führungszirkel der Bank machte, dem Group Executive Committee. Börsig ist Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Marion Trimborn/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker