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Branche im Wandel: Regionales Bier oder Craft Beer? Wie Brauereien dem Abwärtstrend trotzen

Die Deutschen trinken seit Jahren immer weniger Bier. Selbst der heiße Sommer 2018 brachte nur eine kurze Atempause für die Bier-Branche. Eine Brauerei aus Mecklenburg-Vorpommern trotzt dem Trend. 

In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken

In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken

Getty Images

Der heiße Sommer 2018 bescherte den Brauern in Deutschland viele durstige Kehlen - und somit auch ein Umsatzplus. Um 2,2 Prozent legte der Markt im vergangenen Jahr zu. Das ist deshalb so beachtlich, weil in Deutschland seit Jahren immer weniger Bier getrunken wird. Doch Bastian Pochstein, Chef der Brauerei Lübz aus Mecklenburg-Vorpommern, feiert das Plus nicht. "Bei ehrlicher Betrachtung ist das Ergebnis für 2018 aber trotzdem enttäuschend. Angesichts des langen Sommers hätte das Plus noch viel höher ausfallen müssen. Schließlich ist das Wetter eines der wichtigsten Verkaufsargumente für uns Brauer", sagte er der "Welt" in einem Interview. 

Tatsächlich bewegt sich die Biernation Deutschland in einem Abwärtstrend. Tranken die Menschen hierzulande vor 30 Jahren noch rund 140 Liter pro Jahr, sind es inzwischen nur noch 100 Liter. "Der Rückgang beim Bierkonsum ist längst nicht am Ende. Ich rechne für die kommenden fünf bis zehn Jahre mit einem weiter sinkenden Verbrauch in Deutschland", so Pochstein. Als Gründe führt er zwei Entwicklungen an: "Je älter die Konsumenten werden, desto weniger Bier trinken sie. Zum anderen haben sich die Trinkgewohnheiten dramatisch verändert." Heute würden die Leute weniger Alkohol trinken, der Trend, sich gesund zu ernähren mache auch nicht vor dem Feierabendbier halt. Außerdem trinken gerade jüngere Menschen deutlich weniger Alkohol. Und es gebe längst viele Alternativen im Getränkeregal. Bierbrauer konkurrieren also nicht mehr nur untereinander, sondern müssten sich einem noch größeren Wettbewerb stellen. 

Craft Beer ist kein Heilmittel

Ein Hoffnungsträger der Branche waren die Craft Biere, die natürlich nicht in großen Mengen, aber dafür mit satten Margen verkauft werden. Doch die Nachfrage für dieses handwerklich hergestellte Bier ist gering, meint auch Pochstein. "Klar gab es einen großen Hype um dieses Thema. Und das hat der Branche auch geholfen und Bier wieder mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung gebracht. Wenn man sich den Markt aber genauer anschaut, ist und bleibt Craft Beer ein Nischenprodukt – und zwar in einer sehr, sehr kleinen Nische", sagt er der "Welt". "Der Verbraucher in Deutschland will keine stark gehopften oder im Whiskeyfass gereiften oder mit Hibiskusblüten und Basilikum versetzten Biere, bei denen sich der Gaumen zusammenzieht."

Pochstein sieht einen anderen Trend, von dem das Lübzer Pils profitiert: regionales Bier. "Wir sehen im Markt viele Positiv-Beispiele, die meisten davon sind regionale Marken und Unternehmen. Denn die Konsumenten fragen seit einiger Zeit verstärkt nach Bier aus ihrer Umgebung", so der Brauerei-Chef. Der Umsatz von Lübz gibt ihm recht. Mit einem Umsatzplus von vier Prozent ist sein Unternehmen fast doppelt so stark gewachsen wie der Markt insgesamt. In Mecklenburg-Vorpommern liege der Marktanteil von Lübzer bei 40 Prozent. 

Das Jahr 2019 zumindest startete für die Brauer recht erfreulich mit einem Plus von 2,4 Prozent innerhalb der ersten drei Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hintergrund für den Anstieg ist aber weder das Wetter noch ein regionaler Trend, sondern der Export-Boom. Während die Ausfuhren in EU-Länder um fast sieben Prozent nachließen, legten die Ausfuhren in Staaten außerhalb der EU um gut 20 Prozent zu. Hier sorgten die USA und China für große Sprünge.

Truck mit Bier
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