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Mein Recht im Job: Alkohol auf der Arbeit: Ist ein Bier zum Mittagessen ein Problem?

Ein Gläschen mit Kollegen kann das Betriebsklima heben. Doch Vorsicht: Alkoholkonsum im Job ist ein heikles Thema. Was ist noch okay, was ist zuviel? Und vor allem: Was sagt das Arbeitsrecht?

Bier mit Kollegen

Ein Bier mit Kollegen? Besser erst nach der Arbeit.

Getty Images

Dass auf der Arbeit mal angestoßen wird, ist in vielen Unternehmen keine Seltenheit. Gemeinsam einen zu trinken kann das Betriebsklima heben und den Zusammenhalt fördern. Der ein oder andere genehmigt sich im Sommer gar schon zum Mittagessen ein Bierchen. Aber darf man das? Und was drohen für Konsequenzen?

Grundsätzlich steht das Arbeitsrecht einem Glas Bier zum Mittagessen nicht entgegen. Ein generelles gesetzliches Alkoholverbot gibt es nicht. Allerdings: Viele Unternehmen bauen hier vor und schreiben Verbote in Betriebsvereinbarungen, Arbeitsverträgen oder sonstigen betrieblichen Anweisungen fest. Das wird vor allem dann der Fall sein, wenn der Mitarbeiter aufgrund seiner Tätigkeit zur Gefahr für sich oder andere werden kann. Dass beispielsweise Berufsfahrer oder Piloten nüchtern sein sollten, versteht sich von selbst.

Kein Freifahrtschein zum Saufen

Aber auch dort, wo es kein generelles Alkoholverbot gibt, bedeutet das für Angestellte natürlich keinen Freifahrtschein zum Saufen im Dienst. "Mitarbeiter dürfen sich weder vor noch während der Arbeit in einen Zustand versetzen, in dem sie ihre Aufgaben nicht mehr korrekt erfüllen können", schreibt Arbeitsrechtler Ulf Weigelt in seinem Buch "Was Chefs nicht dürfen". Andernfalls verletzten sie ihre Arbeitspflichten, was eine Abmahnung oder gar eine fristlose Kündigung zur Folge haben könne. Welche Konsequenz im Einzelfall droht, hängt von der Schwere der Verfehlung ab.

Mitentscheidend ist zudem, von wem die Initiative ausgeht: Wird während der Arbeitszeit Alkohol vom Arbeitgeber selbst ausgeschenkt - etwa weil ein Jubiläum gefeiert wird oder gemeinsam Fußball-WM geschaut wird -, haftet der Arbeitgeber für Unfälle, die sich aus dem erhöhten Promillepegel ergeben.

Strengere Regeln fürs Top-Management

Was nach Feierabend im privaten Rahmen passiert, geht den Chef dagegen gar nichts an. Dort können Kollegen soviel miteinander trinken wie sie wollen - wenn sie denn am nächsten Morgen wieder einsatzbereit sind. Strengere Regeln gelten für Führungskräfte, die ihr Unternehmen auch dann repräsentieren, wenn sie eigentlich privat unterwegs sind. 

So verursachte 2015 ausgerechnet der Deutschland-Chef der Brauerei AB-Inbev unter Alkoholeinfluss einen Autounfall - und wurde entlassen. Noch prominenter ist der Fall von Margot Käßmann: Die damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland trat nach ihrer Alkoholfahrt im Jahr 2010 von sich aus zurück, obwohl der Rat sie im Amt halten wollte.

Sonderfall: alkoholkranke Angestellte

Ein Sonderfall im Arbeitsrecht sind alkoholabhängige Mitarbeiter. Sie können in der Regel nicht verhaltensbedingt gekündigt werden, weil Alkoholismus nicht als Verhalten, sondern als Krankheit gilt. Dafür können sie eine personenbedingte Kündigung erhalten, wenn die betrieblichen Interessen beeinträchtigt sind und eine negative Zukunftsprognose vorliegt. Letzteres wird in der Regel angenommen, wenn der Betroffene eine Entziehungskur verweigert oder nach einem absolvierten Entzug rückfällig wird. 

Bei besonders schweren Verfehlungen können auch alkoholkranke Mitarbeiter eine verhaltensbedingte Kündigung erhalten: So bestätigte das Arbeitsgericht Berlin die fristlose Kündigung eines alkoholkranken Berufskraftfahrers, der alkoholisiert einen Unfall verursacht hatte, bei dem Personen zu Schaden kamen (Az: 24 Ca 8017/13). 

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Nicht den Chef beleidigen! Wer auf der Weihnachtsfeier gegenüber Vorgesetzten ausfällig wird, kann fristlos gekündigt werden. Das entschied das LAG Hamm im Falle eines Schweißers, der seinen Chef als "Arschloch", "Wichser" und "arme Sau" bezeichnet hatte (Az. 18 Sa 836/04).

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