Davos 2003 Das Ziel des Weltwirtschaftsforums


«Vertrauen schaffen» lautet das Motto des diesjährigen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. In schweren Zeiten vielleicht das Beste, was zu tun ist, meint WEF-Gründer Schwab.

Nach Ansicht von WEF-Gründer Klaus Schwab konnte in schwieriger Zeit kein besseres Motto für die Begegnung von rund 2000 hochrangigen Politikern und Wirtschaftsführern aus aller Welt gefunden werden. Beide Personengruppen haben dieses Vertrauen nötig: Die Bevölkerung misstraut ihnen nämlich umso mehr, je größer die politische und wirtschaftliche Krise wird. Dieses Ergebnis ein wenig zu korrigieren, ist eines der Ziele des Treffens vom 23. bis zum 28. Januar.

Von Vertrauen

kann derzeit auf kaum einer Seite die Rede sein. Für das Treffen in dem Schweizer Wintersportort werden fast 14 Millionen Franken (9,6 Millionen Euro), 50 mal mehr als noch 1998, für die Sicherheit der Teilnehmer mit Präsidenten, Ministern und Vorstandschefs ausgegeben. Hunderte von Polizisten aus allen Schweizer Kantonen stehen in Davos im Einsatz. Dazu kommen 1.500 Armeeangehörige, und das gesamte Sicherheitspersonal übersteigt die Zahl der Teilnehmer deutlich. Zudem wurde der Luftraum über Davos gesperrt, und Verteidigungsminister Samuel Schmid wird entscheiden, ob ein Eindringling abgeschossen werden darf.

Zwar wurde

in diesem Jahr, erstmals in Davos selbst, für den 25. Januar eine Demonstration bewilligt. Doch die geplanten Durchsuchungen der Teilnehmer werden schon jetzt als entwürdigend bezeichnet. Außerdem wird mit «Nach-Demonstrationen» in allen großen Schweizer Städten gerechnet - es herrscht volle Einsatzbereitschaft der Polizei. Die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg werden 50 Polizeibeamte und fünf Wasserwerfer als Reserve zur Verfügung stellen. Gegen mehr als 100 angeblich gewaltbereite Ausländer wurden Einreisesperren verhängt.

Vertrauen schaffen sollen vor allem die Gespräche auf dem Forum. Es dient dem ungezwungenen Gedankenaustausch, fern ab der Zwänge bedeutender Konferenzen. Doch unter den 29 Staats- und Regierungschefs fehlen wichtige Vertreter aus Krisenregionen wie dem Nahen Osten. Spektakuläre Begegnungen wie in der Vergangenheit, die etwas bewegt haben, dürfte es nicht geben. Stolz nennen die WEF-Verantwortlichen etwa das Treffen von DDR-Ministerpräsident Hans Modrow mit Bundeskanzler Helmut Kohl 1989 oder zwischen dem israelischen Außenminister Shimon Peres und PLO-Chef Yassir Arafat 1994.

Um Vertrauen

ringen vor allem auch Konzernchefs, deren Zunft nach Bilanzskandalen oder Selbstbedienung aus der Firmenkasse ins Gerede gekommen ist. Eine Umfrage des WEF unter 15.000 Bürgern in 15 Ländern ergab klare Werte: Rund 40 Prozent der Befragten ließen deutliches Misstrauen in ihre Wirtschaftsführer erkennen. «Das Ausmaß des Mangels an Vertrauen der Öffentlichkeit ist Besorgnis erregend und eine Herausforderung», sagt WEF-Direktor Jose Maria Figueres.

Schwab vertraut

auf sein Forum, das selbst zu einer Institution geworden ist. Rund 1.000 Unternehmen zahlen ihm jährlich dafür etwa 30.000 Franken, um sich WEF-Mitglied nennen zu können. In seinem futuristischen Domizil hoch über dem Genfer See beschäftigt Schwab mittlerweile über 100 Mitarbeiter, die sein weltweites Netz für Informationen und Kontakte aufrecht halten. Er will daran noch einige Jahre arbeiten, aber vielleicht schon in zwei Jahren die Schweiz verlassen. Dann könnte das 1971 gegründete Forum wieder in einem anderen Land auf einem anderen Kontinent stattfinden - wie 2002 in New York.


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