HOME

Deutsche Bahn AG: Felcht wird neuer Aufsichtsratschef

Der frühere Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn AG werden. Der Vertrag des derzeitigen Chefaufsehers Werner Müller wurde nicht verlängert. Der Segen des Bundeskabinetts fehlt noch.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Chemiefirma Degussa, Utz-Hellmuth Felcht, wird neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG. Das erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Sonntagmorgen kurz vor Antritt einer Israel-Reise. Am kommenden Mittwoch soll das Bundeskabinett die Entscheidung absegnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ramsauer hatten sich zuvor auf Felcht als Nachfolger des scheidenden Chefkontrolleurs Werner Müller verständigt. Einer Meldung der "Rheinischen Post" zufolge hatte Ramsauer zuvor ein persönliches Gespräch mit dem 63-jährigen Chemieprofessor Felcht geführt, der zurzeit Managing Director bei dem Finanzinvestor One Equity Partners ist.

Im Gespräch war bis zuletzt auch noch Heinrich Weiss, der Chef des Anlagenbauers SMS. Der ehemalige Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller hatte zuvor erklärt, er wolle den Posten nicht annehmen. Amtsinhaber Werner Müller, der unter Kanzler Gerhard Schröder Wirtschaftsminister war, scheidet Ende des Monats aus. Er wird, abgesehen von seinen politischen Präferenzen, nach Ansicht von Regierungskreisen zu sehr mit der Amtszeit von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn in Verbindung gebracht.

Trotz Krise mehr Überschuss als erwartet

Felcht übernimmt einen Konzern, dessen Ergebnis 2009 trotz Wirtschaftskrise überraschend positiv ausgefallen ist. Es beträgt etwa 1,8 Milliarden Euro, wie das Nachrichtenmagazin "Focus" meldete. Zum Jahreswechsel war die Unternehmensspitze nach Informationen der Nachrichtenagentur DAPD noch von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen, ursprünglich eingeplant war nur etwa eine Milliarde.

Im ersten Halbjahr 2009 hatte die DB AG 679 Millionen Euro Gewinn gemacht, bei einem Umsatzrückgang von 14 Prozent. Im ganzen Jahr 2008 waren es 2,5 Milliarden. Die DB-Führung sieht in den überraschend guten Geschäftszahlen "weltweit das beste Ergebnis aller Bahnen in der Wirtschaftskrise", wie das Magazin berichtete. Allein das Sparprogramm "reACT 09" habe die Zahlen um 600 Millionen Euro verbessert. Die Netzsparte der Bahn, zu weiten Teilen steuerfinanziert, soll nach einer Meldung der "Frankfurter Rundschau" rund 750 Millionen Euro Gewinn abführen, was bereits zu heftigem Protest der Grünen im Bundestag geführt hat. Die DB AG will ihre Bilanz am 25. März in Frankfurt präsentieren. Tags zuvor soll der Aufsichtsrat das Ergebnis absegnen und sich neu personell aufstellen.

APN/Reuters / Reuters