Deutsche Bank Showdown für Ackermann


Keine schöne Zeiten für Josef Ackermann. Der Deutsche-Bank-Chef ist nach seiner Scham-Rede bei der Bundesregierung unten durch. Am Donnerstag könnte es noch schlimmer kommen. Dann legt die Bank Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem dicken Minus.
Von Tobias Bayer, Frankfurt

Josef Ackermann steht als Buhmann dar. "Ich würde mich schämen, wenn ich Geld vom Staat annehmen müsste", soll der Chef der Deutschen Bank auf einer Führungskräftesitzung gesagt haben. Die Bundesregierung reagierte pikiert, hatte doch Ackermann das 500 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für die deutschen Banken mitausgehandelt: Merkel halte diese Bemerkung für "außerordentlich bedenklich", sagte ein Regierungssprecher. Für das gesamte Kabinett sei sie "absolut unverständlich und inakzeptabel". Ackermann zeige "immer noch mangelnde Einsicht und Verständnis für das, was sich ereignet hat".

Auf den verbalen Tiefschlag könnte nun der finanzielle Folgen. Am Donnerstag gibt die Deutsche Bank Einblicke in die Zahlen des dritten Quartals. Die Analysten jedenfalls sind skeptisch: Durchschnittlich rechnen sie mit einem Verlust von 154 Millionen Euro. Es wäre der größte Fehlbetrag seit dem ersten Quartal 2003. Die Höhe der Abschreibungen beziffern die Experten im Schnitt auf 2 Milliarden Euro. Die Investmentbanking-Sparte unter der Leitung von Anshu Jain und Michael Cohrs droht so nach Ansicht der Analysten der dritte Quartalsverlust in Folge.

Die Konkurrenz zieht bei Kapitalaufnahmen davon

Bislang schlugen sich die Frankfurter vergleichsweise solide. Allerdings ging die Krise nicht ganz spurlos an ihnen vorüber. Im ersten Quartal verbuchte die Bank einen Verlust. Im zweiten Quartal kam sie zwar auf einen Vorsteuergewinn von 642 Millionen Euro, musste allerdings mit 2,3 Milliarden Euro deutlich mehr abschreiben als erwartet.

Die Deutsche Bank steht unter genauer Beobachtung des Kapitalmarkts. Während Konkurrenten wie Royal Bank of Scotland oder die UBS mit staatlicher Hilfe ihre Bilanz stärkten, verzichteten die Frankfurter bisher auf eine größere Kapitalaufnahme. Stattdessen beschränkten sie sich auf eine Kapitalerhöhung am 22. September im Umfang von 2,2 Milliarden Euro - um einen Anteil von 29,75 Prozent an der Postbank zu erwerben.

Abschreibungen auf Übernahmekredite

Im dritten Quartal achten Experten vor allem auf den Bestand an Krediten für schuldenfinanzierte Übernahmen (Leveraged Loans), Immobiliendarlehen und das Risiko, das von der Schieflage amerikanischer Spezialversicherer (Monoliner) ausgeht. Besonders bei den Übernahmekrediten wird mit Wertberichtigungen gerechnet. Zuletzt hielt die Deutsche Bank 26,8 Milliarden Euro in ihren Büchern. Bewertet wurden die Darlehen mit 91 Cent auf den Dollar, das bedeutet mit einem Abschlag von neun Prozent.

Zum Vergleich: Der maßgebliche Index LCDX notiert derzeit bei 79 Cent, andere Häuser wie JP Morgan oder Credit Suisse bewerten ihre Portfolios mit 71 bis 75 Cent. "Wir gehen davon aus, dass die Deutsche Bank momentan mit 82 Cent bis 88 Cent rechnet", schreiben die Analysten von Merrill Lynch. Sie rechnen mit Abschreibungen von knapp über 1 Milliarden Euro allein auf Leveraged Loans. Insgesamt kommen sie auf einen Wertberichtigungsbedarf von 2,1 Milliarden Euro. Zwar erachten Experten die aktuelle Kernkapitalquote von rund zehn Prozent als ausreichend. Kritisch gesehen wird dagegen aber der überdurchschnittliche Verschuldungsgrad. Merrill Lynch kam in einem Researchbericht zum Ergebnis, dass die Deutsche Bank unter einem Stressszenario einen Kapitalbedarf von 8,9 Milliarden Euro hat. Momentan übersteigen die Vermögenswerte das Eigenkapital um den Faktor 40. Ackermann und der neue Finanzchef Stefan Krause gaben nun das Ziel aus, den Wert auf 30 zu drücken.

Morgan Stanley hält zwei Optionen für wahrscheinlich

Fraglich ist, wie den Frankfurtern die Bilanzkürzung gelingt. Die Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass im dritten Quartal die Bilanz sogar noch gestreckt wurde. Dafür verantwortlich sind Währungseffekte: Da ein großer Teil der Vermögenswerte dollar-denominiert ist, dürfte die starke Aufwertung des Greenback gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten zu einem Anschwellen geführt haben. Merrill Lynch rechnet damit, dass die Vermögenswerte von 1990 Milliarden Dollar auf 2130 Milliarden Dollar zulegten.

Die Experten von Morgan Stanley halten zwei Optionen für wahrscheinlich. Einmal könnte das Geldhaus die Dividende für 2008 kürzen und im nächsten Jahr Vermögenswerte von 300 Milliarden Euro abstoßen. Zum zweiten könnten die Frankfurter die Dividende für 2009 zusammenstreichen und 9,75 bis 10,5 Milliarden Euro frisches Kapital aufnehmen. "Das würde aber die Anteile der Aktionäre erheblich verwässern", schreibt Morgan-Stanley-Analyst Huw van Steenis. Er beziffert den negativen Effekt auf 35 bis 38 Prozent.

FTD

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