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DEUTSCHE TELEKOM: »Telekom an der Börse abgestraft«

Telekomchef Ron Sommer hat Fehleinschätzungen eingestanden, zugleich aber seine Geschäftspolitik als zukunftsorientiert verteidigt. Aktionärsvertreter übten harte Kritik.

Bei der Hauptversammlung sagte Telekomchef Ron Sommer am Dienstag vor fast 9.000 Aktionären in Köln, die Telekom stehe besser da als die Konkurrenz, werde aber »ungerechtfertigterweise mit der Branche gemeinsam abgestraft«. Er räumte ein, dass auch das Telekom-Management »nicht immer alles richtig gesehen« habe. »So haben wir uns etwa in der Einschätzung des Preisverfalls durch eine extreme Regulierung geirrt, der in dieser Dynamik einfach nicht vorhersehbar gewesen ist«, sagte der Telekom-Chef. Allerdings würden in der aktuellen Diskussion um die Situation des Unternehmens »die objektiven Fakten ignoriert oder schlicht einfach übersehen«.

Bleibt Wachstumsbranche

Telekommunikation sei weiterhin eine Wachstumsbranche, betonte Sommer in seiner rund 90-minütigen Rede. In Deutschland ist dieser Markt im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent gewachsen, während die übrige Wirtschaft nahezu stagnierte. auch hätte sich die Telekom im Wettbewerbsumfeld gut behauptet. Für das laufende Jahr erwartet sie eine Umsatzsteigerung um die zehn Prozent. »Nicht die Branche ist in die Krise geraten, wohl aber einige Marktteilnehmer«, erklärte der Vorstandschef.

Ziel: Weniger Schulden

Sommer betonte die Entschlossenheit, den Schuldenberg der Telekom von derzeit rund 67 Milliarden Euro bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro zu senken. Dazu sollen unter anderem in den nächsten zwei Jahren Immobilien im Wert von jeweils etwa drei Milliarden Euro verkauft werden, ebenso die Beteiligung an France Telecom. Außerdem will das Unternehmen weitere Stellen streichen. Sommer bestritt aber, dass der Personalabbau beschleunigt wird. Bis Ende 2004 besteht ein Überhang von 22.000 Stellen in erster Linie in der Festnetzsparte, die sozialverträglich abgebaut werden sollen. Die Schulden und Abschreibungen, die jetzt das Geschäftsergebnis ins Minus drückten, sind Folge von Investitionen, die zu künftigem Wachstum führen würden, gab Sommer zu bedenken. Die Telekom bricht nicht unter ihrer Schuldenlast zusammen, sondern ist »sehr solide durchfinanziert«. Eigenkapital und Verbindlichkeiten stehen fast im Verhältnis 1:1. Ohne die Investitionen in neue Technik und in den Zukauf von Unternehmen wie VoiceStream in den USA wäre die Telekom in den vergangenen Jahren nicht gewachsen, sondern geschrumpft. Die Telekom hätte dabei bewusst in Kauf genommen, in der Bilanz Verluste ausweisen zu müssen, um Milliardensummen in den Ausbau der Marktposition investieren zu können. Die Telekom plant weiterhin den Verkauf der restlichen Kabelfernsehnetze und den Börsengang von T-Mobile. Das wird aber erst passieren, wenn sich die Rahmenbedingungen dafür verbessert hätten.

Entwicklung der T-Aktie »in höchstem Maße unerfreulich«

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer, hat den Absturz des Aktienkurses des Unternehmens bedauert. »Die Entwicklung der T-Aktie ist in höchstem Maße unerfreulich«, sagte Sommer am Dienstag auf der Hauptversammlung in Köln. Die Kursentwicklung würde jedoch »in krassem Gegensatz zur operativen Entwicklung des Konzerns« stehen. Management und Mitarbeiter hätten »alles getan«, um den Aktionären »eine Wachstumsstory« zu präsentieren.

Kursverfall auch »psychologische Mechanismen«

Die Kursentwicklung ist jedoch kein Problem, dass die Telekom allein trifft. »Die Branche hat Fehler gemacht, und auch wir haben nicht immer alles richtig gesehen«, sagte Sommer. »So haben wir uns etwa in der Einschätzung des Preisverfalls durch eine extreme Regulierung geirrt, der in dieser Dynamik einfach nicht vorhersehbar gewesen ist«, räumte der Konzernchef ein. Die Kursentwicklung in den vergangenen Wochen war nicht mehr nachvollziehbar und ist nur mit psychologischen Mechanismen zu erklären. Die T-Aktie war in den vergangenen Wochen weit unter ihren Ausgabepreis beim Börsengang 1996 (14,57 Euro) gefallen. Scharfe Kritik übten Vertreter von Kleinaktionären: Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erklärte, die Telekom-Aktie hätte sich »als hochriskantes Zocker-Papier entpuppt«. Schuld sei Sommer, der keine klare Strategie erkennen lasse, aber Allüren eines Sonnenkönigs entwickle. Benner-Heinacher kritisierte, dass die Telekom zwei Träume verfolgt: UMTS und VoiceStream - aber ohne dass bei einem Engagement erkennbar ist, dass damit in absehbarer Zeit gutes Geld verdient werden kann.

Scharfe Kritik von Kleinaktionären

Scharfe Kritik übte sie zudem an der vom Aufsichtsrat bestrittenen Anhebung der Vorstandsbezüge um 90 Prozent auf 17,4 Millionen Euro. Dies sei eine Ohrfeige für alle Aktionäre, sagte sie unter dem Beifall von rund 9.000 Zuhörern in der Köln-Arena. Sie kritisierte ferner im vergangenen Jahr genehmigte Aktienoptionspläne für die Vorstandsmitglieder. »Wer in Zeiten der Cholera noch Kaviar bestellt, darf nicht auf das Verständnis der T-Aktionäre hoffen«, sagte sie. Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre bezeichnete die T-Aktie als »Investment für Masochisten«, nicht nur wegen der Kursentwicklung, sondern auch wegen der »quälenden Statements des Vorstands«, durch die sich die Anleger verhöhnt sähen.

Aufsichtsrat rechtfertigt Vorstandsbezüge

Der Aufsichtsrat der Telekom hat die Vergütung des Vorstands als leistungs- und erfolgsorientiert gerechtfertigt. Es habe keine 90-prozentige Anhebung der Gehälter für das Management gegeben, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Hans-Dietrich Winkhaus, zum Auftakt des Aktionärstreffens am Dienstag in Köln. Die Steigerung sei vor allem auf Abfindungszahlungen an ehemalige Vorstände zurückzuführen. »Der Vorstand hat gute Arbeit geleistet«, sagte Winkhaus unter Pfiffen und Gelächter von mehreren tausend T-Aktionären. Die Vergütung der Gehälter würde internationalen Gepflogenheiten entsprechen und sich in einem angemessenen Rahmen bewegen.