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Deutsche Wirtschaft: Industrieproduktion zieht wieder an

In Deutschland mehren sich die Anzeichen für eine Erholung der Wirtschaft: Die Industrie verzeichnet nicht nur ein starken Anstieg bei den Aufträgen, sondern fährt auch die Produktion wieder hoch. Vor allem ein Indikator macht den Experten dabei Mut für die Zukunft.

Der monatelange Abschwung der Wirtschaft scheint sich umzukehren. Die Industrieproduktion in Deutschland stieg im Mai gegenüber dem Vormonat kräftig um 5,1 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin am Mittwoch berichtete. Dies ist der stärkste Zuwachs im Monatsvergleich seit 1991. Allerdings liegt das aktuelle Produktionsniveau wegen des vorherigen Absturzes um über 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Erzeugung des gesamten Produzierenden Gewerbes stieg im Mai den vorläufigen Angaben zufolge um 3,7 Prozent - dies ist das kräftigste Plus im Monatsvergleich seit 1993. Im Vormonat war sie noch um 2,6 Prozent geschrumpft. "Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe dürfte die Talsohle durchschritten haben", bilanzierte das Ministerium. Die stärksten Impulse kämen dabei aus der Herstellung von Autos und Autoteilen. Aber auch in anderen Industrien habe sich die Abwärtsdynamik abgeschwächt oder es seien schon Zuwächse zu verzeichnen.

Tags zuvor hatte das Ministerium gemeldet, dass auch die Auftragseingänge in der Industrie sich im Mai gegenüber dem Vormonat überraschend stark um 4,4 Prozent erhöht haben. Es war der höchste Anstieg im Monatsvergleich seit fast zwei Jahren.

Die Analysten der Dresdner Kleinwort/Commerzbank erklärten zu den Zahlen, das Plus sei höher als erwartet: "Die Industrie hat den Tiefpunkt wohl durchschritten." Dabei profitiere die heimische Industrie zwar auch von Sondereffekten wie der Abwrackprämie. Aber auch im Ausland habe die Nachfrage nach Autos in den vergangenen Monaten deutlich angezogen, was nicht nur auf staatliche Kaufanreize zurückzuführen sei.

Weiter erklärten die Experten, dass sich offensichtlich der "Lagerzyklus" gedreht habe: Die Unternehmen begännen nun, ihre nach dem Lehman-Schock deutlich heruntergefahrenen Lagerbestände wieder aufzubauen. Eine solche Wende stelle zumeist den Beginn einer längeren Erholung dar. Ihr Fazit: "Auch wenn es in den kommenden Monaten auch Rückschläge geben könnte: Die Tendenz bei der Produktion dürfte nach oben zeigen." Damit wachse die Chance, dass nach einem erneuten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal ab dem dritten Quartal wieder ein Plus gegenüber dem Vorquartal zu verzeichnen sein wird.

DPA / DPA