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App für digitale Kassenbons: Diese Jungs wollen Kassenzettel überflüssig machen

Seit Jahresanfang gilt die ungeliebte Bonpflicht. Das Start-up "Epap" hat eine App entwickelt, die den Kassenzettel aus Papier überflüssig machen soll. Und die jungen Gründer haben noch mehr vor.

Epap

Die Epap-Macher Jannis Dust, Fabian Gruß, Sebastian Berger und Gerd Trang (von links)

Die Kassenbonpflicht ist einer der Aufreger des noch jungen Jahres. Seit 1. Januar 2020 müssen Händler, die eine elektronische Kasse besitzen, dem Kunden einen Beleg zur Verfügung stellen. Seitdem ärgern sich Bäcker über die "sinnlose Zettelwirtschaft", auch Imbissbesitzer oder Kioskverkäufer beklagen unnötige Papierverschwendung.

Vier Jungs aus Hannover möchten den Kassenzettel nun mit einer simplen App überflüssig machen. Denn das neue Kassengesetz, mit dem Steuerbetrug verhindert werden soll, schreibt zwar die Ausgabe eines Belegs vor. Aus Papier muss dieser aber nicht sein. Laut Bundesfinanzministerium dürfen die Belege auch digital ausgestellt werden.

Und hier tritt das Start-up Epap auf den Plan. "Wir wollen den digitalen Kassenbon in Deutschland etablieren", sagt Fabin Gruß, 26, einer der vier jungen Macher des Unternehmens, im Gespräch mit dem stern. Epap hat eine App entwickelt, die den Kassenbeleg digital versendet und speichert, ein Ausdruck ist nicht nötig.

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Start noch in diesem Quartal?

Die ersten 3700 Nutzer haben die seit September verfügbare App bereits heruntergeladen. Allerdings: Damit der digitale Kassenzettel funktioniert, müssen auch die Kassen im Laden damit ausgestattet sein. Daher hat sich die junge Firma an die großen Kassensoftwarefirmen gewendet. Dort befindet sich die Epap-App nun in einer Testphase. "Wir sind zuversichtlich, dass wir noch in diesem Quartal in die Läden kommen", sagt Gruß. Dort würde der Beleg dann zunächst per QR-Scan des Handys digitalisiert, künftig soll auch eine simple EC- oder Kreditkartenzahlung ausreichen.

Wichtig für die Händler sei, dass der Epap alle formalen Anforderungen des Kassengesetzes erfüllt, sagt Gruß. Für die Nutzung von Epap sollen die Händler je Kasse fünf Euro im Monat zahlen. Für den Start möchte Epap vor allem Händler ansprechen, deren Kunden Wert auf den Umweltgedanken legen - also Reformhäuser, Unverpackt-Läden und Bio-Supermärkte. Vor Ort sollen dann auch die Kunden zum Download der App animiert werden.

Konkurrenz durch andere Start-ups

Bis Epaps den Kassenzettel flächendeckend ersetzen können, ist es aber noch ein weiter Weg. Die Epap-Macher müssen nicht nur Händler und Kunden vom Nutzen des digitalen Kassenbons überzeugen. Sie müssen auch die Konkurrenz ausstechen, die mit ähnlichen Konzepten in den Startlöchern steht. Die Start-ups Anybill aus Regensburg, Bill Less aus Böblingen, Greenbill aus Kuchen und Wunderbon aus Düsseldorf drängen ebenfalls mit Lösungen für den digitalen Kassenzettel auf den Markt.

Die Epap-Gründer sehen das betont gelassen: "Ich glaube, dass sich auf lange Sicht das beste Produkt durchsetzen wird", sagt Fabian Gruß. Daher soll der digitale Kassenbon auch nur der Anfang sein. Um Nutzern die App schmackhaft zu machen, sollen zusätzliche Funktionen wie ein digitales Haushaltsbuch eingebaut werden, mit dem sich die alltäglichen Ausgaben überblicken und verwalten lassen. Weitere - auch kostenpflichtige - Zusatzoptionen sind angedacht.

Die große Frage ist, ob Epap und Co. es schaffen, überhaupt eine nennenswerte Anzahl Menschen dafür zu begeistern, sich eine Extra-App zu installieren, die primär Kassenbons verwaltet. Wenn nicht, bleibt immer noch Plan B. Sollten Techriesen wie Paypal, Apple oder Google entdecken, dass sie ihre digitalen Bezahldienste um eine mit dem deutschen Kassengesetz konforme Belegausgabe ergänzen wollen, könnte die Epap-Technologie für sie interessant werden. Zur Not würden sich die Jungs aus Hannover dann auch von einem großen Player kaufen lassen.

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