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Machtübergabe an Joe Biden Der Brief der Bosse: Wie die Wirtschaft an Trumps Abgang arbeitet

Donald Trump
Donald Trump verliert an Unterstützung
© Jim Watson / AFP
Unter massivem öffentlichen Druck macht Donald Trump den Weg frei für eine Amtsübergabe an Joe Biden. Aufgeben will Trump offiziell zwar noch nicht. Doch zuletzt stellte sich auch noch die Wirtschaftselite des Landes offen gegen den US-Präsidenten.

Es ist tatsächlich passiert: Donald Trump macht den Weg frei für eine Machtübernahme durch den gewählten Präsidenten Joe Biden. Nach wochenlanger Weigerung hat die für den Übergang zuständige Behörde GSA entschieden, Gelder und Zugänge für das Biden-Team freizugeben. Die GSA sowie sein eigenes Team sollten nun "tun, was getan werden muss", schrieb Trump am Montag auf Twitter. Auch wenn er im gleichen Atemzug behauptete, er werde weiter kämpfen und obsiegen, hat er die Niederlage damit ein stückweit eingestanden.

Wie kommt es zu dem Schritt, nachdem Trump wochenlang die Realität des Wahlergebnisses ignoriert hat, sich mit haltlosen Betrugsvorwürfen und juristischen Kämpfen an der Macht festkrallte und seine Anhänger gegen das politische System aufhetzte?

Da wäre zum einen der anhaltende Misserfolg seiner Klagen, die ebenso wie alle Stimmennachzählungen bislang nichts am Ergebnis ändern konnten. In immer mehr Staaten werden die Wahlergebnisse nun offiziell zertifiziert, zuletzt am Montag im Schlüsselstaat Michigan.

Dazu kommt der schwindende Rückhalt in der eigenen Partei. So forderten Anfang der Woche mehr als 100 Sicherheitsexperten aus dem republikanischen Lager, die Machtübergabe nicht weiter hinauszuzögern, weil sie sich um die nationale Sicherheit sorgten. Allerdings: In die innerparteiliche Opposition gehen längst nicht alle Republikaner. Allen voran der einflussreiche Senatsführer Mitch McConnell vermeidet weiterhin jegliche offene Kritik am Präsidenten.

Wirtschaftsbosse wenden sich von Donald Trump ab

Umso höher zu bewerten ist, dass eine weitere Macht im Staate nun zunehmend selbstbewusst auf Trumps Ende drängt: die Wirtschaftselite des Landes. Mehr als 160 Unternehmenschefs hatten am Montag in einem Brief die Trump-Regierung und die Transition-Behörde aufgefordert, ihren Widerstand gegen die Machtübergabe aufzugeben. "Jeder Tag, den der geordnete Übergang zum nächsten Präsidenten verzögert wird, schwächt unsere Demokratie in den Augen unserer eigenen Bürger und die Größe der Nation auf der globalen Bühne schwindet", heißt es in dem Schreiben. "Der kommenden Administration Ressourcen und vitale Informationen vorzuenthalten bedeutet ein Risiko für die Öffentlichkeit und die Sicherheit Amerikas."

Unterschrieben ist der Brief vom Who is Who des Corporate-America. Von den Bossen der Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa, der Versicherer MetLife und AIG, von den Chefs der Beratung Accenture, des Verlags Condé Nast und dem Coworking-Space-Anbieter WeWork. Unterzeichner ist auch die Finanzelite des Landes: der Chef der Investmentbank Goldman Sachs, David Solomon, Blackrock-Manager Laurence Fink und Blackstone-Präsident John Gray sowie Henry R. Kravis, Co-Chef der Private Equity Firma KKR und betuchter Großspender der republikanischen Partei.

"Wir fordern Respekt für den demokratischen Prozess und die vereinte Unterstützung unserer ordnungsgemäß gewählten Führung ein", schreibt die geballte Wirtschaftselite. "Wir haben keine Zeit zu verschwenden im Kampf mit der Pandemie und bei der Erholung und Heilung unserer Nation."

Wenige Stunden nachdem der Brief öffentlich geworden war, lenkte die Transition-Behörde tatsächlich ein. Der Einfluss des Briefes dürfte weniger in Appellen zur Bekämpfung der Pandemie und der Heilung der Nation liegen - dass dies Trump kein Anliegen sind, hat er durch sein Verhalten klar gemacht. Entscheidender dürfte vielmehr sein, dass sich unter den Wirtschaftsgrößen, die sich nun offen gegen Trump stellen, auch Großspender der republikanischen Partei befinden. Von diesen hätten einige sogar damit gedroht, ihre Unterstützung für die im Januar anstehenden wichtigen Senatsstichwahlen in Georgia einzustellen, berichtet die "New York Times".

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Selbst herausragende Trump-Befürworter aus der Wirtschaft haben den scheidenden Präsidenten abgeschrieben und sagen das mittlerweile auch öffentlich. So gab auch Steve Schwartzman, Chef der Investmentgesellschaft Blackstone und prominenter Trump-Unterstützer, der Seite Axios ebenfalls am Montag ein Statement, das keine Fragen offenlässt. Nach der Wahl sei es zwar wichtig gewesen, offene Fragen zu klären. "Aber das Ergebnis ist heute sehr klar und das Land sollte voranschreiten." Er habe Trump und seinen ökonomischen Kurs unterstützt. Nun aber sei er wie viele in der Business Community bereit, dem gewählten Präsidenten Biden zu helfen.

Quellen: New York Times / Axios


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