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Lieferengpässe Drohen uns leere Lebensmittelregale? Das sagen Aldi, Lidl und Co.

Leere Supermarktregale im britischen Machester
Leere Supermarktregale im britischen Machester
© Jon Super / DPA
Auch Supermärkte und Discounter sind von den weltweit gestörten Lieferketten betroffen. Aldi und Lidl berichten von Lieferschwierigkeiten, die Versorgung mit Lebensmitteln sei aber gesichert.

Leere Supermarktregale gehören zu den Albtraum-Vorstellungen der Verbraucher. In Großbritannien konnte man solche Bilder zuletzt regelmäßig sehen. Corona-Pandemie, Brexit und fehlende Lkw-Fahrer sorgten dort für massive Lieferschwierigkeiten. Einige Lebensmittelhändler stellten sogar Papp-Bilder der fehlenden Ware ins Regal, um die gähnende Leere zu kaschieren.

Soweit ist es bei uns lange nicht, doch auch hierzulande sorgen gestörte Lieferketten bei vielen Waren für Engpässe. Fahrräder sind seit Monaten Mangelware, Chips für Autos und Technikartikel fehlen und auch die Lebensmittelhändler bleiben nicht verschont. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, kämpft die Branche zunehmend mit Engpässen in der Warenversorgung. Betroffen seien nicht mehr nur Nonfood-Produkte, auch bei Lebensmitteln häuften sich die Ausfälle.

So bestätigte etwa der zur Rewe Group gehörende Großhändler Lekkerland dem Fachblatt Lieferschwierigkeiten bei einigen Lieferanten. Bestimmte Artikel einzelner Hersteller seien teils über Wochen nicht lieferbar. Betroffen sind laut dem Bericht etwa Cola-Dosen, Süßigkeiten oder Tabakwaren. Bei Getränkedosen macht sich zudem die Knappheit von Aluminium bemerkbar. 

Lebensmittelversorgung gesichert

Grund zur Panik sehen die Supermärkte und Discounter dennoch nicht. Auf Anfrage des stern berichten die großen Lebensmitteleinzelhändler zwar durchaus von Lieferverzögerungen. Die Versorgung mit Lebensmitteln sehen sie aber nicht gefährdet. So erklärt etwa der Discounter Lidl: "Die Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Drogerieartikeln ist in unseren Filialen gegeben. Sollte ein Artikel kurzfristig nicht erhältlich sein, wird er schnellstmöglich nachgeliefert." Anhaltende Lieferverzögerungen gebe es hingegen bei Artikeln des Non-Food-Sortiments aufgrund von Problemen im Seefrachtverkehr, weswegen Werbetermine für Aktionsware angepasst werden mussten.

Eine Sprecherin von Edeka erklärte knapp: "Wir können die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln weiterhin in allen Bereichen sicherstellen." Und Konkurrent Rewe berichtet: "Wir sehen derzeit keine nennenswerten Auswirkungen auf die Versorgungslage in Deutschland. Mit Beginn der Corona-Pandemie haben wir über sämtliche Stufen hinweg die Warenbestände erhöht, sodass wir etwaige Verzögerungen in der Lieferung kompensieren könnten." Zudem betont der Supermarktriese, dass frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse, Wurst und Milch aus Deutschland und europäischen Nachbarländern stammen. Soll heißen: Störungen im globalen Seehandel fallen da nicht so ins Gewicht. 

Anhaltende Probleme im Seehandel

Ein Sprecher von Aldi Nord betont ebenfalls, "dass wir eine Beeinträchtigung der Warenversorgung von Lebensmitteln oder Near-Food-Artikeln nicht bestätigen können". Die Anlieferung von Aktionsartikeln aus dem Non-Food-Bereich könne sich hingegen wegen international gestörter Logistikströme verzögern. "Seit Wochen und Monaten sind deutlich weniger Leercontainer verfügbar, wodurch bereits gefertigte Waren in Asien nicht sofort verladen und transportiert werden können." Zudem würden Reedereien in unregelmäßigen Abständen Fahrten zwischen Asien und Europa streichen, was zu weiteren Verschiebungen führe.

Ähnlich äußert sich auch Schwesterkonzern Aldi Süd. "Wie viele andere Einzelhändler ist auch Aldi Süd Teil des Weltmarkts und somit auch teilweise von den internationalen Lieferverzögerungen betroffen." Die Blockade im Suezkanal sowie die zeitweisen Hafensperrungen in Yantian und Ningbo hätten erhebliche Auswirkungen auf die Infrastruktur des gesamten internationalen Frachtverkehrs gehabt. "Diese Auswirkungen sind weiterhin spürbar und es ist noch nicht absehbar, wie lange die Situation anhalten wird." 

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Die Versorgung mit Lebensmitteln sei aber gewährleistet. Bei Lieferengpässen oder erntebedingten Schwankungen weiche Aldi Süd auf zusätzliche Lieferanten aus. Ware werde frühzeitig bestellt und zum Teil zwischengelagert. "Sind trotz aller Bemühungen einmal Waren zwischenzeitlich vergriffen, so handelt es sich um eine vorübergehende Ausnahmesituation", erklärt Aldi Süd.

Britische Zustände drohen den Aussagen der Händler zufolge hierzulande also nicht. Ganz so entspannt wie sich die Unternehmen nach außen geben, dürfte es intern aber nicht aussehen. Gegenüber der Lebensmittelzeitung bezeichnete ein anonymer Edeka-Manager das Aufrechterhalten der Warenverfügbarkeit als "täglichen Kampf". Zwar drohten keine flächendeckend leeren Regale, aber "wir werden Lücken sehen".

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