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Dschungelcamp: So teuer ist die Werbung zwischen Maden und Möpsen

Lange wurde das Dschungelcamp von namhaften Unternehmen als Werbeumfeld umschifft: Zu eklig, zu trashig war das Format. Das ändert sich jetzt: Der Dschungel kommt aus der Schmuddelecke.

Die beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!".

Die beiden Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!".

Dschungelcamp, das ist doch diese Trash-Sendung mit alternden Stars, aktuellen C-Promis und ehemaligen Teilnehmern anderer Reality-Formate, die sich mit widerlichen Sachen vollstopfen und ansonsten auf den Lagerkoller im Busch warten?

So in etwa lautete lange die Einschätzung der deutschen Werbeindustrie über das RTL-Format. Obwohl Top-Quoten erzielt wurden, taten sich Unternehmen schwer, dort in den Werbepausen für ihre Produkte Reklame zu machen. Der Kekshersteller Bahlsen und die Großmolkerei Müller hat das in der Vergangenheit offenbar nicht gestört, beide Firmen setzen auf das Dschungelcamp. Bei der aktuell startenden Staffel kommt nun ein Großunternehmen dazu: Mc Donalds will zwischen Kakerlaken und Maden die eigenen Burger bewerben.

Ekel-Faktor lockt Bildungsbürger

"Die Kunden fragen sich, ob der Inhalt der Sendung auf ihre Marke abstrahlt", sagt Anja Stockhausen von der Mediaagentur Zenith Optimedia der "FAZ". Doch genau das würde nicht passieren. Sie bezeichnet das Dschungelcamp als "Premiumumfeld" für Werbekunden.

Und das nicht zu Unrecht: Zwar besitzt das Format einen hohen Ekel-Faktor und die Kandidaten zählen eher nicht zur A-Promi-Riege. Dennoch lockt die Sendung auch das gutverdienende Bildungsbürgertum und Akademiker vor den Fernseher. Bei Zuschauern mit Abitur oder Studium liegt der durchschnittliche Marktanteil bei rund 25 Prozent. Hier horcht die Werbeindustrie auf.

Dazu hat das Dschungelcamp eine starke Reichweite. Bei der vergangenen Staffel schauten rund acht Millionen Menschen zu - ein Spitzenwert in der Branche. Daher verwundert es nicht, dass die Werbeplätze beim Dschungelcamp teuer sind: Für 30 Sekunden zahlen Unternehmen mehr als 50.000 Euro, so die "FAZ".

Neue Werbeformate

Für Bahlsen, Müller und nun auch Mc Donalds sind aber nicht nur die Werbeblöcke interessant. RTL entwickelt mögliche Werbeformate ständig weiter. So setzt Mc Donalds auf die so genannten "Cut-ins", also Werbebanner, die während der Sendung durchs Bild wandern. Und RTL geht sogar nocht weiter: Schon im vergangenen Jahr wurden Produkte kurzerhand in das Dschnugelcamp eingebunden. So gab es eine "Schatzsuche", an deren Ende die Kandidaten einen Schokoriegel aus dem Hause Bahlsen bekamen. Nach Tagen mit magerer Kost - Reis und Bohnen - erscheinen zwei Butterkekse mit Schokofüllung himmlisch. Und genau das vermittelten auch die Dschungelcamper. Für Bahlsen ein gelungener Coup.

Riskant für Werbekunden

Doch nicht alle sind von dem Format als Werbeumfeld überzeugt. "Es bleibt eben doch eine Maden- und Schrei-Sendung auf Trash-Niveau", sagt Marcel Loko, Geschäftsführer der Werbeagentur "Zum goldenen Hirschen" in einem Interview. Das Dschungelcamp sei ein riskantes Umfeld. Zwar könne man schnell bekannt werden, aber keine Marke aufgeladen werden.

Katharina Grimm
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