E-Commerce Amazon.de erhebt Versandkosten für Bücher


Der Internethändler Amazon.de liefert nun ab einem Bestellungwert von 20 Euro (vorher 45 Euro) ohne Versandgebühren. Vorher waren reine Buchsendungen versandkostenfrei.

Deutschlands größter Internetbuchhändler Amazon.de erhebt ab sofort für Buchbestellungen unter 20 Euro eine Versandkostenpauschale von 3 Euro. Oberhalb dieser Grenze bleibt die Lieferung für den Kunden weiterhin kostenfrei, teilte das Unternehmen in München mit.

Bei allen Produkten einheitlich

Für Produkte aus anderen Sparten wie Musik, DVDs, Videos und Unterhaltungselektronik erhob Amazon.de bei Bestellungen unter 45,50 Euro schon bisher eine je nach Zahl der Produkte unterschiedlich hohe Gebühr. Auch für diese Produkte gilt nun die 20-Euro-Schwelle und die einheitliche 3-Euro-Pauschale.

Geändertes Bestellverhalten

Amazon.de trägt mit der Entscheidung dem veränderten Bestellverhalten Rechnung, sagte Geschäftsführer Ralf Kleber. Bei Amazon.de hat sich der durchschnittliche Bestellwert erhöht, und der Anteil der 4 Millionen Kunden, die auch Elektronikprodukte ordern, wächst sehr stark. Amazon unterhält in Bad Hersfeld seines zentrales Auslieferungslager.

Ähnliche Preispolitik

Amazon ist nicht der erste Internet-Anbieter, der einen Teil der Versand- und Verpackungskosten auf den Kunden abwälzt. Seit vergangenen Oktober erhebt auch buch.de mit Sitz in Münster eine Bearbeitungsgebühr für Buchbestellungen unter 11,25 Euro. Die Münchner Buchhandelskette Hugendubel verlangt in ihrer kürzlich gestarteten Internet-Filiale ebenfalls eine Gebühr von 3 Euro pro Sendung. Auch bei einem Teil der rund 2.000 stationären Buchläden mit Internetauftritt ist die Lieferung für den Kunden nicht kostenfrei.

Andere werden nachziehen

Dass nun aber Marktführer Amazon.de diesen Schritt gemacht hat, wird in der Branche als Dammbruch für das immer noch verlustreiche Internetgeschäft mit Büchern gewertet. Der Gießener Buchhändler und Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, geht davon aus, dass nach Amazon.de auch alle anderen Anbieter ihre Preispolitik überdenken werden. »Langfristig ist damit zu rechnen, dass der Kunde bei Kleinbestellungen künftig überall eine Versandkostenpauschale von rund 3 Euro wird zahlen müssen«, sagte Schormann. Die Entscheidung von Amazon zeigt aber auch, welche Marktposition das Münchner Unternehmen mittlerweile habt, wenn es die kostenfreie Lieferung als Marketinginstrument nicht mehr benötigt.

Onlinebuchhandel kleines Segment

Das Internet-Geschäft mit Büchern ist in Deutschland immer noch sehr klein. Schormann rechnet für 2002 mit rund 400 Millionen Euro Umsatz, das wären gut 4 Prozent des gesamten Buchhandelsumsatzes. Derzeit macht noch kein reiner Internetbuchhändler Gewinn. Dass einer der Großen mit der Erhebung von Portokosten vorpreschen würde, war in der Branche daher seit Monaten erwartet worden - doch lange wagte sich keiner vor. »Bei Kosten für Porto und Verpackung von etwa 5 Euro verdienen Sie an einer Bestellung unter 20 Euro nichts«, rechnete Schormann vor. Mit der Erhebung von Kostenpauschalen begegnen die Versandfirmen dem Trend, dass immer mehr Leser Bücher einzeln bestellen. Der durchschnittliche Bestellwert ist nach Angaben Schormanns von früher 60 bis 70 Mark auf heute 25 bis 30 Mark (rund 15 Euro) zurückgegangen.

Ende der 'Gratis'-Mentalität

Buch.de hat laut Sprecher Albert Hirsch mit der Pauschale gute Erfahrungen gemacht. Zwar gibt es Bestellrückgänge, doch der Anteil der Kleinbestellungen sank seitdem von 20 auf 5 Prozent. Unterm Strich ist man »sehr zufrieden«. Buch.de freut sich über den Schritt von Amazon, weil er zeigt, »dass die Alles-umsonst-Mentalität im Netz vorbei ist«, sagte Hirsch.

Nur wenige ziehen nicht mit

Der Münchner Online-Händler BOL, eine Bertelsmann-Tochter, schließt eine Einführung von Versandkosten ebenfalls nicht aus. »Betriebswirtschaftlich wäre das schon sinnvoll«, sagte eine Unternehmenssprecherin. Derzeit sind aber keine Änderungen geplant. Der Augsburger Internet-Buchshop Booxtra dagegen will auch weiterhin versandkostenfrei ausliefern. »Versandkosten sind kein Thema für uns«, behauptete Booxtra-Geschäftsführer Klaus Driever. »Wer es ohne Versandkosten nicht schafft, wird auch mit nicht auf einen grünen Zweig kommen.«


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