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EADS: Ticket ins All für 200.000 Euro

Einmal schweben? Und die Welt von oben sehen? Der deutsch-französische EADS-Konzern entwickelt ein Raketenflugzeug, das von 2012 an Touristen ins All befördern soll. stern.de sprach mit Finanzchef Thomas Müller über Sinn und Unsinn des Projekts.

Herr Müller, sollte man wirklich öffentliche Gelder investieren in ein Business, das auf die Gelüste von Milliardären abzielt?

Die Frage ist polemisch, aber berechtigt. Weltraumforschung kostet Geld, und bisher vor allem staatliches Geld. Dieses Projekt eines Raketenflugzeugs, das vier Menschen für ein paar Minuten ins All befördert, ist ein kommerzielles Projekt - es soll Geld bringen, das wiederum der Weltraumforschung zugute kommt. Es muss gelingen, die Weltraumforschung zu kommerzialisieren - nur dann werden dafür genügend Mittel zur Verfügung stehen. Wir wollen private Investoren anziehen, und das geht nur, wenn dahinter ein handfestes Geschäft steckt.

Wieso ist Weltraumforschung so wichtig? Was bringt es den Menschen, auf den Mond oder den Mars zu fliegen?

Wir sind der Meinung, die Weltraumforschung wird wesentlich sein für die Lösung der künftigen Probleme der Menschheit. Es sieht so aus, als würde auch die deutsche Regierung diese Auffassung jetzt teilen. Vom All aus kann Forschung zur Erderwärmung betrieben werden. Von dort aus können Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Navigation von Autos und Flugzeugen zu optimieren - was eine Menge CO2 einspart.

Einstweilen werden diese Flüge ins All vor allem eine Menge CO2 produzieren. . .

Aber für einen guten Zweck. Die Weltraumforschung wird eine der Schlüsseltechnologie sein für die Zukunft der Menschheit. Ich bin hier nur der Kaufmann, aber man weiß beispielsweise heute, dass Sonnenenergie im All zu sammeln am effizientesten ist. Die Frage ist dann, wie man die Energie auf die Erde bekommt, aber das ist sicher kein unlösbares technisches Problem.

Die Entwicklungskosten fürs Raketenflugzeug werden etwa eine Milliarde Euro betragen, Sie rechnen mit 15.000 potentiellen Kunden pro Jahr - wie kommen Sie auf diese Zahl?

Wir haben verschiedene Studien in Auftrag gegeben. Aber grob gesagt handelt es sich einfach um einen kleinen Bruchteil der Leute, die richtig viel Geld haben und 200.000 Euro für ein Abenteuer investieren können, das nur eineinhalb Stunden dauert.

Der spektakuläre Teil davon - das Schweben über der Erde, in der Schwerelosigkeit, dauert gerade mal drei Minuten. . .

Genau. Und wird doch ein existentielles Erlebnis sein. Ich habe mal mit Thomas Reiter gesprochen, dem deutschen Astronauten. Er sagte, die Erde so von außen gesehen zu haben, habe seine gesamte Lebenseinstellung verändert, weil ihm bewusst geworden sei, wie klein die Erde ist, und dass wir alle in diesem einen, kleinen Boot sitzen, und deswegen gut auf dieses Boot aufpassen müssen.

Und wie gefährlich ist das Ganze?

Völlig ungefährlich für einen gesunden Menschen - die Fliehkräfte, die auf den Organismus einwirken, sind geringer als die beim Achterbahnfahren. Und was die Flugsicherheit angeht - das Gefährliche an Weltraumflügen ist ja das Eintreten in die Atmosphäre, die ein Hitzeschild notwendig macht. Das braucht aber unser Raketenflugzeug nicht, da wir nur 100 Kilometer über der Erde sind und nur wenig über der Erdatmosphäre. Dadurch ist Fallgeschwindigkeit beim Wiedereintritt in die Atmosphäre so gering, dass es keine außergewöhnliche Erhitzung gibt.

Interview: Astrid Mayer
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